Standortanalyse für den Kreis Viersen: Unternehmen geben Wirtschaftsstandort eine 3 plus

Mit der Note 3 plus bewerten die Unternehmen aus dem Kreis Viersen ihren Wirtschaftsstandort. Die Beschäftigung im Kreis hat deutlich zugenommen, seit 2018 sogar etwas dynamischer als in Nordrhein-Westfalen.

Kreis Viersen – Die Wertschöpfung hat sich im vergangenen Jahrzehnt parallel zum Land entwickelt. Das sind wesentliche Ergebnisse der Standortanalyse Kreis Viersen der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein. Grundlage der Analyse ist eine Auswertung der Hochschule Niederrhein. Die Ergebnisse stellte die IHK nun der Öffentlichkeit vor und diskutierte darüber mit Landrat Dr. Andreas Coenen sowie Unternehmerinnen und Unternehmern. „Die Unternehmen im Kreis bewerten insbesondere die harten Standortfaktoren etwas schlechter als die Unternehmen der Gesamtregion“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz. „Nicht alle Bewertungen erklären sich durch die teils ländliche Region.“ Positiver als am Mittleren Niederrhein insgesamt schneiden etwa die innerörtlichen Standortfaktoren und die kommunalen Kosten und Leistungen ab.

Zunächst präsentierte Dr. Anna Kindsmüller, Referentin für Wirtschaftspolitik bei der IHK Mittlerer Niederrhein, Daten zum Kreis Viersen aus der amtlichen Statistik. Die Bruttowertschöpfung hat sich in den vergangenen zehn Jahren etwa parallel zum Land entwickelt, nachdem zwischen 2005 und 2011 eine Wachstumslücke entstanden war. „Diese Lücke konnte in den vergangenen zehn Jahren nicht geschlossen werden“, so Kindsmüller. „Gut steht das Dienstleistungsgewerbe im Kreis da, das sich insbesondere seit 2013 besser entwickelt hat als im Land.“ Die Wachstumszahlen der Industrie seien dagegen schlechter als in NRW. „Erst das Corona-Jahr 2020 war im Kreis besser als im Land“, so Kindsmüller. Gleichzeitig sind seit 2008 mehr als 15.000 neue sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse im Kreis entstanden. Die Entwicklung war im Vergleich zum Land im Zeitraum 2008 bis 2013 weniger dynamisch, vor allem in den vergangenen drei Jahren aber deutlich dynamischer.

IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz präsentierte das Herzstück der Analyse – die Befragung der Unternehmen. Wie bereits 2017 hatte die IHK auch in diesem Jahr die Unternehmen nach einer Schulnote für den Wirtschaftsstandort gefragt. Die Durchschnittsnote im Kreis Viersen liegt bei 2,58. Das ist besser als am Mittleren Niederrhein (2,71), liegt aber unter der Note von 2017 (2,39). Die Bewertung anderer Standorte am Mittleren Niederrhein hat sich in den vergangenen Jahren sogar noch deutlicher verschlechtert. „Sicherlich spielt hier auch die konjunkturelle Lage eine Rolle, die 2017 sehr gut war, zurzeit aber sehr angespannt ist“, so Steinmetz. „Dennoch sollte der Kreis Viersen diese Bewertung ernstnehmen.“

Im Kreis Viersen bewerten die Unternehmen insbesondere die innerörtlichen Standortfaktoren positiv. Das jeweilige Stadtbild, die Höhe der Parkgebühren und auch die Sicherheit werden deutlich besser bewertet als etwa im Durchschnitt in der Region. „Das zeigt: Wir haben viele attraktive Stadt- und Ortszentren im Kreisgebiet. Eine gute Lebensqualität wird in Zeiten eines zunehmenden Fachkräftemangels immer wichtiger“, erklärt Steinmetz. Diese Stärke lasse sich zudem gut vermarkten. Steinmetz weist jedoch darauf hin, dass auch in diesem Themenfeld die Stimmen etwas kritischer geworden sind. „Auch Stärken muss man kontinuierlich pflegen“, fordert der IHK-Hauptgeschäftsführer.

Die kommunalen Kosten und Leistungen werden im Kreis Viersen ebenfalls besser bewertet als am Mittleren Niederrhein insgesamt. Das Niveau der Gewerbesteuer- und Grundsteuerhebesätze ist niedriger als in der Gesamtregion. Gleichzeitig werden die kommunalen Leistungen jedoch schwächer bewertet. „Die Erreichbarkeit, die behördlichen Reaktionszeiten und auch die Dauer von Planungs- und Genehmigungsverfahren erhalten eine Bewertung zwischen 3,6 und 4,1 und werden somit deutlich schlechter als vor fünf Jahren beurteilt“, betont Steinmetz. Bei diesen Standortfaktoren gibt es im Kreis keinen Unterschied zur Gesamtregion. „Die Kommunen müssen digitaler werden und dazu gehört auch der Kreis Viersen“, so Steinmetz.

Auch bei den harten Standortfaktoren gibt es Kritik von Seiten der Unternehmer. Die Informations- und Kommunikationsinfrastruktur wird von den Betrieben als wichtigster Standortfaktor eingeschätzt. Die Unternehmer geben die Durchschnittsnote 3,27 – etwas schlechter als in der Gesamtregion. „Zwar hat sich die Bewertung seit der vergangenen Befragung etwas verbessert, aufgrund der Relevanz des Themas ist der Kreis jedoch weiterhin gefordert, hier die Lage für die Betriebe zu verbessern“, appelliert Steinmetz.

