Fußball ist in der Überfluss-Gesellschaft ein Millionenspiel. Zur Meisterfeier fliegen Publicity-gewöhnte / -verwöhnte Fußball-Helden im Privatjet auf eine Party-Insel.
Von Peter Josef Dickers
Literarisches – Es geht nicht nur ums Gewinnen, sondern um Geld, Ruhm und Anerkennung in einer Branche, die vom Geld regiert wird und Privilegien sichert. Die Champions-League gewinnen ist selbstverständlicher Anspruch. Da ist es nicht zu erdulden nach 2 von 34 Spielen einen einzigen Punkt auf dem Konto zu haben. Man hat sich im Trainer geirrt. Der Trainer ist der Mannschaft nicht würdig. Rheinische Mentalität kennt andere Maßstäbe.
Ein Top-Klub bietet einem Spieler ein Netto-Jahresgehalt von zehn Millionen Euro an. Ein ablösefreier Angriffsspieler wechselt zu einem ausländischen Verein und erhält neun Millionen Euro netto pro Saison, plus Treuebonus von drei Millionen Euro jährlich. Ein umworbener DFB-Spieler schließt sich für 150 Millionen Euro einem englischen Spitzenklub an. Auf die „Insel“ wechselt auch ein Mittelfeldvirtuose. Ein Spiel im Londoner Wembley-Stadion wird als Zweihundert Millionen-Spiel betitelt.
Es gelten Prinzipien des Geschäfts und ihre identitätsstiftenden Rituale. Fußball wurde zum Wirtschaftsunternehmen, das auf Jubelposen angelegt ist und sich Erfolglosigkeit und Nullsummenspiele nicht leisten kann. Was wäre, wenn der Geldrausch unerwartet Risse bekäme? Es geziemt sich nicht darüber zu spekulieren.
Ein geschätzter Fußballspieler schließt sich einem kanadischen Eliteclub an, da er hierzulande altersgemäß nicht mehr gefragt ist. Jährlich zu erwartende zwanzig Millionen Euro, plus Einnahmen durch Werbeverträge und Bonuszahlungen, sind es wert, sich auf das Unternehmen einzulassen, auch wenn die Gattin ihn nicht begleitet. Nicht jeder Plan geht auf. Welchen Wert Partnerbeziehungen haben, wird in der Fußballwelt nicht definiert.
Man rührt die Trommeln für Schall und Rausch, drängt ins Rampenlicht und passt sich Realitäten an. Grenzen des Machbaren werden ausgelotet. Jedes Spiel ist das wichtigste, schon die zweite von vierunddreißig Begegnungen.
In unmittelbarer Nähe hat ein anderer, ehemals ruhmreicher Verein ebenfalls erst einen Punkt auf der Habenseite. Kann sich der Trainer abends ruhig schlafen legen? Hält sich die Vereinsspitze an die biblische Redewendung „Gehe hin und tue desgleichen“ oder wartet sie noch ein Spiel ab? (opm)


Peter Josef Dickers wurde 1938 in Büttgen geboren. Nach einem Studium der Katholischen Theologie sowie der Philosophie und Pädagogik in Bonn, Fribourg/Schweiz, Köln sowie Düsseldorf erhielt er 1965 die Priesterweihe. Anschließend war er in der Seelsorge und im Schuldienst tätig, bis er sich 1977 in den Laienstand rückversetzen ließ und heiratete. Nach der Laisierung war er hauptamtlich tätig an den Beruflichen Schulen in Kempen (jetzt Rhein-Maas-Kolleg) mit den Fächern Kath. Religionslehre, Pädagogik, Soziallehre, Jugendhilfe/Jugendrecht.
„Seit der Pensionierung bin ich weiterhin engagiert durch meine Schreibtätigkeit, mein Vorlese-Engagement in diversen Einrichtungen und sonstige Initiativen. In den Sommermonaten lese ich zeitweise als „Lektor“ auf Flusskreuzfahrt-Schiffen aus meinen bisher erschienenen Büchern“, so Peter Josef Dickers, der mittlerweile in Mönchengladbach beheimatet ist.




