Es gibt Abende, die schreibt der Karneval selbst – mit Glitzer in der Luft, Takt im Herzen und einem Lächeln, das bis Aschermittwoch trägt. Der Karnevalssamstag im Dülkener Bürgerhaus war so ein Abend. Als das Dülkener Prinzenpaar auf den 57. Cheriff von Hamm traf, wurde aus einer Bühne ein Sattel, aus dem Saal eine feiernde Karawane und aus dem Publikum ein einziges Meer aus schunkelnden Armen.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker und Leo Dillikrath
Dölke – Punkt 19.11 Uhr – ganz karnevalistisch – öffneten sich die Türen zu einer Nacht, die ganz unter dem diesjährigen Sessionsmotto „Dölke jeht steil“ stand. Und steil ging es von der ersten Minute an bei der diesjährigen Prinzenparty, bei der erneut die Dölker Tollitäten auf den Cheriff von Hamm trafen.

Die Kooperation mit dem Vaterstädtischen Verein Dülken und der Vierscher Karnevalsgesellschaft Hamm wer net hat sich damit vollständig im jecken Programm bewährt. Über die Stadtgrenze hinaus füllte sich daher auch das Bürgerhaus mit Jecken um gemeinsam zu feiern – so wie es nur der Niederrhein kann: herzlich, laut und mit dieser ganz besonderen Mischung aus Tradition und augenzwinkernder Verrücktheit.

Den offiziellen Startschuss gaben Dieter Niessen sowie die Moderatoren Günter Jansen und Michael Berghausen, die das Publikum mit Charme und Wortwitz begrüßten. „Wenn Dölke feiert, dann richtig!“, hallte es in den Saal, bevor es feierlich mit dem Dülkener Prinzenpaar wurde. Prinz Ralf I. und Prinzessin Sandra I. strahlten mit den Saallichtern um die Wette, winkten, herzten, lachten.

Kaum verklungen war der Jubel, übernahm die Band Thommes Rot Weiß das musikalische Zepter. Mit Klassikern und Mitsing-Hymnen brachten sie den Saal zum Kochen. Schon nach wenigen Takten standen die ersten Gäste schunkelnd in Reigen. Zwischen Western-Feeling und bunten Luftschlangen verwandelte sich das Bürgerhaus in einen Hexenkessel aus Rhythmus und Lebenslust.

Schlag auf Schlag folgte der nächste Höhepunkt, als Michael Berghausen mit spürbarer Spannung den 57. Cheriff von Hamm ankündigte. Als Marc Offermann, der aktuelle Amtsinhaber der Karnevalsgesellschaft Hamm wer net, die Bühne betrat, brandete erneut Applaus auf. Mit Hut und selbstbewusstem Lächeln bewies er, dass der Titel nicht nur Zierde ist, sondern Haltung. „Wir sind heute nicht aus dem Hamm angereist, um nur zuzuschauen“, rief ein Jeck aus dem Publikum. „Wir sind hier, um mit Dölke die Nacht zu erobern!“

Und so sollte es spätestens sein mit den LES Hammphries. Die Vierscher Publikumslieblinge verstanden es mühelos, den Saal für sich zu gewinnen. Mit viel Humor, Charme und einem großen Herzen für den Karneval präsentierte die Hobby-Formation ein ebenso kreatives wie liebevoll gestaltetes Programm. Medleys, überraschende Übergänge und augenzwinkernde Einlagen sorgten für Lacher und Begeisterung. Ihr Auftritt wurde vom Publikum mit lang anhaltendem Applaus belohnt. Die Kooperation zwischen den Vereinen zeigte sich hier in ihrer schönsten Form: kein Gegeneinander, sondern ein Miteinander, das Brücken baut.

Immer wieder führten Günter Jansen und Michael Berghausen mit humorvollen Einlagen durch das Programm. Sie banden das Publikum ein und sorgten dafür, dass zwischen den musikalischen Höhepunkten kein Funken der Stimmung verloren ging. Karneval ist eben gekonnte Handarbeit.
Als die Band Thommes Rot Weiß erneut die Bühne übernahm und nahtlos an die zuvor entfachte Partystimmung an knüfte schlängelten sich Polonaisen durch die Reihen. Orden blitzten im Licht. Die Luft war erfüllt von Lachen, Parfüm und dem unverwechselbaren Duft einer langen, fröhlichen Nacht. Günter Jansen kündigte mit sichtlichem Stolz einen weiteren Dölker Jecken an, der in dieser Session bereits zahlreiche Bühnen erobert hat – Marcus Schacht. Kaum erklang sein erster Ton, war klar: Hier steht einer, der sein Publikum kennt.

Nach seinem Auftritt ging es nahtlos weiter – wieder mit Thommes Rot Weiß, die bis kurz vor Mitternacht das Tempo hochhielten. Niemand dachte ans Gehen. Im Gegenteil: Je später der Abend, desto ausgelassener wurde die Stimmung. Es wurde getanzt, geschunkelt, gelacht, umarmt. Fremde lagen sich in den Armen, als würden sie sich seit Jahren kennen – so, wie es nur der Karneval schafft. (nb)





