Literarisches: Die Pendeluhr

Eines Tages besuchte ich jemanden, über dessen Schreibtisch eine Pendeluhr hing. Ich wusste nicht, nach welchem System sie funktionierte.
Von Peter Josef Dickers

Literarisches – Ihr Besitzer war stolz, mir Pendel-Nachhilfe erteilen zu dürfen. Die Uhr faszinierte mich. Das schwingende Pendel gab an einem bestimmten Punkt einen Impuls an das Uhrwerk ab. Das schob die Zeitanzeige weiter. Das Uhrwerk gab einen Impuls zurück, der das Pendel schwingen ließ.

Seine Erläuterungen bezogen sich auf die Uhr. Für mich hatten sie Gleichnis-Charakter. Sie sagten etwas aus über den Rhythmus des Lebens. Die Bewegung des Pendels müsste gleichbleibend sein, wurde ich belehrt, damit die Uhr die richtige Zeit anzeigen könnte. Das Pendel würde empfindsam auf Luftfeuchtigkeit, Wärme und Kälte reagieren. Es müsste vor schädigenden Einflüssen geschützt werden. Die Pendeluhr würde ähnlich wie ein Mensch reagieren: Negative Einflüsse von außen würden das Pendel nicht richtig schwingen lassen. Gleichmäßige Impulsübertragungen wären notwendig.

Etliche Male habe ich den Mann mit der Pendeluhr besucht. Wir sprachen über schwingende Pendel und diskutierten darüber, wodurch Impulse blockiert würden. Die Pendeluhr hörte uns zu. Merkte sie, dass sie nicht nur Stunden und Minuten anzeigte, sondern dass ihre Pendel-Bewegungen mich beschäftigten und Schwingungen in mir auslösten?

Meine innere Pendeluhr schlug nicht immer gleichmäßig ihren Takt. Es gab Tage, an denen sie aus dem Gleichgewicht zu geraten drohte. Dennoch hat sich einiges bewegt in meinem Leben. Auch ich habe einiges bewegt. Meine Uhr pendelt immer noch. Ich werde sie nicht anhalten. (opm)

Foto: Karsten Paulick/Pixabay

Foto: Privat

Peter Josef Dickers wurde 1938 in Büttgen geboren. Nach einem Studium der Katholischen Theologie sowie der Philosophie und Pädagogik in Bonn, Fribourg/Schweiz, Köln sowie Düsseldorf erhielt er 1965 die Priesterweihe. Anschließend  war er in der Seelsorge und im Schuldienst tätig, bis er sich 1977 in den Laienstand rückversetzen ließ und heiratete. Nach der Laisierung war er hauptamtlich tätig an den Beruflichen Schulen in Kempen (jetzt Rhein-Maas-Kolleg) mit den Fächern Kath. Religionslehre, Pädagogik, Soziallehre, Jugendhilfe/Jugendrecht.

„Seit der Pensionierung bin ich weiterhin engagiert durch meine Schreibtätigkeit, mein Vorlese-Engagement in diversen Einrichtungen und sonstige Initiativen. In den Sommermonaten lese ich zeitweise als „Lektor“ auf Flusskreuzfahrt-Schiffen aus meinen bisher erschienenen Büchern“, so Peter Josef Dickers, der mittlerweile in Mönchengladbach beheimatet ist.