Schon bevor die Sonne am Donnerstagabend unterging, bebte das Walbecker Freibad. Kaum hatten „Kool and the Gang“ die Bühne betreten, brandete eine Welle aus Jubel und Tanzlust durch das Gelände.
Von RS-Redakteur Dietmar Thelen
Geldern-Walbeck – Eine halbe Stunde früher als angekündigt legten die Musiker los – ein Geschenk für all jene, die schon frühzeitig den Platz erobert hatten. Mit Klassikern wie „Joanna“, „Get Down On It“ und „Ladies Night“ verwandelten sie das beschauliche Spargeldorf in einen brodelnden Tanzpalast. Und spätestens beim unsterblichen „Celebration“ sang das Publikum jede Zeile lauthals mit.

Dass Robert „Kool“ Bell, der letzte verbliebene Gründungsmitglied der Band, noch immer mit solcher Energie die Bühne beherrscht, wirkte wie eine Zeitreise zurück in die 70er und 80er Jahre – und gleichzeitig wie ein Beweis, dass gute Musik niemals altert.
Doch der Höhepunkt des Abends stand da noch bevor. Nile Rodgers, Gitarrist, Produzent und Songwriter von Weltrang, ließ sich nicht lange bitten. Schon die ersten Takte von „Le Freak“ setzten den Startschuss für eine regelrechte Disco-Ekstase. „I feel fucking great. Are you ready to party?“, rief er ins Publikum – und erhielt ein ohrenbetäubendes „Yeah!“ zurück.

Rodgers zeigte sich nicht nur als Musiker, sondern auch als charismatischer Geschichtenerzähler. Ob Erinnerungen an seine Zusammenarbeit mit David Bowie, Diana Ross oder Madonna – er teilte Anekdoten, die die Hits plötzlich greifbar machten. Besonders schmunzeln ließ die Episode um Madonna, die sich gegen Rodgers’ Vorschlag „Material Girl“ und für „Like a Virgin“ als erste Single entschied. „Dann spielen wir eben beide Songs“, kommentierte er trocken – und das Walbecker Freibad explodierte förmlich vor Begeisterung.
Zwischen den Songs gewährte Rodgers auch sehr persönliche Einblicke. Zweimal habe er den Krebs besiegt, erzählte er, und dankte dem Publikum für die Unterstützung in dieser schweren Zeit. „Ihr seid meine Familie“, sagte er – ein Satz, der unter die Haut ging.
Musikalisch spannte Rodgers einen Bogen von Sister Sledge bis zu Daft Punk. Hits wie „We Are Family“, „Upside Down“ und „Get Lucky“ ließen das Open Air zu einem einzigen Tanzboden werden. Getragen wurde das Ganze von einer fulminanten Liveband und zwei Sängerinnen – Kimberly Davis und Audrey Martells –, die sich mit ihren kraftvollen Stimmen immer wieder in den Vordergrund sangen und Sonderapplaus ernteten.
So wurde das Freibad an diesem Abend zu einem Ort, an dem Generationen zusammenkamen, um ihre gemeinsame Liebe zur Disco zu feiern. Mehr als fünf Jahrzehnte nach ihren ersten Erfolgen bewiesen sowohl „Kool and the Gang“ als auch Nile Rodgers & Chic, dass Disco keine Nostalgie ist – sondern pure Lebensfreude. (dt)





