Mit einem eindrucksvollen Auftakt ins neue Jahr versammelten sich am Freitagabend zahlreiche Bürgerinnen und Bürger, Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Vereinen und sozialen Organisationen in der Festhalle Viersen, um den traditionellen Neujahrsempfang der Stadt zu feiern.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler und Rita Stertz
Viersen – Bürgermeister Christoph Hopp, der erst im November 2025 sein Amt übernommen hatte, stellte dabei seine erste offizielle Rede als Stadtoberhaupt in den Mittelpunkt und prägte den Abend mit einem persönlichen und inspirierenden Appell. Unter dem Leitmotiv „Starten wir gemeinsam NEU“ begrüßte Hopp seine Gäste mit einem Blick auf das beginnende Jahr und wünschte Gesundheit, Glück und den Mut, Neues anzugehen.
In seiner Rede nahm Hopp die Zuhörerinnen und Zuhörer mit auf einen persönlichen Weg des Neuanfangs: Von der ersten Zeit in seinem neuen Amt über Begegnungen mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtverwaltung bis hin zu den Gesprächen mit Vertreterinnen und Vertretern der lokalen Wirtschaft schilderte er eindrücklich, wie Vertrauen und Offenheit die Grundlage für Veränderung bilden. „Viele Gespräche durfte ich bereits führen, auf unzählige weitere freue ich mich sehr“, betonte Hopp.

Die Rede gliederte Hopp bewusst an seinem Leitmotiv „NEU“. Das „N“ stand für Nähe – Nähe zu den Menschen, zu den Stadtteilen und zu den Bürgerinnen und Bürgern. Konkrete Beispiele hierfür waren die intensiven Besuche in Fachbereichen der Verwaltung, der direkte Austausch mit Unternehmerinnen und Unternehmern sowie die geplante Einführung regelmäßiger Bürgersprechstunden. Auch der „Bürgerkoffer“, mit dem Serviceleistungen der Stadt künftig stärker in die Stadtteile gebracht werden sollen, wurde als Instrument für mehr Bürgernähe vorgestellt. Dazu gehören räumliche Optimierungen, verkürzte Wartezeiten, eine Verbesserung der Servicequalität und der Einsatz von Social Media, um Entscheidungen transparenter zu machen.
Unter „E“ – Entwicklung – fasste der Bürgermeister die Schwerpunkte seiner Amtsführung zusammen: Mut zu neuen Lösungen, Priorisierung wichtiger Projekte und das konsequente Umsetzen von Ideen in die Praxis. Hopp verwies auf die geplante Verstärkung der Stadtreinigung, die Verschönerung von Grünanlagen und Kreisverkehren, die Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie die Sicherung der städtischen Infrastruktur. Besonders betonte er die Chance, die sich durch das „Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität“ eröffnet, um Sanierungsstau zu beseitigen.
„Ich glaube, dass wir die an allen Wahlkampfständen, bei allen Vereinsstammtischen, anlässlich unzähliger Begegnungen mit den Menschen immer wieder hörbaren Wünsche nach mehr Sauberkeit und Sicherheit erfüllen können – sie angesichts einer sich verändernden Gesellschaft und sich
verändernder Verhaltensweisen erfüllen müssen. Ich will daher mit Ihnen daran arbeiten, die Stadtreinigung gezielt zu verstärken, mit den dort tätigen Menschen, aber auch via Sponsoring oder
Bürgerpatenschaften, für schöne Grünanlagen und endlich ansehnliche Kreisverkehre, eine buchstäblich blühende Willkommenskultur, eine adäquate Visitenkarte an den Eingangstoren unserer Stadt. Denn Sauberkeit ist Lebensqualität. Gerade deshalb darf es nicht bei einer Ankündigungspolitik bleiben. Und deshalb sind Gespräche zur Verschönerung unserer
Kreisverkehre bereits aufgenommen, hoch leistungsfähige Stadtmüllsauger, die die Arbeit leichter und die Sauberkeit sichtbar machen, bereits beantragt. Enorm wichtige erste Schritte!“, so Christoph Hopp.
