Ein leises Rascheln unter den Füßen, das rhythmische Atmen der Läufer, das Rufen der Zuschauer vom Wegesrand – und darüber das leichte Grau eines goldenen Oktobermorgens. Wer am gestrigen Samstag auf dem Hohen Busch unterwegs war, konnte ausnahmsweise mal nicht die Ruhe des Waldes finden. Zum 78. Mal hatte die Leichtathletikgemeinschaft 1947 Viersen zum Herbstwaldlauf geladen.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker und Martin Häming
Viersen – Rund 360 Sportlerinnen und Sportler, vom energiegeladenen Bambini bis zum erfahrenen Senior mit 80 Jahren auf dem Buckel, stellten sich den verschiedenen Distanzen. Ob beim Regatherm-Bambinilauf, den NEW-Schülerläufen über 2,1 Kilometer oder den beliebten Sparkassen-Wettbewerben über fünf und zehn Kilometer – überall war Bewegung, Lachen und sportlicher Ehrgeiz zu spüren. Selbst die Walker und Nordic-Walker zogen ihre Bahnen durch das bunt gefärbte Laub und genossen die ideale Mischung aus Frische und entsehender Sonnenwärme.

Unter den vielen Teilnehmenden ein Herr, der bereits zum zwölften Mal am Start stand. Für ihn ist der Lauf rund um den Bismarckturm längst ein fester Termin im Kalender. „Hier stimmt einfach alles – die Strecke, die Leute, die Stimmung. Das ist jedes Jahr wie ein kleines Wiedersehen mit Freunden“, sagte er mit einem zufriedenen Lächeln vor dem Start. Für besondere Aufmerksamkeit sorgte in diesem Jahr außerdem ein Läufer aus München, der die weiteste Anreise auf sich genommen hatte, um dabei zu sein.
Tatsächlich ist der Herbstwaldlauf längst zu einem festen Bestandteil des Viersener Sportkalenders geworden. Was 1947 mit Enthusiasmus, Improvisation und Idealismus begann, hat sich zu einem sportlichen Aushängeschild der Stadt entwickelt. Heute läuft man hier nicht nur gegen die Uhr, sondern auch für das Gefühl, Teil von etwas Beständigem zu sein. Und wie waren die Zeiten und wer die Gewinner? Alle Infos gibt es auf https://my.raceresult.com/317422/#6_7B2A9C.

Das Organisationsteam der LG 1947 Viersen sorgte wie gewohnt für einen reibungslosen Ablauf. Startnummernausgabe, Zeitmessung, Streckensicherung – alles griff ineinander wie bei einem eingespielten Staffellauf. Und wer nach dem Zieleinlauf nach Stärkung suchte, fand sie in liebevoll vorbereiteten Details: frisch gebackene Waffeln dufteten über das Gelände, der Kaffee dampfte, Kinder durchwühlten die Spielekiste, während Bockwürste im heißen Wasser schwammen.
Die Stimmen der Zuschauer mischten sich mit viel Applaus, als die letzten Läuferinnen und Läufer die Ziellinie passierten. „Wir sind unglaublich stolz, dass so viele Menschen – Familien, Kinder, Senioren – jedes Jahr wiederkommen“, sagte ein Sprecher der LG Viersen mit spürbarem Stolz in der Stimme. „Für uns ist das keine Pflichtveranstaltung, sondern ein Stück Heimatgeschichte.“
Diese Geschichte reicht weit zurück: ins Jahr 1947, als Paul Funk und 17 junge Viersener – in einer Zeit des Mangels und der Trümmer – den Mut hatten, einen Sportverein zu gründen. Damals war der Sport ein Hoffnungsschimmer, eine Form von Neubeginn. Und heute, 78 Jahre später, tragen ihre Nachfolger diesen Geist weiter – mit Laufschuhen, Schweiß und einem Lächeln im Gesicht. (nb)





