Kein neuer König – sondern ein Kaiser: Brempt erlebt einen historischen Sebastianustag

Als am Sebastianustag in Brempt (Niederkrüchten) die entscheidenden Worte fielen, hielt der Saal für einen Moment den Atem an. „Der König ist tot, lang lebe der König – das können wir diesmal leider nicht sagen“, hieß es.

Niederkrüchten-Brempt – Was zunächst wie ein Bruch mit der Tradition klang, entpuppte sich wenig später als ein historischer Moment: Die St.-Georg-Bruderschaft Brempt 1500 e.V. hat erstmals seit ihrer Gründung vor über 525 Jahren keinen neuen König, sondern einen Kaiser.

Mit der feierlichen Silberübergabe wurde Stephan Winterscheidt offiziell als erster Kaiser der Bruderschaft eingesetzt. Ein Ereignis, das selbst erfahrene Schützen so noch nicht erlebt hatten – und das die lange Geschichte des Vereins um ein außergewöhnliches Kapitel erweitert.

Dabei begann der Sebastianustag ganz im Zeichen der gewohnten Traditionen. Nach dem gemeinsamen Kirchgang und dem Antreten der Bruderschaft standen zunächst Ehrungen im Mittelpunkt. Mitglieder, die der St.-Georg-Bruderschaft seit 25, 50 und sogar 70 Jahren angehören, wurden für ihre jahrzehntelange Treue und ihr Engagement gewürdigt. Auch diejenigen, die krankheitsbedingt nicht teilnehmen konnten, fanden ausdrücklich Erwähnung – ein Zeichen der engen Verbundenheit innerhalb der Bruderschaft.

Emotional wurde es beim Abschied vom bisherigen Königshaus. Mit anerkennenden Worten und langem Applaus bedankten sich Vorstand und Mitglieder für zwei Jahre, die von Einsatz, Präsenz und Gemeinschaft geprägt waren. Doch schon in diesem Moment wurde deutlich, dass der Blick nicht nur zurück, sondern vor allem nach vorne gerichtet war.

Die besondere Wendung hatte ihren Ursprung bereits beim Schützenfest über Pfingsten. Dort holte Stephan Winterscheidt mit dem 56. Schuss den Vogel von der Stange. Da er diesen Erfolg bereits zum dritten Mal errang, stand fest: Ein weiterer Königstitel war nicht möglich – stattdessen wurde er zum Kaiser bestimmt. Die offizielle Bestätigung dieses außergewöhnlichen Titels erfolgte nun am Sebastianustag.

Gemeinsam mit seinen Ministern Uwe Breuer und Ralf Arntzen-Groh bildet Winterscheidt das neue Kaisergespann der Bruderschaft. Mit der Übergabe des Kaisersilbers und den traditionellen Hochrufen fand der offizielle Teil seinen Höhepunkt. Der erste Kaiser der St.-Georg-Bruderschaft wurde damit nicht nur proklamiert, sondern auch von der gesamten Gemeinschaft getragen.

Der anschließende gesellige Teil des Tages unterstrich, wofür die Bruderschaft seit mehr als fünf Jahrhunderten steht: gelebte Gemeinschaft, Zusammenhalt und das Bewahren von Traditionen – ohne dabei den Blick für besondere Entwicklungen zu verlieren.

Mit der Krönung des ersten Kaisers beweist die St.-Georg-Bruderschaft Brempt, dass Tradition nicht Stillstand bedeutet. Vielmehr zeigt sich, dass selbst nach 525 Jahren noch Geschichte geschrieben werden kann – mitten im Dorf und getragen von einer starken Gemeinschaft.

Bericht und Fotos: Ugur Erol, Betreiber der lokalen Plattform „Niederkrüchten kann mehr!“. (opm)

Foto: Ugur Erol