Kriminelle Pointen und leise Ernsthaftigkeit: Roland Jankowsky war zu Gast im Gladbacher TIG

Am vergangenen Sonntag verwandelte sich das TIG MG in einen Ort zwischen schwarzem Humor, literarischer Spannung und nachdenklichen Momenten. Roland Jankowsky, einem breiten Publikum seit zwei Jahrzehnten als Kommissar Overbeck aus der ZDF-Krimireihe „Wilsberg“ vertraut, stand mit seiner Lesung „Wenn Overbeck (wieder) kommt …“ auf der Bühne – und zeigte eine ganz eigene Facette seines Könnens.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler

Mönchengladbach – Viele Besucher kannten Jankowsky aus dem Fernsehen, andere waren gezielt wegen seiner Lesungen gekommen, die längst einen eigenen Ruf genießen. Mit ruhiger Präsenz und präzisem Gespür für Timing führte der Schauspieler durch einen Abend voller schräger, krimineller Kurzgeschichten, die weniger von Ermittlungsroutine als von grotesken Wendungen und menschlichen Abgründen erzählten.

Foto: Rheinischer Spiegel/Maris Rietrums

Gespielt wurden unter anderem „Auf dem Parkplatz am Park“ von Peter Gerdes, „Auf Abwegen“ von Erika Kroell, „Bei Mutti schmeckt’s am besten“ von Peter Godazgar, „Familientherapie“ von Jan Schröter sowie „Chaos im Keller“ von Klaus Stickelbroeck.

Jede dieser Geschichten entfaltete ihren eigenen Kosmos: skurril, bissig, manchmal lakonisch, dann wieder überraschend brutal. Jankowskys Art des Vortrags verlieh den Texten eine besondere Dichte – mit feinen Pausen, präziser Betonung und einem trockenen Humor, der immer wieder leises Lachen, aber auch hörbares Innehalten im Publikum auslöste.

Die Atmosphäre im Saal schwankte zwischen heiterer Anspannung und konzentrierter Stille. Besonders die unerwarteten Pointen sorgten für Reaktionen, die von spontanen Lachern bis zu spürbarem Erstaunen reichten. Die Geschichten lebten von Brüchen, von scheinbar harmlosen Alltagsmomenten, die sich plötzlich ins Bedrohliche verschoben – ein Markenzeichen dieser Lesereihe.

Foto: Rheinischer Spiegel/Maris Rietrums

Am Ende des ersten von zwei Teilen wechselte der Ton merklich. Jankowsky verließ die fiktionalen Kriminalwelten und sprach eindringlich über reale Zustände in Togo. Er schilderte die Lebensumstände dort mit nüchternen, eindrucksvollen Bildern: Mädchen, die morgens kilometerweit gehen müssen, um Wasser zu holen; Menschen, die im Krankenhaus nur behandelt werden, wenn sie vorab bezahlen können – unabhängig von der Schwere ihrer Erkrankung. Er berichtete von der hohen Mütter- und Kindersterblichkeit infolge mangelnder Hygiene und fehlender medizinischer Versorgung und erklärte, wie der Bau von Kliniken und die Einrichtung von Patientenfonds helfen sollen, diese Situation zu verbessern.

Auch die Auswirkungen des Klimawandels fanden Erwähnung: Brunnen, die mehr als 150 Meter tief gebohrt werden müssen, fast so tief wie der Kölner Dom hoch ist. Jankowsky sprach zudem über die falschen Versprechen, die Menschen in diesen Regionen über Europa gemacht würden, über gefährliche Fluchtwege durch Wüste und über das Mittelmeer, über Auffanglager und das Gefühl, am Ende nicht willkommen zu sein. Vor diesem Hintergrund machte er deutlich, warum er sich als Botschafter für ein zertifiziertes Hilfsprojekt in Togo engagiert.

Der Abend im TIG MG zeigte damit nicht nur den gefeierten Schauspieler und exzellenten Vorleser, der 2018 zum „Coolsten TV-Kommissar Deutschlands“ gewählt wurde und bereits 2016 den Publikumspreis „Goldene Berta“ der Eifel-Kulturtage erhielt, sondern auch einen Künstler, der seine Bühne nutzt, um über den Tellerrand hinauszublicken.
Ein Wiedersehen mit Roland Jankowsky im TIG MG ist bereits terminiert: Am 6. Januar 2027 wird er erneut in Mönchengladbach erwartet. (sk)

Foto: Rheinischer Spiegel/Maris Rietrums