Ein packender Auftakt, begeistertes Publikum und ein neuer Preis, der für große Emotionen sorgte: Am Freitagabend startete im historischen Weberhaus das neue Festival „September Jazz“, organisiert vom Jazz Circle Viersen e.V. Erstmals wurde dabei der „Ali Haurand Preis“ verliehen – benannt nach dem legendären Kontrabassisten, Gründer des Internationalen Jazzfestivals Viersen und unermüdlichen Förderer junger Talente.
Von RS-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz und Martin Häming
Viersen-Süchteln – „Ali Haurand war ein Visionär. Ohne ihn gäbe es das Internationale Jazzfestival Viersen nicht. Mit dem neuen Preis setzen wir sein Vermächtnis fort“, betonte Brigitta Nolte zu Beginn des Abends. Die Auszeichnung ist nicht nur mit einer Prämie von 1.000 Euro verbunden, sondern auch mit einem Engagement für ein Konzert am 12. Dezember 2025. Damit soll Nachwuchsbands nicht nur Anerkennung, sondern auch eine konkrete Plattform für ihre künstlerische Entwicklung geboten werden.

Im Mittelpunkt des ersten Festivalabends stand der Wettbewerb „Young Talents“, an dem drei Formationen teilnahmen: Irina’s Quartet, das Simon Bremen Trio und die Band KNUD. Alle drei Gruppen hatten sich über eine deutschlandweite Ausschreibung beworben und waren von einer Fachjury, bestehend aus renommierten Jazzmusikern, für das Festival ausgewählt worden.
Was dann auf der Bühne geschah, war ein eindrucksvolles Schaufenster junger Jazzkunst: lyrische Balladen, dichte Improvisationen, rhythmische Experimente. Jede Formation präsentierte eine eigene Handschrift, und schnell wurde klar, dass die Jury keine leichte Entscheidung treffen würde. KNUD wurde zum Sieger des Abends gekürt und erhielt damit den allerersten „Ali Haurand Preis“. Die Band zeigte sich gerührt und erklärte: „Wir sind überwältigt und fühlen uns geehrt, hier in Viersen ausgezeichnet zu werden. Ali Haurands Name steht für Jazzkultur weit über die Region hinaus – das motiviert uns enorm.“

Bevor die Wettbewerbsbands auftraten, eröffnete das junge Ensemble „Jazzblood“ den Abend. Die Musikerinnen und Musiker, die bereits seit einigen Jahren gemeinsam auf der Bühne stehen und einst im Alter von nur elf Jahren begannen, gelten längst als Hoffnungsträger der Krefelder Szene. Ihr energiegeladener Auftritt wurde mit einem Sonderpreis honoriert: 500 Euro Förderhilfe als Anerkennung für ihr Engagement und ihre Entwicklung. Damit machte der Jazz Circle deutlich, dass die Förderung junger Musikerinnen und Musiker nicht nur ein Lippenbekenntnis ist, sondern gelebte Praxis – ganz im Sinne des Preisnamensgebers Ali Haurand.
Nach der Preisvergabe gehörte die Bühne schließlich den Profis: Norbert Dömling’s „Flying Spaces“ feat. Tony Lakatos begeisterten mit einem Klangspektrum voller Improvisationsfreude und Ausdruckskraft. Besonders Tony Lakatos, bekannt durch die Bigband des Hessischen Rundfunks, beeindruckte mit seinem warmen, leuchtenden Saxophonton. Das Quintett entführte das Publikum auf eine Reise durch die Möglichkeiten des Jazz – ein krönender Abschluss für den ersten Festivalabend.
Nach diesem gelungenen Auftakt setzt das Festival heute seine Reise fort. Wieder erwarten das Publikum drei hochkarätige Formationen, die zeigen, wie vielfältig Jazz sein kann. Den Auftakt macht das Bennet Agah Quartett. Der junge Saxophonist Bennet Agah, der bereits 2023 beim Internationalen Jazzfestival Viersen glänzte, widmet sich mit seinem Ensemble ausschließlich Eigenkompositionen. Seine Musik bewegt sich zwischen skandinavischer Klarheit, zeitgenössischen Einflüssen und Modern Jazz.

Anschließend übernimmt das Rafael Cortés Trio die Bühne. Cortés, ein Meister der Flamencogitarre, verbindet spanische Tradition mit jazzigen Strukturen und lateinamerikanischen Klangfarben. Wer ihn bereits im ausverkauften Weberhaus erlebt hat, weiß um die Leidenschaft und Virtuosität seines Spiels.
Zum Finale des Festivals reist das Publikum nach Wien – zumindest musikalisch. Das David Helbock Trio, begleitet von der Sängerin Filippa Gojo, bringt mehr als zwanzig verschiedene Instrumente mit. Helbocks neue Kompositionen und die Gedichtvertonungen, kombiniert mit Gojos ausdrucksstarker Stimme, versprechen ein ebenso überraschendes wie bewegendes Konzerterlebnis.
Neben dem musikalischen Programm sorgt das Catering der Firma Koneser mit polnischen Spezialitäten für Genussmomente. So wird das Festival auch zum geselligen Treffpunkt, bei dem Musikfans, Musikerinnen und Musiker ins Gespräch kommen. Mit der Premiere von „September Jazz im Weberhaus“ und der erstmaligen Vergabe des „Ali Haurand Preises“ hat Viersen einen neuen kulturellen Akzent gesetzt. Der erste Abend hat gezeigt, dass das Konzept aufgeht: Nachwuchsförderung, Wettbewerbsspannung und hochklassige Konzerte. Heute Abend wartet die Fortsetzung – nicht minder vielversprechend. (cs)



