Esther Gommel-Packbier – 38. Kreuzritter

Seit vielen Jahren wird es so gehalten, dass sich die bisherigen Kreuzritter und viele Gäste der KG Die Kreuzherren Wickrath von der Volksbank in Richtung Bahnhof auf den Weg machen, um dort die Stele mit dem neuen Namen des Kreuzritters zu enthüllen. Angeführt wurde dieser kleine aber feine Umzug vom Reitercorps Mönchengladbach.

Text von RS-Redakteurin Marlene Katz

Mönchengladbach – Jochem Enzenmüller, auch genannt Enzi, selber Kreuzritter (2013) und Sprecher der Ehrensenatoren der Gesellschaft, hatte es sich wieder zur Aufgabe gemacht, die entsprechende Rede an der Stele vorzutragen. Hier ein kleiner aber feiner Auszug seiner Ansprache.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Gassparer, Kaltduscher und Nachtschattengewächse, liebe Waschlappenhygieniker und CO 2 Vermeider und aus begründetem Anlass: Ein herzliches Grüß Gott.

Sie merken schon in der Anrede, es hat sich was verändert seit unserem letzten Treffen hier vor Ort.

Viel, liebe Freunde der Karnevals, hat sich ereignet. Nicht nur Lustiges.

Denn – Karneval, und in diesem Modus befinden wir uns seit dem 11.im 11. wieder – darf auch verdrängen, verulken und verkitschen. Karneval ist dazu da, den Menschen Freude zu bereiten und / oder ihnen auch den Spiegel vors Gesicht zu halten. Ob sie dann selbst noch lachen können, entscheiden sie selbst.

Doch zunächst wurde all derjenigen gedacht, welche diese Welt, gerade auch im letzten Jahr, für immer verlassen haben, vor allem aus den Reihen der KG die Kreuzherren Wickrath. Insbesondere dachten sie an Hans Willi Müllers, der ein großer Gönner und Förderer des Vereins war und in der letzten Woche verstorben ist.

Er sprach weiter über Politiker wie Karl Lauterbach der glaubwürdiger Mediziner war, jetzt Gesundheitsminister, Bundeskanzler Scholz hatte noch Erinnerungsvermögen, Keyenberg wurde noch aufgegeben und entsiedelt, kirchlich heiraten durfte selbst auf Sylt nur ein Paar, bei welchem mindestens eine Person in der Kirche war, die Tafel war noch nicht der mitgliederstärkste Verein in Mönchengladbach, und in dieser Stadt, Mönchengladbach gab es noch wenige Strecken, wo man mehr als Tempo 30 fahren durfte. Es war einmal…

Weiter nahm er Bezug auf die Wahlen in der Bundesrepublik und NRW. Die Grünen gewinnen auch hier in NRW erheblich dazu, weil sie auf Bundesebene 2 scheinbar vorzeigbare Minister haben. Annalena Baerbock und Robert Habeck. Die beiden bekamen vor lauter ungläubigem Kopfschütteln über den Wahlausgang in NRW sogar ein Schleudertrauma. Und die FDP stürzt ab, landet bei knapp über 5%. Was für ein Missgeschick.

Und auch beim MKV wurde gewählt. Ein neuer Geschäftsführer. Dirk Weise, Ex-Prinz und frohgelaunter Tausendsassa war der Auserwählte. Damit ist wenigstens ein Weiser im geschäftsführenden Vorstand, was dem MKV ja auch sehr gut tut.

Sogenannte Fakes oder Fake-News, liebe Karnevalisten, sind gerade in der heutigen Zeit immer willkommene Mittel zur Manipulation der Allgemeinheit. Menschen hören nur die Hälfte, verstehen davon nur ein Viertel und tratschen das Doppelte weiter. Ausrechnen könnt Ihr das selbst.

Auch im Karneval trifft man inzwischen auf solche. Ich habe mal mehrere unterjährig für Euch gesammelt.

►Es stimmt nicht, dass das letztjährig proklamierte Kinderprinzenpaar wegen Corona die Möglichkeit gehabt hätte, während ihrer Amtszeit volljährig zu werden und automatisch das „große Prinzenpaar wird“

►Es stimmt nicht, dass sich das gestern proklamierte Prinzenpaar Stefan und Bianca Zimmermanns aufgrund zu langer Zeitspanne entschieden hatte, nicht mehr proklamiert zu werden und sich quasi, allein schon von Beruf wegen, selbst entsorgen wollte. (Fa. Zimmermanns Entsorgung)

►Es stimmt nicht, dass die Karnevalswagen aus der Wagenbauhalle des Remé Geländes in den Innenhof des Rathauses Abtei gestellt werden sollen, bis das neue Rathaus in Rheydt fertig ist und die Wagen dort ihren neuen Platz bekommen.

