Der Aachener Kurpark bebte, als Nico Santos am Mittwochabend die Bühne betrat. Noch bevor der erste Akkord verklungen war, brandete Jubel auf, der die Atmosphäre wie eine Welle trug. Unter dem bewölkten Himmel eines Sommerabends feierte das Publikum eine Premiere bei den Kurpark Classix.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler und Fotografin Sabine Jandeleit
Kunst & Kultur – Begleitet von einer sechsköpfigen Band legte Santos eine Show hin, die so vielfältig war wie seine musikalische Handschrift. „Human Being“ und „Ray of Light“ sorgten für den Takt der den Abend vorgab: kraftvoll, leidenschaftlich, elektrisierend. Die Menge tanzte, klatschte, sang, als ein Hit den nächsten jagte. Von „Rooftop“ über „Play with Fire“ bis hin zu „Safe“ wurden die großen Hymnen des Sängers von tausenden Kehlen mitgetragen. Stimmungsvolle Lichtspiele und treibende Beats machten die Bühne zum pulsierenden Herzschlag des Kurparks.
Doch zwischen all der Energie fanden sich auch Augenblicke der Intimität: Wenn Santos mit Songs seines deutschsprachigen Alter Egos SANTOS wie „Geschlossene Augen“ oder „Die Sonne“ leise Töne anschlug, legte sich ein stiller Zauber über das Publikum. Plötzlich war da nur noch seine Stimme, die Geschichten erzählte – ehrlich, nahbar, berührend.

Dass Nico Santos die Massen bewegen kann, hat seine Wurzeln in einer Lebensgeschichte, die selbst schon fast wie ein Song klingt. 1993 in Bremen als Nico Wellenbrink geboren, zog er mit seiner Familie schon bald nach Mallorca. Musik war allgegenwärtig: Seine Eltern spielten selbst in Bands, im heimischen Studio nahm er als Kind Hörspiel-Songs auf, lernte früh Klavier, Gesang und Tanz.
Nach ersten Versuchen als Songwriter und Produzent gelang ihm 2016 mit dem Hit „Home“ (gemeinsam mit Topic) der internationale Durchbruch. Spätestens seit „Rooftop“ kennt man seinen Namen auch in Deutschland – ein Song, der längst zum Evergreen geworden ist. Weitere Hits wie „Safe“, „Better“ (mit Lena Meyer-Landrut) oder „Play with Fire“ festigten seinen Status als einer der erfolgreichsten deutschen Popkünstler.
Parallel schrieb er Songs für andere: Mark Forsters „Wir sind groß“, Helene Fischers „Achterbahn“, mehrere Titel für Bushido und Shindy – eine beeindruckende Palette, die ihn auch als Produzenten und Komponisten auszeichnet. Heute blickt er auf mehr als eine Milliarde Streams weltweit und eine Karriere, die international Strahlkraft besitzt.

Bei aller Größe bleibt Santos ein Künstler, der Bodenhaftung bewahrt. 2022 heiratete er seine langjährige Partnerin Aileen, 2024 wurde er Vater – Erfahrungen, die seiner Musik eine neue Tiefe geben. Auf der Bühne strahlt er diesen Mix aus Professionalität und Bodenständigkeit aus: ein Superstar zum Anfassen, dem es gelingt, jede einzelne Person im Publikum mitzunehmen.
Als die letzten Töne verklangen und Santos sich mit einem strahlenden Lächeln verabschiedete, blieb ein Gefühl zurück, das sich nur schwer in Worte fassen lässt: die Leichtigkeit eines Sommerabends, das Glück, Teil eines unvergesslichen Moments gewesen zu sein – und die Gewissheit, dass dieser Künstler noch lange nicht an seinem Zenit angekommen ist. (sk)





