Viersen: Wenn der Friedhof zum Tatort wird

Die Ruhe der Toten und die Trauer der Verbliebenen sind lange keine Grenze mehr für Diebe, die Gräber verwüsten oder Grabbeigaben entfernen. Auf dem Dülkener Friedhof verschwand gerade erst eine personalisierte Leuchtkugel und auch vor Spielzeug auf Kindergräbern wird kein Halt gemacht.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Viersen-Dülken – Ein schmerzhafter Moment, der die Wut in das Herz treibt und die Tränen in die Augen. Der Moment, wenn trauernde Angehörige einen Moment bei ihren verstorbenen Lieben verbringen möchten und feststellen, dass das liebevoll geschmückte Grab durch einen Diebstahl geschändet wurde.
Vor allen Dingen Kleinigkeiten verschwinden immer wieder von Gräbern und selbst das Gedenken an verstorbene Kinder stellt keine Grenze mehr dar. Aktuell hat es ein Grab auf dem Dülkener Friedhof getroffen, von dem eine personalisierte Leuchtkugel verschwand. Die Schwester des Verstorbenen wandte sich in den sozialen Netzwerken an die Öffentlichkeit.

„Ich bin stinkend sauer über Menschen, die nichts Besseres zu tun haben als auf Friedhöfe zu gehen und sich an Dingen zu vergreifen und sie von Gräbern mitzunehmen“, so der berührende Post. „Es ist doch schon schlimm genug einen geliebten Menschen zu verlieren. Eltern, die ihr Kind zu Grabe tragen müssen, das gönne ich niemanden. In was für einer Welt leben wir?“

Sie ist mit dieser traurigen Erfahrung nicht alleine. Mittlerweile ist nichts mehr sicher, längst sind nicht mehr nur Kupfer- oder Bronzefiguren im Blick der Diebe. Figuren ohne materiellen, aber mit viel emotionalem Wert verschwinden auf Nimmerwiedersehen.
Es braucht nicht lange um auf einem Viersener Friedhof jemanden zu finden, der bereits von einem Diebstahl betroffen ist. Seien es nun Blumen, die sogar teilweise ausgegraben werden – oder Figuren. Nimmt der Respekt vor den Toten, den Erinnerungen der Angehörigen in unserer Gesellschaft einen so geringen Stellenwert ein, dass sogar dabei vergessen wird, dass es sich hierbei nicht um ein „einfaches“ Diebstahldelikt handelt? Die Störung der Totenruhe kann mit einer Haftstrafe von bis zu drei Jahren geahndet werden.

Wie selten tatsächlich ein Diebstahl zur Anzeige gebracht wird, zeigt eine Nachfrage bei der Polizei Viersen. 2019 hat die Polizei kreisweit dreißig Fälle, davon neun in Viersen registriert. Ein Vorfall war eine Auslandsstraftat am Krematorium in Venlo. 2020 wurde bisher nur eine entsprechende Tat im Januar erfasst, der Tatort lag in Dülken. Wichtig ist, dass alle Diebstähle zur Anzeige gebracht werden, die Dunkelziffer nicht weiterhin hoch ist. Diebstähle, mit denen die Täter in die Privat- und Trauersphäre einbrechen. Nur mit einer Anzeige jedoch kann sich die Polizei ein Bild von der Häufigkeit der Diebstähle machen und aktiv werden. (nb)

Foto: Rheinischer Spiegel