►Es stimmt übrigens auch nicht, dass Robert Habeck die Preise für Gemüsezwiebeln gedeckelt hat – um die Gasversorgung zu sichern.

►Die Kreuzherren haben in der Volksbank bei der Kreuzritterproklamation übrigens den Preis für das Freibier nicht erhöht! Eine sehr gute Nachricht.

►Das hängt wahrscheinlich auch mit dem zu proklamierenden Kreuzritter, Pfarrerin von Beruf und Berufung, zusammen. Denn: Hopfen und Malz – Gott erhalt`s. Und beim Freibier ist der sparsame Schwabe oder Schwäbin natürlich auch gerne dabei.

►Fake ist auch, dass in der evangelischen Kirche in Wickrathberg der „Wurm“ drin ist. Der Wurm ist nur im Gebälk der Kirche, weshalb es saniert werden muss.

►Fake ist auch, dass die evangelischen Gläubigen aus Wickrathberg den Katholiken die Schuld für den Missstand im Gebälk geben, haben diese doch damals den jetzt maroden Balken eingebaut.

►Real ist, dass der Name Esther Gommel /Bindestrich/ Packbier so lang ist, dass die Kreuzherren überlegt haben, statt einem kleinen Namensschildchen direkt ein ganzes Edelstahlband rund um die Stele damit zu gravieren.

Da wir gerade im Thema sind, wollen wir nun auch zur Tat schreiten. Oder auf schwäbisch g`schwätzt: Jetzetle!!

Dann bat Enzenmüller die Pfarrerin Esther Gommel-Packbier zu sich, damit sie persönlich die Stele enthüllen und genau kontrollieren konnte, ob der Name auch richtig eingraviert wurde. Bei der Enthüllung spielte das Reitercorps einen entsprechenden Tusch.

Zurück in der Volksbank, die seit vielen Jahren Gastgeber dieser Veranstaltung ist, begrüßte der 1. Vorsitzende Stefan Schmitz die Gäste zum 38. Kreuzritterschlag.

Als erstes begrüßte er als wichtigste Person des heutigen Tages, Esther Gommel-Packbier, die natürlich ihren Mann Erik und ihre Söhne Jan und Tristan mitgebracht hatte. Herzlich willkommen! Esther hat, wie alle Kreuzritter vor ihr, viele Freunde und Verwandte eingeladen, auch ihnen ein herzliches Willkommen!

Weiter ging sein Gruß an die anwesenden Politiker aus Bund, Land und Stadt sowie die ortsansässigen Vereine und alle Karnevalsgesellschaften.

Sein Dank ging an die Filialleiterin der Volksbank Wickrath, Ute Paulußen und an den Vorstand der Volksbank Franz Meurers für die Ausrichtung dieser Veranstaltung.

Weiter begrüßte er das amtierende Prinzenpaar der Stadt Mönchengladbach Prinz Stefan I und Niersia Bianca mit dem Hofmarschall Christian Ernst und den Adjutanten Dieter Lichtenhahn und Rainer Böhm.

Auch war er erfreut, dass das Kinderprinzenpaar Prinz Marlon I mit seiner Prinzessin Lea I der Einladung ebenfalls gefolgt war. Sie wurden begleitet von ihrem Adjutanten Louis und dem Hofmarschall Hajo Hering. Für dieses Gespann war es der zweite Auftritt beim Kreuzritterschlag aufgrund der Pandemie.

Auch der MKV mit dem Vorsitzenden Gert Kartheuser, dem Geschäftsführer Dirk Weise sowie dem Adjutanten Peter Schröter war vertreten.

Dann bat Schmitz Franz Meurers als Vorstandmitglied und Hausherr der Volksbank, ein paar Worte an die Gäste zu richten. Zuvor bedankte er sich noch einmal ausdrücklich bei diesem und der Volksbank Mönchengladbach, dass die Gesellschaft in jedem Jahr mit dieser einen so unkomplizierten und kompetenten Partner an ihrer Seite hat und die Veranstaltung hier durchgeführt werden darf. Dafür erhielt Meurers den diesjährigen Sessionsorden.

