Kloster Arkadi: „Diese Flamme war eine Flamme Gottes, in der die Kreter für die Freiheit verbrannten.“

Eingefasst von Olivenhainen, Weinbergen, Pinien und Zypressen ist das Kloster Arkadi nicht nur ein Stopp auf den Touristenrouten der Insel Kreta. Das Kloster ist viel mehr – es ist ein Heiligtum, Wallfahrtsort mit einer bewegten Geschichte und das bedeutendste Nationaldenkmal der Insel.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Kreta/Griechenland – Wer das Tor durchschreitet, welches die riesigen Mauern des Arkadi-Klosters auf Kreta durchbricht, der spürt einen Hauch der bewegten Vergangenheit des bedeutendsten Nationaldenkmals der Insel. Im kretischen Kampf um die Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich spielte das Kloster eine bedeutende Rolle und wurde so zu einem Heiligtum, welches bis heute von den Einheimischen als Wallfahrtsort verehrt wird und war zudem bis zur Einführung des Euro auf dem 100 Drachmen-Schein zu finden.

Foto: Rheinischer Spiegel

In der Nähe des Dorfes Amnatos, rund 25 km südlich der Stadt Rethymnon, auf einem fruchtbaren Plateau erhebt sich das Kloster Arkadi, welches im 5. Jahrhundert von dem byzantinischen Kaiser Arkadios erbaut worden sein soll. Tatsächlich gehen Forscher eher von der Gründung durch einen Mönch mit Namen Arkadios aus, den Namen des Klosters belegt eine Inschrift aus dem 14. Jahrhundert.

Die zweischiffige Basilika selbst wurde 1587 während der venezianischen Herrschaft über Kreta als Wiederaufbau einer früheren Kirche errichtet und ist das Herzstück des Klosters, welches bis in das 17. Jahrhundert hinein erblühte. Die osmanischen Besatzer gaben dem Kloster den Namen Tsanli Manastir, denn nachdem Kreta 1669 vollständig durch die Türken erobert worden war, wurde das Läuten der Glocken auf Kreta verboten. Das Kloster wurde geplündert und teilweise zerstört. Durch Geschenke an den Pascha erhielten die Mönche nicht nur die Erlaubnis das Kloster wieder bewohnen zu dürfen, ebenfalls die Glocke durfte wieder erklingen – die einzige auf der gesamten Insel.

Foto: Rheinischer Spiegel

Als nach 1830 ein Teil Griechenlands die Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich zugesprochen worden war, wuchs der Widerstand auf Kreta gegen die osmanische Herrschaft. Es vergingen mehr als drei Jahrzehnte, doch als 1866 im Kloster Arkadi ein Revolutionskomitee gegründet wurde, wurde das Kloster zum Vorbild des Freiheitsgedankens, zum Vorbild der Unabhängigkeit. Im Herbst 1866, in der Nacht vom 7. auf den 8. November kam es hier zu dem Kampf, der das Fundament für das Nationalheiligtum der Insel legte. 15.000 Osmanen griffen das Kloster an, in welchem sich 964 Menschen, unter ihnen 325 kampftaugliche Männer, aufhielten.

Zwei Tage lang versuchten die Belagerten innerhalb des Klosters Widerstand zu leisten, doch als die Aussichtlosigkeit immer stärker sichtbar wurde, entschieden sich die Kreter dazu nicht lebend aufgeben zu wollen. Am 9. November hatten die Türken das Kloster eingenommen und die meisten der Lebenden, darunter Frauen und Kinder, zogen sich in das Pulvermagazin zurück. Sie sprengten das Magazin und rissen dabei dutzende Soldaten mit in den Tod. Nur ein Mädchen überlebte, 114 der belagerten Menschen gerieten in Gefangenschaft, 1.500 Osmanen verloren ihr Leben. An die Belagerung des Klosters durch die Türken erinnert zudem heute noch eine verkohlte Zypresse auf dem Klosterhof, in der eine Gewehrkugel steckt. Dieser Kampf erregte international Aufsehen und unter anderem Victor Hugo sowie Guiseppe Garibaldi zeigten sich solidarisch mit den Kretern, die jedoch erst 1897 ihre Unabhängigkeit und erst 1913 die Vereinigung mit Griechenland feiern konnten.

Foto: Rheinischer Spiegel

Im rekonstruierten Pulvermagazin sind Teile einer Steinplatte zu besichtigen, die 1937 aufgestellt wurde in Gedenken an die Geschichte. Erzbischof Timotheos Veneris fand die Worte, die an die grausamen Ereignisse erinnern: „Diese Flamme, die in dieser Krypta entfacht wurde und das ruhmreiche Kreta von einem Ende zum anderen erleuchtete, war eine Flamme Gottes, in der die Kreter für die Freiheit verbrannten.“

Öffnungszeiten (Stand 2019):
April – Mai täglich von 9.00 bis 19.00 Uhr
Juni – August täglich von 9.00 bis 20.00 Uhr
September – Oktober täglich von 9.00 bis 19.00 Uhr
November täglich von 9.00 bis 17.00 Uhr
Dezember – März täglich von 9.00 bis 16.00 Uhr.

Es werden tägliche Gottesdienste um 6.00 Uhr am Morgen und 18.00 Uhr am Abend angeboten. Der Eintritt beträgt 3 Euro, für griechische Staatsbürger ist der Eintritt frei. (nb)

Foto: Rheinischer Spiegel