Klangvolle Begegnungen im Messajero: Wenn Musik und Gespräch ineinandergreifen

Im Gladbacher Messajero in Mönchengladbach reichte am Dienstag ein vergleichsweise schlichtes Setup aus, um einen Abend mit bemerkenswerter Wirkung zu tragen: ein offenes Gesprächsformat, ein aufmerksames Publikum und am Ende Musik, die den Raum sichtbar füllte.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler und Inge Kroese

Mönchengladbach – Unter dem Titel „Corinna lädt ein: Sophie Chassée im Talk“ hatte CORINNA e.V. zu einem Kulturabend eingeladen, der weit über die übliche Mischung aus Interview und Konzert hinausging. Den Auftakt bildete dabei der Talk, moderiert von Sophie Chassée, die mit sicherem Gespür für Tempo und Zwischentöne durch das Gespräch führte. Im Mittelpunkt standen Nina de Almeida und Timo Brauwers, zwei Künstlerpersönlichkeiten mit unterschiedlichen Wegen, aber ähnlichen musikalischen Prägungen: früh angefangen, früh gefördert, früh auf der Bühne. Was beide verbindet, ist nicht nur die Liebe zur Musik, sondern auch ein Werdegang, der stark von Familie, Umgebung und ersten prägenden Auftritten bestimmt wurde.

Foto: Rheinischer Spiegel/Maris Rietrums

Nina de Almeida berichtete von ihren Anfängen an der Kreismusikschule Viersen, vom Klavier über den Chor bis hin zum Gesang, der schließlich zum Schwerpunkt wurde. Erste Bandprojekte folgten, später kamen Auftritte mit regional bekannten Formationen hinzu. Heute arbeitet sie beruflich als Lehrerin und unterrichtet neben Englisch auch Musik. Im Gespräch wirkte sie nahbar und konzentriert, jemand, der die Bühne kennt, aber den direkten Draht zum Publikum nicht verloren hat. „Musik war bei uns zu Hause nie etwas Abgehobenes, sondern einfach Teil des Alltags“, sagte sie.

Timo Brauwers schilderte seinen Weg von der ersten Gitarre, die er von seiner Mutter bekam, bis hin zu seinen heutigen Projekten als Fingerstyle-Gitarrist und Solokünstler. Aufgewachsen am Niederrhein, sammelte er früh Bühnenerfahrung, unter anderem mit seiner Band „Eton Run“. Prägend sei für ihn später die Begegnung mit dem italienischen Gitarristen Franco Morone gewesen. „Da habe ich verstanden, dass die akustische Gitarre nicht Begleitung sein muss, sondern selbst erzählen kann“, so Brauwers. Genau dieser Gedanke zieht sich durch seine Musik, die Folk, Pop und moderne Gitarrentechnik miteinander verbindet.

Für einen der eindrücklichsten Momente des Abends sorgte Nina de Almeida mit der Schilderung eines spontanen Auftritts mit Cutting Crew. Die Geschichte zeigte vor allem eines: wie nahbar große Namen auf der Bühne sein können, wenn es hinter den Kulissen menschlich bleibt. Solche Anekdoten gaben dem Talk eine persönliche Note und machten deutlich, wie sehr solche Abende vom Erzählen leben.

Foto: Rheinischer Spiegel/Maris Rietrums

Dass dieses Format in Mönchengladbach stattfinden kann, ist auch ein Ergebnis der Arbeit von CORINNA e.V., der sich nach den Einschnitten der Corona-Pandemie als verlässliche Struktur für die lokale Kulturszene etabliert hat. Der Verein versteht sich als Netzwerk und Unterstützer zugleich, als Anlaufstelle für Kreative, Veranstaltungsorte und Initiativen, die Kultur vor Ort lebendig halten. Gerade in einer Zeit, in der die Bedingungen für die Kultur- und Eventbranche weiterhin schwierig bleiben, setzt das Engagement des Vereins ein sichtbares Zeichen.

Nach dem Gespräch wechselte der Abend vom Wort zum Klang. Zunächst musizierten Sophie Chassée, Timo Brauwers und Nina de Almeida gemeinsam, später stand Brauwers mit de Almeida erneut im Mittelpunkt. Zu hören war unter anderem ein neues Stück von ihm, das mit moderner Fingerstyle-Arbeit und der sehr wandelbaren Stimme von Nina de Almeida eine besonders dichte Wirkung entfaltete. Die Verbindung aus präzisem Gitarrenspiel und facettenreichem Gesang sorgte für einen der musikalisch stärksten Momente des Abends.

Für Sophie Chassée selbst war der Abend zugleich ein Ausblick auf die kommenden Wochen: Am 29. Mai 2026 steht im Messajero ihre Release-Show zum neuen Album an, der Vorverkauf beginnt am 9. Mai. Außerdem ist bereits die nächste Ausgabe von „Corinna lädt ein“ terminiert; am 1. Dezember ist Gitarrist Joscho Stephan zu Gast. (sk)

Foto: Rheinischer Spiegel/Maris Rietrums