Vorbereitet sein, wenn es darauf ankommt – Brüggen setzte auf Aufklärung zur Krisenvorsorge

Auf dem Kreuzherrenplatz ging es gestern um fantastische, literarische Welten. Ernster und mitten in der Wirklichkeit standen dabei die Themen auf dem Nikolausplatz, wo die Burggemeinde Brüggen am der „Tag der Krisenvorsorge“ Situationen in den Mittelpunkt stellte, die eigentlich niemand erleben möchte.
Von RS-Redakteurin Ebrua Atman und Leo Dillikrath

Brüggen – Es war ein Tag, der vielen Besucherinnen und Besuchern noch lange im Gedächtnis bleiben dürfte; nicht wegen eines spektakulären Ereignisses, sondern wegen der leisen, eindringlichen Erkenntnis, wie wichtig Vorbereitung sein kann.

Schon am späten Vormittag füllte sich der Nikolausplatz beim „Tag der Krisenvorsorge“ spürbar. Familien mit Kindern, ältere Menschen, junge Paare und Einzelbesucher bewegten sich zwischen Informationsständen, Einsatzfahrzeugen und Präsentationsflächen. Viele Gespräche entstanden nicht aus bloßer Neugier, sondern aus einem echten Bedürfnis heraus, sich mit möglichen Krisensituationen auseinanderzusetzen. Es ist ein Thema, das in den vergangenen Jahren zunehmend in den Fokus gerückt ist.

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

Hintergrund dieser Entwicklung sind unter anderem die Starkregenereignisse, die auch die Region geprägt haben. Bilder von überfluteten Straßen, vollgelaufenen Kellern und zerstörten Existenzen sind vielen noch präsent. Entsprechend groß war das Interesse an praktischen Lösungen. Am Hochwassermobil etwa informierten sich Besucher detailliert darüber, wie sie ihre eigenen Häuser schützen können.

„Ich habe die Bilder vom Starkregen hier in der Region noch genau vor Augen, das hat mich damals ziemlich verunsichert. Heute wollte ich einfach verstehen, was ich selbst tun kann, um vorbereitet zu sein. Mir macht vor allem Angst, dass man im Ernstfall plötzlich ohne Strom oder Wasser dasteht und nicht weiß, wie lange das dauert. Wenn man sich vorher informiert, fühlt man sich einfach nicht mehr ganz so hilflos“, so Walter H. (52 Jahre).

Wenige Schritte weiter zog der Aktionsstand „Leuchtturm“ die Aufmerksamkeit auf sich. Hier ging es um ein Szenario, das für viele lange abstrakt wirkte, inzwischen jedoch deutlich greifbarer erscheint: ein längerer Stromausfall. Fachkundige Ansprechpartner erklärten, wie Bürgerinnen und Bürger in einem solchen Fall handeln können, wo es Anlaufstellen gibt und wie die Versorgung organisiert wird. Besonders eindrücklich war die Erkenntnis, wie stark der Alltag von funktionierender Infrastruktur abhängt, und wie schnell diese im Krisenfall beeinträchtigt sein kann.

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

Auch Vertreterinnen und Vertreter des Bauamts, des Ordnungsamts, der Feuerwehr, von Apotheken, des Schwalmverbands sowie des Kreises Viersen standen für Gespräche bereit. Immer wieder bildeten sich kleine Gruppen um die Stände, in denen Fragen gestellt, Erfahrungen geteilt und konkrete Handlungsschritte besprochen wurden. Es ging um Hitzeperioden, Waldbrandgefahr, Blackout-Szenarien und die langfristigen Folgen des Klimawandels. Die Themen waren vielfältig, doch sie verband eine gemeinsame Botschaft: Vorbereitung schafft Handlungssicherheit.

Dabei wurde deutlich, dass Krisenvorsorge nicht erst im Ernstfall beginnt, sondern lange davor, im eigenen Zuhause. Viele der Gespräche drehten sich um die Frage, wie Haushalte sich selbst versorgen können, wenn gewohnte Abläufe plötzlich ausfallen. Empfohlen wird, Lebensmittel, Wasser, Medikamente und Hygieneartikel für mehrere Tage vorzuhalten … idealerweise für bis zu zehn Tage. Doch auch kleinere Vorräte können bereits einen Unterschied machen. Schritt für Schritt, so erklärten die Fachleute, lasse sich ein solides Fundament aufbauen.

Ein zentrales Thema des Tages war zudem die Selbsthilfe. Immer wieder wurde betont, wie wichtig es ist, sich eigenständig informieren zu können und grundlegende Fähigkeiten zu entwickeln, um in Ausnahmesituationen handlungsfähig zu bleiben. Wer weiß, was zu tun ist, kann ruhiger reagieren, gezielter handeln und nicht nur sich selbst, sondern auch anderen helfen. Dieses Wissen entlastet im Ernstfall auch die Rettungskräfte, die ihre Unterstützung dann auf besonders hilfsbedürftige Menschen konzentrieren können.

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

„Ich bin eigentlich kein ängstlicher Mensch, aber die letzten Jahre haben schon gezeigt, wie schnell sich Situationen ändern können. Ob Blackout oder extreme Hitze, das sind keine unrealistischen Szenarien mehr. Ich wollte wissen, wie ich meine Familie im Notfall versorgen kann. Die Vorstellung, dass Hilfe vielleicht nicht sofort kommt, ist schon beunruhigend. Deshalb finde ich es wichtig, sich frühzeitig mit Selbsthilfe zu beschäftigen“, unterstrich Jonas (21 Jahre). 

Die Besucherinnen und Besucher nahmen diese Impulse aufmerksam auf. Viele notierten sich Hinweise, fotografierten Checklisten oder suchten gezielt das Gespräch mit Expertinnen und Experten. Deutschland gilt als eines der sichersten Länder der Welt, doch auch hier können außergewöhnliche Situationen den Alltag abrupt verändern. Extremwetter, technische Störungen, Cyberangriffe oder andere Einflüsse können Versorgungsstrukturen beeinträchtigen und große Teile der Bevölkerung betreffen. Dass solche Szenarien nicht mehr nur theoretisch sind, wurde auf dem Nikolausplatz immer wieder deutlich angesprochen.

Wer sich näher informieren möchte, für den stellt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe den Ratgeber „Vorsorgen für Krisen und Katastrophen“ bereit, der kostenlos heruntergeladen werden kann. Die darin enthaltenen Empfehlungen und Checklisten geben konkrete Orientierung und helfen dabei, die eigene Vorsorge systematisch aufzubauen. (ea)

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath