Zwischen Licht und Wärme: Das Bodelschwingh-Hospiz „Haus Franz“ lud zum Tag der offenen Tür

Die Tür öffnet sich und ein leiser Hauch von Geborgenheit strömt hinaus. Samstag in Dülken und das Bodelschwingh-Hospiz „Haus Franz“ empfängt Besucher zu seinem Tag der offenen Tür. Schon der erste Schritt über die Schwelle zeigt: Dies ist kein gewöhnliches Gebäude. Hier mischen sich Licht, Ruhe und Wärme zu einem Gefühl, das schwer in Worte zu fassen ist – ein Ort, der das Leben ehrt, selbst wenn es sich dem Ende zuneigt.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker und Leo Dillikrath

Viersen-Dülken – Im Eingangsbereich begrüßen freundliche Stimmen, ein zarter Duft von frischem Kaffee und Kuchen. Besucher, jung und alt, schlendern durch die Flure und lassen sich von der liebevollen Einrichtung beeindrucken. Jedes Zimmer erzählt seine eigene Geschichte. Die zehn Einzelzimmer, von denen die meisten über Terrassen mit Blick ins Grüne verfügen, wirken gleichzeitig intim und offen, ausgestattet mit Telefon, Fernseher und warmen Möbeln, die sofort ein Gefühl von Zuhause vermitteln.

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

Haben wir gerade von Kaffee gesprochen? Den kann man dort sogar verpackt kaufen: Der Hospizkaffee entsteht in Kooperation mit der Dauner Kaffeerösterei. Ein Teil des Erlöses fließt direkt in die Arbeit des Hauses Franz und unterstützt die Begleitung schwerkranker Menschen und ihrer Angehörigen. Geröstet wird der Kaffee mit viel Liebe und Sorgfalt – regional, fair und mit dem Bewusstsein, dass Gutes auch Gutes bewirken kann. Ein kleiner Becher, eine große Wirkung.

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

In den Gängen trifft man auf kleine Gruppen von Besuchern, die neugierig hinter die Kulissen schauen. Währenddessen erkunden andere Gäste die Zimmer – mit bequemen Sofas, Büchern, großen Fenstern und dem leisen Summen von Gesprächen. Auf Anfrage können sogar Kinder betreut werden, sodass Familien gemeinsam Zeit verbringen können, ohne dass jemand überfordert wird. „Es war für mich sehr lehrreich und ich habe viele positive Eindrücke mitgenommen“, sagt Sabine M., die selbst im Gesundheitswesen arbeitet. „Man merkt sofort: Hier geht es um mehr als Pflege. Es geht um Würde, um Menschlichkeit, um Nähe.“

Eine Besonderheit sind die Stunden mit Hunden. Die vierbeinigen Helfer kommen direkt ausgebildet ins Hospiz, um den Bewohnern Freude und Trost zu bringen. „Die Hunde sind ein Teil des Lebens hier. Sie spenden Wärme, Nähe und ein Stück Normalität“, erklärt ein Familienmitglied. Auch andere Besucher sind beeindruckt: „Ich hätte nie gedacht, dass ein Hospiz so lebendig und herzlich sein kann. Hier sieht man, dass Menschlichkeit keine Grenzen kennt.“

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

Pflege und Medizin bilden die Grundlage dieses Hauses. Fachliche Pflege und Schmerztherapie, eng abgestimmt mit Ärzten und Krankenhäusern, sorgen dafür, dass die Bewohner ihre verbleibende Zeit in vollem Bewusstsein erleben können. Doch was das Haus „Franz“ so besonders macht, ist die Kombination aus Professionalität und Einfühlsamkeit. Überall spürt man die Sorgfalt: warme Farben, helle Räume, Pflanzen auf Fensterbänken, kleine Details, die den Alltag erleichtern. Die Gästezimmer für Angehörige bieten Raum für Nähe, selbst in den stillen Momenten, und die Möglichkeit, die letzten Tage und Stunden gemeinsam zu erleben. „Haus Franz ist so gestaltet, dass der Mensch bis zum Ende in guter Obhut ist“, erzählt eine Besucherin leise, während sie über die Terrasse schaut. „Seine Wünsche werden respektiert, er wird umsorgt – und das macht den Unterschied.“

Auch draußen sitzen Besucher und lassen die Eindrücke nachklingen. Sie sprechen über Hoffnung, Mitgefühl und das, was ein würdiges Leben bis zuletzt bedeutet. Jeder Schritt durch das Haus, jede Begegnung vermittelt: Hier wird das Leben gefeiert, selbst wenn es sich seinem Ende nähert. Am Ende des Rundgangs bleibt ein Gefühl von Nachdenklichkeit, Dankbarkeit und Wärme. Besucher nehmen nicht nur Informationen mit nach Hause, sondern Geschichten, Blicke und Momente, die sie nicht so schnell vergessen werden. Ein Tag, an dem das Haus „Franz“ nicht nur seine Türen, sondern auch die Herzen öffnete. (nb)

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath