Man muss dem Taschenplätzchen ja lassen: Es ist ehrlich. Es macht von Anfang an keinen Hehl daraus, was es ist – nämlich ein Platz, der lieber ganz woanders wäre. Vielleicht in Südfrankreich, vielleicht in einem Stadtplanungsprospekt von 2010. Aber sicher nicht da, wo er jetzt ist: an der Ecke Königsallee/Große Bruchstraße, eingerahmt von Pöbelbank, Pseudobaum und Schotterwüste.
Das Vierscher Versehen – Glosse von Jupp van’t Eck
Viersen – Damals, ach damals, im Jahr 2010, lud das Südstadtbüro zur Werkstatt ein. Bürgerbeteiligung! Visionen! Hochbeete sollten weichen, Beton raus, Lebensqualität rein. Am Ende: 52.000 Euro, davon 10.400 aus der Stadtkasse für die Ecke und eine Querungshilfe über die Große Bruchstraße. Dafür gibt’s heute ein Fleckchen, das aussieht wie das Einfahrtsbeet eines schlecht gelaunten Discounters.
Der Boden? Katzenklo deluxe. Die Bank? Ein Magnet für nächtliche Gesprächskreise der Kategorie „Lautstärke 11, Inhalt minus 3“. Hundekot? Inklusive. Der einzige, der sich über das Plätzchen wirklich freut, ist vermutlich der Mülleimer – der sieht immerhin regelmäßig Besucher.
Ein Wirt aus der Nachbarschaft hatte mal die waghalsige Idee, aus dem Ödland eine Außengastro zu machen. Latte Mezcal statt Latrine, sozusagen. Doch leider: Bürokratie ist in Viersen eine eigene Religion und so wurde der Antrag beerdigt, noch bevor das erste Glas klappern durfte.
Jetzt steht das Taschenplätzchen da, wie ein Mahnmal an den Traum von urbaner Aufwertung. Was bleibt, ist ein Platz, der versiegelt wurde, um dann nicht betreten zu werden. Der sich Pocket nennt, aber nix in der Tasche hat. Und der jeden Sommer aufs Neue beweist, dass man für viel Kohle zwar kein Paradies pflastern kann – aber immerhin einen Ort, an dem die Wildblumen freiwillig das Weite suchen.
Mein Vorschlag?
Zwei Plastikpalmen, ein Schwimmbadring in Flamingoform und ein Aufsteller mit „Vierscher Südstrand – Eintritt frei, aber mit festem Schuhwerk“.
Dazu ’ne Bank mit integriertem Aschenbecher, einem eingebauten Radiosender („Radio Reibach“) und für dat leibliche Wohl: ein Mettbrötchenautomat.
Oder – wenn et Budget et herjibt – einfach nen großen Aufkleber in der Mitte vom Platz:
„Hät sich die Stadt wat bei jedacht. Leider nix Jutes.“
Wie der Vierscher dann sagt:
„Jot jewollt es half vörbei.“
Euer
Jupp van’t Eck





