Wenn die Rur durch schmale Gassen plätschert und das Licht der frühen Sonne auf schieferverkleidete Fachwerkhäuser fällt, erwacht Monschau zu einem Anblick, der an eine lebendige Postkarte erinnert.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker
Reisen – Die Stadt an der Rur, eingebettet in die sanften Berghänge des Naturparks Hohes Venn-Eifel, trägt die Spuren von Jahrhunderten Geschichte in jedem Stein und jedem Dach. Hier scheint die Zeit manchmal langsamer zu fließen – und doch pulsiert das Leben zwischen Altstadt und Umland in überraschender Vielfalt.
Monschau, bis 1918 unter dem Namen Montjoie bekannt, liegt in Nordrhein-Westfalen und gehört zur Städteregion Aachen. Die Stadt ist von einer reizvollen Mischung aus Natur und Kultur umgeben: Nachbarorte wie Simmerath, Schleiden und Hellenthal, ebenso wie die belgischen Gemeinden Eupen, Weismes, Bütgenbach, Rocherath und Büllingen, prägen das grenznahe Flair. Über Monschau wacht die historische Burg Monschau, deren Ursprünge bis ins frühe 13. Jahrhundert zurückreichen, über das Rurtal. Heute beherbergt sie eine der Jugendherbergen der Stadt und erinnert an die strategische Bedeutung des Ortes in vergangenen Jahrhunderten.

Die Geschichte Monschaus ist ein Mosaik aus mittelalterlichen Herrschaften, Textilblütezeiten und religiösen Siedlungen. 1352 erhielt die Stadt Stadtrechte, und bereits Anfang des 17. Jahrhunderts wuchs sie durch die Ansiedlung protestantischer Flüchtlinge, die die lokale Tuchproduktion maßgeblich prägten. Arnold Schmitz gilt als Pionier der Monschauer Feintuchherstellung, die später von Johann Heinrich Scheibler zu einer prosperierenden Industrie ausgebaut wurde. Noch heute zeugt das prächtige „Rote Haus“ von dieser Blütezeit: Wohnhaus, Kontor, Lager und Produktionsstätte zugleich, thront es am Zufluss des Laufenbachs in die Rur.
Die Natur spielt in Monschau eine große Rolle. Mit einem Jahresniederschlag von 1.222 Millimetern liegt die Stadt in den obersten Messwerten Deutschlands. Die Niederschläge konzentrieren sich auf den Winter, während der September vergleichsweise trocken ist. Über 93 Prozent aller Messstellen des Deutschen Wetterdienstes zeigen geringere Niederschlagsmengen. Wer Monschau besucht, sollte sich also wetterfeste Kleidung einpacken – die Rur und die umliegenden Täler lassen den Herbstnebel oft tief in die Gassen kriechen.
Die Stadt ist in acht Stadtteile gegliedert: Höfen, Imgenbroich mit Widdau, Kalterherberg mit Ruitzhof, Konzen mit Rückschlag, Monschau selbst, Mützenich, Rohren und weitere Exklaven entlang der ehemaligen Vennbahntrasse, die bis heute die Grenze zu Belgien markiert. Historische Besonderheiten wie die Exklaven Mützenich, Ruitzhof und Rückschlag erzählen von den verworrenen Grenzverläufen der Region.
Monschaus kulturelles Leben spiegelt sich in einer bemerkenswerten Dichte an Museen, Kirchen und historischen Bauten wider. Die Evangelische Stadtkirche, 1787–1789 errichtet, überrascht mit Stuckaturen im Louis-seize-Stil, während die barocke Schweifhaube des Turms einen Schwan statt des üblichen Wetterhahns trägt – ein stilles Symbol für Martin Luther. Weitere prächtige Bauwerke wie Haus Troistorff, das Ursulinenkloster, das Rote Haus oder die Pfarrkirche St. Mariä Geburt im Bauernbarock ziehen Besucher magisch an.
Kunst und Kultur haben in Monschau Tradition. Bereits 1971 verpackten Christo und Jeanne-Claude die Haller-Ruine und Teile der Burg, initiiert vom Kunstkreis Monschau. Das Fotografie Forum der Städteregion Aachen, ehemals Kunst- und Kulturzentrum Monschau (KUK), widmet sich wechselnden Ausstellungen, während die Skulptur „Verformung 14, 17-1“ von Alf Lechner den Hinterhof des Auklosters ziert. Zahlreiche Film- und Fernsehproduktionen nutzen die Altstadt als Kulisse, darunter Netflix-Miniserien und bekannte TV-Krimis.
Monschau ist weit mehr als ein Museumsort: Die Stadt lebt durch ihre Veranstaltungen. Der Monschau-Marathon über 760 Höhenmeter lockt Sportbegeisterte, die Kanuten treffen sich seit Jahren zu internationalen Wildwasserrennen auf der Rur, und die Monschau Klassik auf der Burg zieht Liebhaber klassischer Musik an. Höhepunkt für Besucher ist der Weihnachtsmarkt, bei dem sich Fachwerkhäuser und Gassen in ein stimmungsvolles Lichtermeer verwandeln.
Bildung und Infrastruktur runden das Stadtbild ab. Das St.-Michael-Gymnasium bietet moderne Bildung mit internationalen Klassen, während die Sekundarschule Nordeifel Schüler aus mehreren Gemeinden vereint. Monschau ist über Buslinien der ASEAG und RVK erreichbar, der historische Vennbahnradweg lädt zu Radtouren durch die Eifel bis nach Luxemburg ein.
Die Wirtschaft Monschaus ist traditionell geprägt: Von der Textilproduktion des 18. Jahrhunderts bis zur Senfherstellung in der Senfmühle Monschau – die Stadt hat sich stets an neue Gegebenheiten angepasst. Unternehmerbündnisse wie die AMU-Arbeitsgemeinschaft Monschauer Unternehmen und das Handwerksinnovationszentrum HIMO fördern moderne Gewerbeansiedlungen und Start-ups.
Trotz ihrer Größe bewahrt Monschau eine intime Verbindung von Natur, Geschichte und Kultur. Fachwerk, Wasser und steile Gassen verschmelzen mit Museen, Festivals und sportlicher Aktivität zu einem einzigartigen Panorama, das Besucher von nah und fern anzieht. Die Rur fließt unbeirrt durch die Stadt, als stille Zeugin von Jahrhunderten voller Geschichten, Handwerkskunst und menschlicher Vielfalt. (nb)