Meurers ergriff das Wort und hieß alle Gäste als Hausherr recht herzlich willkommen und fand wunderschön, dass alle dieser Einladung gefolgt waren. Man hatte ihm aufgetragen, seine Rede kurz zu halten, was er auch versuchte. Aber eines wollte er noch quitt werden. Von seinem Pult aus sah er den auf dem Boden liegenden Teppich, den er vor ca.11 Jahren mitgeplant hatte. Aber dabei hatte er bemerkt, dass dieser in die Jahre gekommen sei und es müsse ein neuer Teppich her. Vielleicht könnte man daraus einen Haftpflichtschaden machen, wenn der Oberbürgermeister beim Ritterschlag nicht aufpasst und Blut fließt.

Dann erfolgte die mit Spannung erwartete Laudatio von Norbert Spieker. Dieser zog unter den Klängen des Liedes „Halleluja“ als evangelischer Pfarrer im Talar, begleitet von zwei Mariechen der Gesellschaft, zu seinem Rednerpult.

Nach seiner Begrüßung führte er aus, dass mit dem neuen Kreuzritter erst die 3. Frau in die Ritterrunde aufgenommen wird. Er dachte an das Pressebild vor der Wickrathberger Kirche, denn Engel auf Erden brauchen immer etwas länger für ein Foto-Shooting. Eine Haarsträhne hier, eine Haarsträhne dort, denn der Wind spielte nicht mit. Doch der Küster Daniel Reich war immer im Einsatz und wuchs über sich hinaus. Auch stimmte die Fußstellung nicht, was wiederum korrigiert werden musste.

Bei seinem Besuch bei dem zukünftigen Kreuzritter lernte Spieker die Familie kennen und erfuhr so einiges aus deren Leben.

Sie wurde 1969 in Vaihingen im Schwabenland geboren und zwar in der Nähe des Klosters Maul-Bronn. Ob das schon ein Omen für ihre spätere Berufung war?

Ihre Eltern unterhielten einen Bauernhof und sie wuchs mit 2 Geschwistern auf. So lernte sie dann beim Polterabend ihrer späteren Schwägerin ihren Mann Erik Packbier kennen und lieben und heirateten 2002. Heute leben sie auf ihrem Hof in Holz, den ihr Mann als selbständiger Landwirt neben seiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Ratsmitglied im Stadtrat von Jüchen, bewirtschaftet. Die beiden Söhne Jan und Tristan komplettieren jetzt die Familie.

Ihr beruflicher Werdegang sah so aus: nach der Grundschule und der Realschule absolvierte sie eine Ausbildung als medizinisch technische Radiologie-Assistentin, arbeitete in Basel und lernte dort die inneren Werte des Menschen sichtbar zu machen. Sie holte ihr Abitur nach und studierte an verschiedenen Universitäten Theologie.

Nach ihrer 5-jährigen Anstellung in der Ev. Hauptkirche in Rheydt bewarb sie sich dann bei der Kirchengemeinde Wickrathberg und wurde im Juni 2011 unter 36 Bewerbern dort ausgewählt. Aufgrund ihres positiven Standings in der Gemeinde, was sich im Zuspruch, Unterstützung und Hilfsbereitschaft widerspiegelt, ist ihr in wenigen Jahren eine heutzutage selten gewordene Form von Miteinander, Füreinander, ja von gelebter Menschlichkeit gelungen.

Untermalt wurde dieser Beitrag von dem Lied „Ein Stern, der deinen Namen trägt“.

Weiter führte Spieker aus, dass der Name Esther aus dem Hebräischen kommt und so viel heißt wie „Stern“. Er definierte das Wort Esther so: E für Eine, S für starke, T für Teamplayerin, H für Herz, E für Empathie und R für Rückgrat.

Heimat und Brauchtum liegen ihr sehr am Herzen. Auch wenn sie nicht Vorsitzende eines Vereins, König oder Karnevalsprinz war, bei ihr sind alle willkommen. In vielen Vereinen ist sie aktiv tätig oder bringt ihren Erfahrungsschatz ein. So begleitet sie das Vereinsleben auf eine andere Art und Weise. Hier wurde dann das Lied „Heimat es jo nit bloß e Woot nur“. Heimat ist für sie da, wo sie und ihre Mitmenschen glücklich sind und zwar ein Leben lang.

Dass ein Friedhof nicht nur ein Ort der Trauer, sondern auch der Hoffnung und der Kommunikation sein kann, hat Esther durch ihre Initiative bewiesen. Diesen Ort ließ sie wieder aufblühen und aufleben und zwar in der Form, dass dort auf der Obstwiese wieder Apfelbäume angepflanzt wurden.