„Für die Sicherheit gilt: Da reicht kein Gefühl! Es braucht echte Maßnahmen: mehr Licht, mehr Präsenz, Videoüberwachung an Brennpunkten. Und: Nähe! Wer seine Stadt liebt, pflegt und schützt sie mit. Ich will sie mit Ihnen als Politik und mit Ihnen als Stadtgesellschaft auch sauber halten – ganz einfach mit gezielter Reinigung und mehr Mülleimern. Das ist kein unbezahlbarer Luxus in Zeiten knapper Kassen, sondern es zeigt: Wir nehmen unsere Stadt und ihre Bürgerinnen und Bürger und ihre Zukunft ernst.“
Auch die Entwicklung eines Badesees als Freizeitangebot für Jung und Alt wurde vorgestellt – ein Projekt, das neue Impulse für die Lebensqualität in Viersen setzen soll. „Ich glaube, so werden auch unerhörte Vorhaben Wirklichkeit: zum Beispiel die Realisierung eines Badesees als Erlebnis, das uns die Natur näherbringt, statt sie zu verdrängen. Ich meine damit ein Entwicklungsvorhaben, das ich schon im vergangenen Jahr benannt habe und nun in Angriff nehmen möchte – für Jung und Alt, für ein Plus an Freizeitgestaltung, für mehr Lebensqualität vor Ort. Der Badesee ist ein geeignetes Beispiel für den Spagat, den es braucht. Denn wir müssen abwägen zwischen Wünschenswertem und Machbarem. Wenn wir schon kein Freibad betreiben können, ist ein solches Freizeitangebot mehr als wünschenswert“, unterstrich Viersens Bürgermeister.
„Doch ist es auch finanzierbar? Klar ist: Ein solches Vorhaben kann nicht allein mit städtischen Ressourcen gestemmt werden. Umso wichtiger ist es, nicht von vornherein aufzugeben, den Kopf nicht verzweifelt in den Sand zu stecken, dranzubleiben. Mit Fördermitteln und Investoren sind Wege möglich, die uns zu unserem Ziel führen … Am Beispiel des Badesees sehen wir auch: Zukunft hat viel mit Kindern und Familie zu tun. Deshalb ist es unser festes Ziel, allen Kindern den ab 2026 bestehenden Rechtsanspruch auf einen OGS-Platz zu erfüllen und damit eine wesentliche Voraussetzung für eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu schaffen.“
Das „U“ schließlich stand für Unterstützung – die Zusammenarbeit aller Beteiligten, die nur gemeinsam Fortschritt ermöglichen kann. Hopp lobte das Engagement von Bürgerinnen und Bürgern, Vereinen und lokalen Initiativen, die sich tagtäglich für die Stadt einsetzen, und rief dazu auf, weiterhin aktiv mitzuwirken, sei es über bestehende Plattformen wie den Mängelmelder oder neue Beteiligungsformate.
„Vieles kann ich angesichts des zeitlichen Rahmens heute nur andeuten: Wohnungsbau, Hotelbau, Verbesserungen bei der räumlichen Unterbringung der Verwaltung, bei der Nutzung des „eigentlich“ schönen Stadthauses durch die Öffentlichkeit, zum Beispiel mit Blick auf Foyer und Innenhof, Radwege – all das und vieles mehr steht auf der Liste der Entwicklungsvorhaben. Wenn es uns dann noch gelingt, die längst nicht nur mit Blick auf ältere Menschen vielzitierte Einsamkeit in etwas Positives zu verwandeln (womöglich unter anderem durch Veranstaltungen in Foyer und Innenhof),
dann nur, wenn wir – gemeinsam, wir können alle unseren Beitrag leisten – drei weitere Buchstaben, die Buchstaben GEM, an ihren Anfang stellen. Denn nur dann entsteht aus Einsamkeit GEMeinsamkeit.“
Die Rede war nicht nur politisch, sondern auch emotional: Hopp griff immer wieder auf literarische Bezüge zurück, etwa auf Brechts „Galilei“ oder Albert Camus, und verband diese mit konkreten städtischen Herausforderungen. Es ging um Mut, Verantwortung und die Übernahme von Zukunftsgestaltung.
Der Neujahrsempfang bot darüber hinaus reichlich Gelegenheit für Gespräche und Networking. Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Vereine tauschten sich über aktuelle Projekte, Ideen und Herausforderungen aus. In lockerer Atmosphäre wurde die Verbindung zwischen Stadtgesellschaft und städtischer Führung greifbar: Ein Abend, der Mut machte, die Zukunft Viersens aktiv mitzugestalten und das Jahr 2026 als Chance für neue Entwicklungen und gemeinsames Engagement zu verstehen. (sk)




