Die Atmosphäre in der Lanxess-Arena war elektrisierend, als Rod Stewart am Dienstagabend die Bühne betrat. Der 80-jährige Sänger, bekannt für seine strubbelige Frisur, den unverwechselbaren Reibeisen-Sound und unzählige Hits, ließ die rund 15.000 Fans in der ausverkauften Halle sofort jubeln. Trotz seines Alters wirkte der Brite, als hätte er keine Gedanken an Ruhestand – im Gegenteil, die Energie sprühte über die Bühne und auf das Publikum.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler
Kunst & Kultur – Von Beginn an zeigte Stewart, dass er noch immer ein Meister des Entertainments ist. In einer strahlend weißen Bühne, Kapitänsmütze auf dem Kopf, eröffnete er den Abend mit „I am sailing, I am sailing. Home again ‚cross the sea“. Das Meer an Händen und Smartphones in der Menge schien im Rhythmus mitzugehen, als der Altmeister mit leicht gebeugtem Körper und markanter Stimme die ersten Töne sang. Die Leinwand hinter ihm wechselte zwischen sanften Wellen und dem Mond, eine visuelle Untermalung für das sentimentale Stück, das fast wie ein persönlicher Gruß wirkte.

Die Show war eine Mischung aus Nostalgie, Party und handwerklicher Perfektion. Stewart, mittlerweile Vater von acht Kindern, ließ sich von den Strapazen des Tourlebens nicht bremsen. Zwar zeigte sich sein Alter gelegentlich in kurzen Atempausen und kleineren Unregelmäßigkeiten in der Stimme, doch der unnachahmliche Hüftschwung, das Lächeln und die charmanten Neckereien mit den Musikerinnen auf der Bühne ließen keinerlei Müdigkeit erkennen.
Bereits 1978 stand Stewart zum ersten Mal in Köln auf der Bühne – ein halbes Jahrhundert später wirkte seine Spielfreude ungebrochen. Auf der „One More Time“-Tour ließ er Klassiker wie „Baby Jane“, „Young Turks“ und „The First Cut Is the Deepest“ erklingen, aber auch Cover wie „Twistin’ the Night Away“ und „It Takes Two“ sorgten für ausgelassene Stimmung. Zwischendurch verwandelte sich die Bühne in eine kleine Stepptanz-Revue, bei der die Zuschauer fasziniert die filigranen Bewegungen der Musiker und Stewarts kurze Soloeinlagen verfolgten.

Die 13-köpfige Band spielte dabei eine zentrale Rolle. Während Stewart die Bühne wechselte, Kostüme wechselte – von Leopardenjacke zu silbernem Anzug und weit geöffnetem Hemd – und kleine Pausen einlegte, füllten die Musiker die Halle mit kraftvollen Versionen von Hits wie „I’m So Excited“ und „Proud Mary“. Auch humorvolle Momente gab es: Bei „Da Ya Think I’m Sexy“ flogen Fußballbälle ins Publikum, ein Augenzwinkern auf Stewarts Leidenschaft für den Sport und seine Liebe zu Celtic Glasgow, deren Logo prominent auf der Trommel prangte.
Das Konzert war nicht nur ein musikalisches, sondern auch ein visuelles Spektakel. Bunte Lichtshows, Projektionen der Fußballspiele seines Lieblingsvereins und am Ende ein Regen aus Luftballons bei „Love Train“ verliehen der Performance ein beinahe karnevalesques Flair. Stewart agierte wie ein Gastgeber seines eigenen Abends, tänzelte um seine Band, schäkert charmant und ließ immer wieder kleine, direkte Botschaften ins Publikum einfließen.
Besonders bewegend wurde es bei ruhigeren Momenten wie „I’d Rather Go Blind“, bei dem die Bühne in schlichtes Schwarz-Weiß getaucht wurde. Hier war Stewarts Stimme wieder in voller Tragweite zu hören, voller Gefühl und Intensität, ohne den kitschigen Effekt zu überziehen. Der Kontrast zwischen ausgelassener Partystimmung und emotionaler Tiefe zeigte die Bandbreite seiner Kunst.
Trotz der teilweise brüchigen Stimme oder der sichtbaren Anstrengung seines Körpers war der Abend ein Triumph der Energie und Präsenz. Die Fans spendeten frenetischen Applaus, sangen mit und genossen jeden Augenblick, als sei dies tatsächlich die letzte Gelegenheit, Stewart live zu erleben. Doch die Frage, ob dies wirklich sein Abschied war, blieb unbeantwortet. „One Last Time“ hatte er bereits 2024 angekündigt – doch „One More Time“ zeigte, dass die Legende noch nicht bereit ist, sich von der Bühne zu verabschieden.
Der Abend endete mit einem schnellen „I love you“ an die Kölner, bevor der rote Vorhang fiel. Zwei Stunden voller Hits, Emotionen, Humor und Rock’n’Roll – ein Abend, der zeigte, dass Rod Stewart trotz seines Alters noch immer ein Rockstar durch und durch ist. Die Fans verließen die Arena mit leuchtenden Augen, die letzten Klänge hallten nach und die Erinnerung an einen Abend, der sich keineswegs nach Rente anfühlte, bleibt in der Stadt am Rhein lebendig. (sk)