Ihr Hobby zu leben bedeutet, fremde Länder, fremdes Brauchtum, fremde Völker und auch fremde Speisen kennenzulernen. Bei ihrer Kreuzfahrt im Mittelmeer mit ihrem Ehemann schossen ihr beim Anblick der Akropolis Gedanken bezüglich des Wickrathberger Kirchturms durch den Kopf. Das Schicksal des griechischen Monuments darf er nicht erleiden. Deshalb fiel ihr der Abschied auch so schwer.

Sie hat viele Städte und Länder besucht, aber die hiesigen Traditionen zogen sie immer wieder zurück in ihrer Heimat nach Wickrathberg.

Bei dem eingespielten Lied „Akropolis adieu, ich muss gehen“ überreichte man Esther eine weiße Rose.

Seit Mai 2022 ist nun bekannt, dass eine Pfarrerin in die Runde der Kreuzritter kommt. Um dieses zusätzliche Amt ausführen zu können, kann sie sich voll auf ihren Mann Erik und die beiden Söhne Jan und Tristan verlassen, die ihr in jeder Beziehung den Rücken stärken.

Nach dieser wieder von Norbert Spieker hervorragenden Laudatio ging Esther Gommel-Packbier spontan zu ihm, umarmte ihn und dankte für seine wunderbaren Worte.

Jetzt wurde es ernst. Doch bevor es dazu kam, begrüßte Oberbürgermeister Felix Heinrichs alle Narren und Närrinnen sowie das Prinzenpaar und das Kinderprinzenpaar. Er sprach Spieker ein Lob aus für die Laudatio, die dieser mit viel Mühe, entsprechender Choreographie und Musik zusammengestellt habe.

Heinrichs war froh einmal auf eine Person getroffen zu sein, die auf seiner Augenhöhe ist. Denn im letzten Jahr beim Ritterschlag war Michael Schmitz, trotz seines Kniens immer noch größer als er und gestern bei der Prinzenproklamation musste er sogar auf eine kleine Leiter steigen, um dem Prinz die Mütze aufzusetzen.

An Meurers gewandt meinte er, bezüglich der Rechnung des blutigen Teppichs hier in der Bank sprechen wir nachher und an Esther richtete er die Worte, dass er ihr hier das zweite Mal begegne, denn das erste Zusammenkommen war auf dem Friedhof in Wickrathberg anlässlich des Jubiläums.

Dann kniete Esther nieder, um den Ritterschlag durch den Oberbürgermeister Felix Heinrichs zu erhalten. Durch diesen Ritterschlag wurde sie nun offiziell der 38. Kreuzritter der KG Die Kreuzherren. Falls es bei diesem Procedere Probleme gegeben hätte, hätten die Haare von Esther jegliche Schnittwunde verdeckt.

Damit sie nun auch zur Gruppe der Kreuzritter gehörte, erhielt sie den Kreuzritter-Orden, den Anstecker, das Schiffchen, den Orden der Gesellschaft sowie die Ernennungsurkunde.

Ihre Dankesrede begann sie mit den Worten „Leev Lüüt“, was ihr sichtlich Spaß machte, einmal Dialekt zu sprechen. Für sie war es ein unglaubliches Gefühl am Rednerpult zu stehen. Bei der Laudatio hatte nicht nur sie feuchte Augen, sondern auch viele andere hier in der Runde. Sie erklärte, wie man als Pfarrerin zum Kreuzritter wird. Als sie von einem Auswärtstermin nach Hause kam, hatte sie einen Anruf von Norbert Spieker der bat, dass sie einmal zurückrufe, was sie auch tat.

Dieser musste dann aber zuerst in sein Arbeitszimmer und sagte ihr dann etwas, womit sie niemals gerechnet hatte. Er erklärte ihr, dass sie zum 38. Kreuzritter gewählt worden sei. Zunächst war sie sprachlos, aber dann kam die Freude auf, dass sie als Frau die Ehre erhalten hatte in diese Gemeinschaft aufgenommen zu werden. Als Schlusswort versprach sie, alle Kraft weiter einzusetzen für die Heimat.

Nach diesen Worten erfolgte die Gratulationskur, die kein Ende nehmen wollte und dann ging ein wunderschöner Nachmittag mit Schnittchen und kühlen Getränken zu Ende.

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