BUND schützt erneut Amphibien im Süchtelner Fritz- und Salbruch

Noch ist die diesjährige Krötenwanderung am Niederrhein nicht gestartet, denn die aktuellen Temperaturen sorgen weiterhin für die Winterpause der Amphibien. Lange wird diese allerdings nicht mehr andauern, denn wenn die nächtliche Wärme auf mehr als fünf bis sechs Grad ansteigt, dann beginnt ein beeindruckendes Naturschauspiel.
Von RS-Redakteur Dietmar Thelen

Viersen-Süchteln – In einigen Regionen Deutschlands wandern Kröten, Frösche, Molche und Unken bereits von ihren Winterquartieren zu den Laichgewässern, um sich dort zu paaren. Hier am Niederrhein ist es noch ruhig, es ist einfach noch zu kalt. Das allerdings wird sich bald ändern, denn wenn die nächtlichen Temperaturen auf mehr als fünf bis sechs Grad ansteigen erwachen die Amphibien aus ihrer Starre und sorgen für einiges an Arbeit bei engagierten Tierschützern.

Grund hierfür ist der Wanderweg der Tiere, der häufig über Straßen und dort zum Tode führt. Dabei sterben die Wanderer nicht nur unter den Autoreifen, ebenfalls eine große Geschwindigkeit ist Auslöser für einen zu hohen Luftdruck, der die Organe von Kröten oder Fröschen platzen lässt. Die Tiere verenden qualvoll.

Zwar wird der Höhepunkt der Wanderung aufgrund der noch schwankenden Temperaturen erst in einigen Wochen erwartet, im Süchtelner Fritz- und Salbruch wird jedoch bereits jetzt schon alles vorbereitet. Gemeinsam mit der Stadt Viersen ist der BUND, der Bund für Umwelt- und Naturschutz seit vielen Jahren hier aktiv. Nicht nur, dass die Mitglieder die Wege von abends 18 Uhr bis morgens um 8 Uhr mit drei rot-weißen Pollern mehrere Wochen versperren, auch sonst haben die Tierschützer ein wachsames Auge auf die kleinen Wanderer, die zurück in die Gewässer wollen, wo sie selbst geboren wurden.

Wo andernorts lange Amphibienschutzzäune aufgestellt werden müssen, die mehrmals täglich nicht nur kontrolliert werden, sondern an denen die Tiere auch eingesammelt und zur anderen Seite gebracht werden, bietet sich am Clörather Weg im Salbruch die Möglichkeit der Poller, die von den Ehrenamtlern bis Mitte April täglich abgebaut und wieder aufgestellt werden. Auf die Sperrung der Wirtschafswege weisen zudem Hinweisschilder hin.

Foto: Rabenspiegel/Pixabay

Zum internationalen Tag des Artenschutzes am 3. März 2023 betont NRW-Umweltminister Oliver Krischer die Bedeutung der Biologischen Vielfalt. Ihr Erhalt sei existenziell und müsse global wie lokal Richtschnur des Handelns sein. „Nordrhein-Westfalen hat einzigartige Naturlandschaften mit einer faszinierenden Artenvielfalt, für deren Erhalt wir auch global Verantwortung tragen“, so Krischer: „Sie zu bewahren und zu schützen ist eine existentielle Aufgabe.“

Mehr als 43.000 verschiedene Tier-, Pilz- und Pflanzenarten und rund 70 verschiedene Lebensräume bilden die Grundlage für den Artenreichtum in Nordrhein-Westfalen. Auch in Nordrhein-Westfalen ist der Verlust an biologischer Vielfalt weiterhin hoch. Etwa 45 Prozent der untersuchten Tier-, Pilz- und Pflanzenarten stehen in Nordrhein-Westfalen auf der „Roten Liste“ – sind gefährdet, vom Aussterben bedroht oder bereits ausgestorben. „Der Artenrückgang und der damit verbundene Verlust an biologischer Vielfalt ist die zweite große ökologische Krise unserer Zeit. Hier müssen wir gegensteuern“, sagte Minister Krischer.

Die Ursachen des Artenrückgangs und des Verlustes biologischer Vielfalt sind menschengemacht: Neben den Folgen des Klimawandels gehören hierzu die Zerstörung, Belastung und Zerschneidung naturnaher Lebensräume und der fortschreitende Flächenfraß. (opm/dt)