Im Anschluss an die Vorstellung der Analyse diskutierte Steinmetz über die Resultate mit Landrat Dr. Andreas Coenen, IHK-Vizepräsident Rainer Höppner (Höppner Moden GmbH), IHK-Vizepräsidentin Janika Woltering-van Haag (Hefe van Haag GmbH & Co. KG) und Gerald Laumans (Gebr. Laumans GmbH & Co. KG). Die Runde war sich einig, dass beim Thema ÖPNV-Versorgung im Kreis Handlungsbedarf besteht. „Die Gastronomie beispielsweise sucht händeringend Mitarbeiter“, so Höppner. „Aber wie sollen die zum Teil noch jungen Servicekräfte nach der Arbeit wieder nach Hause kommen – ohne Bus- oder Bahnanbindung?“ Woltering-van Haag ergänzte: „Nicht jeder unserer 180 Mitarbeiter kommt mit dem Auto. Wer am frühen Morgen mit dem ÖPNV von Tönisvorst nach Kempen pendelt, braucht dafür mit einem Umweg über Krefeld eineinhalb Stunden. Die Anbindung zu Randzeiten muss dringend verbessert werden.“ Der Landrat versicherte, dass sich die Kreisverwaltung intensiv um eine Verbesserung der Situation kümmert: „Aber die Bedienung der Linien muss europaweit ausgeschrieben werden. Die Prozesse dauern leider sehr lange.“

Die Dauer von Verwaltungsprozessen sowie von Planungs- und Genehmigungsverfahren sei ein Dauerärgernis für die Wirtschaft, so Steinmetz. Laumans stimmte dem zu: „Wir stellen derzeit unsere Energieversorgung um – damit wir die Zukunft unseres Unternehmens sichern. Wir sind jetzt auf schnelle Unterstützung der Behörden angewiesen.“ Der IHK-Hauptgeschäftsführer warb für das Zertifikat Mittelstandsfreundliche Verwaltung, das für Kommunen Standards wie zum Beispiel definierte Reaktionszeiten festlegt. „Dieses Siegel stärkt auch das Image eines Standorts im Wettbewerb um Investoren“, so Steinmetz. „Wir machen das“, entgegnete Coenen. „Ich bin sicher, dass wir viele Kriterien schon jetzt erfüllen. Wir starten den Prozess zur Zertifizierung im kommenden Jahr.“

Mit Blick auf den Fachkräftemangel und die Gewinnung von Auszubildenden berichtete die Geschäftsführerin von van Haag, dass sich der Ausbildungsmarkt inzwischen gedreht habe: „Heute muss man sich als Unternehmen bei den Azubis bewerben, früher war das umgekehrt.“
Laumans stimmte ihr zu und warb dafür, dass sich Unternehmen in Initiativen zur Förderung der beruflichen Bildung wie dem Verein baseL nettetal einbringen. „Wir müssen uns vor Ort engagieren und mit jungen Menschen in Kontakt treten – idealerweise in Kooperation mit der IHK.“ Die berufliche Ausbildung müsse wieder die Anerkennung finden, die ihr zusteht, appellierte Steinmetz an alle verantwortlichen Akteure. „Wir müssen an die Familien ran“, so Höppner. „Wir müssen die Eltern vom Wert einer beruflichen Ausbildung überzeugen.“ Der Landrat versicherte, dass der Kreis alles daransetze, dass die Berufsschulen im Kreis bestmöglich ausgestattet sind. „Das ist unser Anspruch.“ (opm)

Podiumsdiskussion zur Standortanalyse Kreis Viersen (v.r.): IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz, Landrat Dr. Andreas Coenen, IHK-Vizepräsident Rainer Höppner (Höppner Moden GmbH), IHK-Vizepräsidentin Janika Woltering-van Haag (Hefe van Haag GmbH & Co. KG), Gerald Laumans (Gebr. Laumans GmbH & Co. KG) und Moderator Dieter Könnes. Foto: IHK

Ein Kommentar

  1. Alle Prozesse in Deutschland dauern zu lange. Manche 20 bis 30 Jahre ehe was umgesetzt wird.
    Selbst die CDU hat die Solarenergie und Windkraft Zurückgestellt.
    Sie ist es das die Wirtschaft und auch alles ob Bahn oder Sicherheit des Volkes im Mittelpunkt stehen soll und unbekümmert weiter leben kann.
    Sie hat Flugbahnen hinzu Bauen lassen und möchte am liebsten noch mehr genehmigen.
    Bloß weil Grün mit Ihnen Regieren sollte.
    Was hat Grün für die Bevölkerung bis jetzt gebracht?
    Kein Gas, eventuell kein Strom, riesen Umbauten aller Wohnungen, das ein Vermögen kostet und alle Eigentümer und Mieter 300 Euro und mehr im Monat Aufbringen müssen ohne eine Erhöhung zu bekommen.
    Deutschland Panikmache Nummer eins.
    Die Wirtschaft wird Leiden und das Volk Hungern.
    Außer man Beantragt das Bürgergeld und geht nicht Arbeiten, dann hat man noch Wohnung Heizung und vieles mehr kostenlos Anstatt einer der nur 12 Euro 50 verdient der muss alles selber Bezahlen.
    Auch die Klimakatastrophe kann man minimieren, wenn der Himmel und das Wasser von den Drecksschleudern befreit wird. Man hat es bei Korona gesehen wie die Skala aussah.
    Man sieht ja in Düsseldorf wie ein CDU Herr plötzlich grün denkt.
    Man sieht wie Grün auch Umschwenkt, obwohl viele Journalisten vorher mitgeteilt haben, das die Rechnung der Grünen nicht aufgeht aber Unheil bringt.

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