Ein neuer Exprinz im Kreise seiner jecken Vorgänger

Die Lichter der historischen Viersener Windmühle warfen am Samstag ein warmes Leuchten auf jene besondere Runde, die sich mehrmals im Jahr nicht nur in der Adventszeit trifft: den Club der Exprinzen der Narrenherrlichkeit Viersen.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker und Ex-Prinz Leo I. (Dillikrath), der duftende Jubelprinz

Viersche – Hach ja, wir sind schon alle „Verliebt en oser Viersche“, wie es in dieser närrischen Session so schön heißt. Doch nicht diese Session, sondern viele vergangene, unvergessliche 5. Jahreszeiten standen in der Windmühle im Rampenlicht. Es war eben ein Abend, der Tradition atmete.

Schon beim Eintreffen der Gäste lag eine fast feierliche Ruhe über der Windmühle, die sich schnell in lebendige Heiterkeit verwandelte, als die ehemaligen Prinzen einander begrüßten. Das Wiedersehen der Männer, die in ihren Sessionen die Stadt als Repräsentanten des Karnevals getragen haben, ist in Viersen seit Jahrzehnten ein festes Ritual. Seit 1958 wird hier – abgesehen von Kriegs- und Corona-Jahren – jedes Jahr ein Prinz der Narrenherrlichkeit Viersen gekürt, und die Reihen der Exprinzen bilden eine enge, über Generationen gewachsene Gemeinschaft. Viele dieser Verbindungen bestehen weit über die aktive Karnevalszeit hinaus, getragen von gemeinsamen Erinnerungen, langjähriger Vereinsarbeit und dem Anspruch, das Brauchtum der Stadt lebendig zu halten.

Wussten Sie, dass der erste Prinz 1958 Eugen I. – der Wandervogel (Solbach) mit Martha I. war, die mit dem Motto „Werr send gewaße“ über ihr närrisches Volk regierten? Im Mittelpunkt es Abends stand allerdings der Prinz der vergangenen Session. Jürgen I. – der blaue Schrauber (Vogt), der mit seiner wunderbaren Prinzessin Ela I. regiert hatte. Er wurde nach sorgfältiger Prüfung durch die anwesenden Exprinzen offiziell in den Kreis aufgenommen – ein Ritual, das sowohl mit Humor als auch mit Respekt zelebriert wird. Vogt stellte bei seiner „Aufnahmeprüfung“ die Exprinzen an seinem Tisch mit den vom Festausschuss vergebenen Namen vor, eine Aufgabe, die er mit Augenzwinkern und Würde meisterte. Keine leichte Aufgabe bei so vielen anwesenden Tollitäten … bis schließlich der erlösende Handschlag kam.

Im Laufe des Abends rückte der Gedanke an die lange Tradition des Viersener Karnevals mehrfach ins Zentrum. Der Karneval sei schließlich mehr als Frohsinn und Kostüm – er sei ein Band zwischen den Generationen, ein Stück Stadtgeschichte und eine Einladung, Offenheit, Emotionen und Miteinander unverhüllt zu leben. „Nur durch das Lachen“, so erinnerte einer der Senioren, „lösen sich die schwersten Kontofersen des Alltags.“

Vorsitzender Eric Tillmanns, der den Abend leitete, verlieh der Runde zusätzlich eine humorvolle Note, als er kurzerhand alle Damen des Abends zu „Burgfrauen“ ernannte – eine charmante Würdigung, denn längst nicht jeder Exprinz kommt Jahr für Jahr mit jener Prinzessin, die ihn einst durch die Session begleitete.

Inmitten der Heiterkeit öffnete sich schließlich die Tür, und Nikolaus Wolfgang Genenger – selbst Prinz im Jahr 2002 – trat ein. Mit seinem großen Buch unter dem Arm und einem breiten Grinsen sorgte er für gespannte Stille, die sich rasch in fröhliche Zwischenrufe auflöste. Zwischen duftenden Mandelweckmännern, den mitgebrachten Geschichten und den Terminen für das kommende Karnevalsjahr entstand ein Abend, der einmal mehr zeigte, warum die Gemeinschaft der Exprinzen in Viersen ein so bedeutender Teil der lokalen Karnevalskultur ist. Denn schon der römische Minister Lucius Annäus Seneca sprach die Worte: „Glaube mir, wirkliche Freude ist eine ernste Angelegenheit.“ (nb)

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath