Die St. Sebastianus Bruderschaft feierte mit Glaube, Sitte und Heimat im Herzen

Die St. Sebastianus Bruderschaft Süchteln-Sittard 1407 e.V. feiert ihr Sektionsfest mit Herz, Historie und heiteren Highlights.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker und Rita Stertz

Viersen-Süchteln – Es war ein Fest, wie es im Buche steht: Die St. Sebastianus Bruderschaft Süchteln-Sittard 1407 e.V. lud am vergangenen Samstag zum traditionellen Sektionsfest auf dem Schulhof der Martinschule – und die Gemeinschaft kam gerne. Mit einem abwechslungsreichen Programm für Jung und Alt, viel Musik, Mode und einer Prise Geschichte wurde das Fest zu einem lebendigen Zeugnis gelebter Nachbarschaft, tief verwurzelter Tradition und fröhlicher Gegenwart.

Foto: Rheinischer Spiegel/Rita Stertz

Schon früh füllte sich der Schulhof mit buntem Treiben. Ein Blick auf den Kinderflohmarkt zeigte eindrucksvoll, wie sehr sich auch die jüngsten Mitglieder der Gemeinschaft in das Sektionsfest einbrachten. Mit großem Eifer und leuchtenden Augen boten sie ihre gebrauchten Spielsachen, Bücher und kleinen Schätze an – ein fröhliches und zugleich berührendes Bild. In gewisser Weise knüpfte diese Szene an die Ursprünge der Bruderschaft an, als Solidarität und gegenseitige Hilfe noch ganz selbstverständlich in Form von Naturalien gelebt wurden.

So ist aus dem Jahr 1553 belegt, dass Tilman Behr, Rentmeister des Amtes Brüggen, die Verteilung von zwölf Malter Roggen an arme und bedürftige Menschen im Gebiet der Bruderschaft dokumentierte. In einer Zeit, in der es weder Kirchensteuer noch staatliche Fürsorge gab, war es die Bruderschaft, die mit eigenen Stiftungen, Erträgen und Nachbarschaftshilfe für die Schwächsten der Gesellschaft sorgte. Roggen, das wichtigste Grundnahrungsmittel der damaligen Zeit, war dabei von existenzieller Bedeutung – seine Verteilung ein Akt der Barmherzigkeit und Nächstenliebe.

Foto: Rheinischer Spiegel/Rita Stertz

Auch wenn heute keine Getreidesäcke mehr verteilt werden, lebt der Geist dieser Fürsorge weiter – sichtbar im kleinen, ehrlichen Miteinander auf dem Kinderflohmarkt. Es ist diese gelebte Gemeinschaft, die über Jahrhunderte hinweg das Rückgrat der Bruderschaft gebildet hat und auch heute noch spürbar ist.

Ein besonderes Highlight wartete dann auf die modebewussten Gäste: Die mit Spannung erwartete Modenschau von Gaby’s Lädchen sowie MannOMann präsentierte nicht nur die neuesten Herbst- und Wintertrends, sondern zeigte auch, dass die Bruderschaft mit der Zeit geht. Souverän schritten Frauen und Männer aus der Region über den Schulhof, präsentierten tragbare Eleganz und sorgten für Applaus und Gesprächsstoff. „Mode ist vergänglich – Stil ist Tradition“, hätte man sagen können – ein Motto, das zur Bruderschaft genauso passt wie zu dieser Show.

Für die musikalische Untermalung des Abends sorgten keine Geringeren als die Lala Boys – bestehend aus Sänger Paul Breuer, Peter Breuer-Tervooren und Regenbogenkönig Rüdiger Cremers. Mit ihrer unverwechselbaren Mischung aus Karnevalsklängen und klassischen Stimmungshits verwandelten sie den Schulhof in ein großes Freiluftwohnzimmer voller Tanz, Gesang und Zusammenhalt.

Foto: Rheinischer Spiegel/Rita Stertz

Natürlich fehlten auch die bewährten kulinarischen Klassiker nicht: eine reich gedeckte Kuchentheke und ein erfrischendes Eisangebot rundeten das Fest ab und ließen keinen Wunsch offen. Doch ein Fest der Bruderschaft ist immer mehr als ein bloßes Unterhaltungsprogramm. Es ist auch ein Moment des Innehaltens. Denn wer sich mit der Geschichte der St. Sebastianus Bruderschaft beschäftigt, erkennt schnell: Was heute mit guter Laune und Mode gefeiert wird, fußt auf einem Erbe voller Herausforderungen. Von Kriegen, Pest und politischer Unterdrückung über französische Besatzung bis hin zu nationalsozialistischer Repression – die Bruderschaft hat Jahrhunderte voller Entbehrungen, aber auch Zusammenhalt überstanden.

Schon 1657 wurde die Gemeinschaft für ihren sozialen Einsatz und ihre Wachdienste von Herzog Philipp Wilhelm von Jülich mit einem silbernen Vogel geehrt – ein Symbol des Stolzes, das bis heute als Teil des Königssilbers erhalten ist. Ob während der Belagerung durch Karl den Kühnen, der Schrecken des Dreißigjährigen Kriegs oder der Entbehrungen während der Weltkriege – stets stand die Bruderschaft für das ein, was heute ihr Motto ist: Glaube, Sitte und Heimat.

Das Sektionsfest war somit nicht nur ein Sommerhighlight für Süchteln-Sittard, sondern auch ein lebendiger Ausdruck dessen, was eine Bruderschaft ausmacht: Gemeinschaft, Verantwortung, Freude – und ein Blick zurück, der den Weg in die Zukunft bereichert. Es bleibt der Bruderschaft und allen Beteiligten zu wünschen, dass dieses Fest noch lange nachhallt – in den Herzen der Gäste wie im Selbstverständnis eines Vereins, der auf über 600 Jahre Menschlichkeit und Zusammenhalt blickt. (nb)

Foto: Rheinischer Spiegel/Rita Stertz