Wer durch Viersens Innenstadt flaniert, begegnet nicht nur modernen Gebäuden und neuen Straßenführungen, sondern auch historischen Namen, die viel über die Vergangenheit der Stadt verraten. Ein Beispiel dafür ist die „Rötsch“, eine schmale Gasse, deren Name auf charmante Weise die einstige Funktion dieses Weges widerspiegelt.
Von RS-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz
Viersen – Bereits seit 1955 ist die Rötsch offiziell benannt. Ursprünglich verband sie die mittlere Heierstraße mit der damals sogenannten Friedensstraße – heute Hohlstraße. Im Zuge städtebaulicher Maßnahmen und Umstrukturierungen wurde die Rötsch zur direkten Verbindung zwischen der heutigen Hohlstraße und der Heierstraße umgestaltet.
Doch nicht nur die Funktion der Gasse ist bemerkenswert – auch ihr Name ist es. „Rötsch“ leitet sich vom niederrheinischen Dialekt ab und bedeutet sinngemäß so viel wie „durchrutschen“ oder „hindurchschlüpfen“. Der Begriff beschreibt damit auf anschauliche Weise, was die Gasse früher war: ein schmaler Durchgang, der als kurze Abkürzung zwischen zwei Straßen diente.
Solche Namen sind mehr als bloße Bezeichnungen – sie sind Zeugnisse der Alltagskultur und geben Aufschluss über die Lebensweise und Sprache der Menschen, die hier lebten. In einer Zeit, in der Straßennamen häufig auf Persönlichkeiten oder abstrakte Begriffe zurückgreifen, wirkt ein Name wie „Rötsch“ wie ein liebevoller Gruß aus einer vergangenen, bodenständigen Epoche.
Die Rötsch erinnert damit nicht nur an ein Stück Stadtgeschichte, sondern auch an die Sprachbilder des Niederrheins – und zeigt, wie viel Charakter in einem Straßenschild stecken kann. (cs)





