„Ramm die Bamm“ – Der Roahser Notburgasaal war im jecken Ausnahmezustand

Der Kinderkarneval pulsierte am Sonntag im Roahser Gürzenich … dem Notburgasaal: bunt, laut, herzlich und voller Energie. Der Förderverein Kinderkarneval der KG Roahser Jonges 1936 e. V. hatte eingeladen – und der Saal wurde zum brodelnden Zentrum der jecken Jugend.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler und Martin Häming

Viersche-Roahser – Schon lange vor Beginn füllten sich die Reihen im Rahser mit kleinen Piraten, Prinzessinnen, Superhelden und Clowns, flankiert von ebenso gut gelaunten Eltern, Großeltern und karnevalistischen Wegbegleitern. Hier pulsierte der Nachwuchskarneval, während in der Vierscher Festhalle die „Großen“ beim Frühschoppen der Grossen Viersener Karnevalsgesellschaft ihre ganz eigene Party feierten.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Wirklich, wer noch nie bei einer Kindersitzung im Roahser war, der hat wirklich ein wunderbares, jeckes Puzzlestück des rheinischen Brauchtums verpasst. Kaum war der Einzug gestartet, schwappte die Stimmung wie eine Welle durch den Raum. „Ramm die Bamm“ schallte es aus vielen Kehlen, begleitet vom Rahser Büttenmarsch, der sich kraftvoll durch den Saal zog und selbst die letzte Ecke erreichte. Auf der Bühne standen mit sichtlicher Freude Maike Gütjens und Michael Schiffer, die als Sitzungspräsidenten souverän, charmant und mit spürbarer Routine durch das Programm führten. Ihre Begrüßung wirkte leicht, herzlich und ganz selbstverständlich – als hätten sie nie etwas anderes gemacht, als einen Saal voller Jecken zu dirigieren.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Im Zentrum des Nachmittags stand das amtierende Viersener Kinderprinzenpaar: Moritz I. und Caro I. (Funk). Schon ihr Auftritt ließ den Saal aufleuchten. Als sie gemeinsam die Bühne betraten, huschte ein Lächeln über unzählige Gesichter. Die beiden Geschwister strahlten diese besondere Mischung aus Stolz, Freude und kindlicher Unbeschwertheit aus, die den Kinderkarneval so einzigartig macht. Moritz und Carolin sind tief im karnevalistischen Leben verwurzelt, aufgewachsen in einer Familie, in der Vereinsleben und Brauchtum fest zum Alltag gehören. Bei den Roahser Jonges haben sie ihre Liebe zum Karneval entdeckt und über Jahre gepflegt.

Moritz, Schüler am Erasmus-von-Rotterdam-Gymnasium, ist aktives Mitglied der Prinzengarde. Auf der Bühne zeigte sich genau das, was ihn dort auszeichnet: Disziplin, Haltung und ein schelmisches Augenzwinkern, das verriet, wie sehr er diesen Moment genoss. Seine Schwester Carolin, welche die Anne-Frank-Gesamtschule besucht, lebt den Karneval tänzerisch. Seit ihrer Zeit bei den Minis ist sie Teil der Dance Kids und brachte mit ihrer Präsenz und Ausstrahlung die Bühne sichtbar zum Beben. Gemeinsam bildeten sie ein eingespieltes Team, das den Viersener Kinderkarneval in dieser Session mit Herz, Humor und Heimatverbundenheit prägt.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Nach dem fröhlichen Ausmarsch der Kinder änderte sich das Bild auf der Bühne – und doch blieb die Energie erhalten. Mit federndem Schritt erschien der Hoppereiter und brachte eine ganz eigene Farbe in den Nachmittag. Seine Rede war ein wahres Feuerwerk aus Pointen, kleinen Alltagsbeobachtungen und rheinischem Wortwitz. Mit lausbübischem Lächeln und viel Gespür für sein junges Publikum ließ er den Saal immer wieder in Gelächter ausbrechen. Warmherzig, frech und authentisch – genau so, wie Karneval sein muss.

Auch die großen närrischen Regenten gaben sich die Ehre. Das Viersener Prinzenpaar Wolfgang III. und Estefania I. hatte den Weg von der Festhallenbühne ins Rahser gefunden. Mit ihrem Sessionsmotto „Verliebt en oser Viersche“ im Gepäck nahmen sich Zeit für die Kinder und zeigten, dass Karneval Generationen verbindet. Ebenso viel Applaus erhielt die kleine Rahser Garde, die mit präzisen Schritten und sichtlicher Konzentration bewies, dass ein Stippeföttches-Tanz im vollen Ornat alles andere als selbstverständlich ist.

Musikalisch hielt Roland Zetzen die Fäden zusammen. Der Allround-Musiker hatte offensichtlich große Freude daran, das Publikum mitzunehmen. Mit einem Augenzwinkern, flotten Rhythmen und viel Interaktion brachte er Kinder wie Erwachsene immer wieder zum Mitsingen, Klatschen und Tanzen. Der Schalk saß ihm dabei sichtbar im Nacken.

Der Notburgasaal wurde an diesem Nachmittag zur närrischen Begegnungsstätte der Tollitäten. Neben dem Viersener Kinderprinzenpaar waren auch das Süchtelner Kinderprinzenpaar mit der Tanzgarde der Brook Müerkes, das Dülkener Kinderprinzenpaar sowie das Boisheimer Kinder-Dreigestirn vertreten. Besonders emotional wurde es, als klar wurde, dass Prinzessin Lina I. aus Boisheim an diesem Tag Geburtstag hatte – ein Geburtstag, der mit so vielen närrischen Herrschern auf der Bühne sicherlich einzigartig bleiben wird.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Den unverwechselbaren Stempel der Veranstaltung setzten schließlich die heimischen Kräfte der Roahser Jonges. Mit Tänzen, Spielen, Sketchen und Wortbeiträgen gaben sie der Kinderkarnevalsparty ihren ganz eigenen Charakter. Das Kinderprinzenpaar Moritz I. und Caro I. kehrte noch einmal mit einem funkigen Auftritt zurück und riss den Saal erneut mit. Für Lachsalven sorgten Hannes und Leopold von Löwenstein ebenso wie Die Twins, während Mitmachlieder die Kinder direkt ins Geschehen einbanden.

Das Programm blieb in Bewegung: Auf der Bühne begeisterte das Mariechen, Lenny und Cilian punkteten mit humorvollen Redebeiträgen, Gina-Jolie glänzte zunächst mit Gesang und später mit einem ausdrucksstarken Solotanz. Die Prinzengarde zeigte noch einmal ihr Können, ehe sich eine riesige Polonäse aus Kindern durch den Saal schlängelte. Ein weiterer Sketch, der Auftritt der Roahser Funken und das gemeinsame Finale ließen den Nachmittag in einem bunten karnevalistischen Medley ausklingen … Moment, wir haben da doch noch einen Insider … Nach der Veranstaltung hat Prinzessin Caro I. zusammen mit dem Kinder-Dreigestirn Kuchen genascht, den sie extra für Prinzessin Lina I. gebacken hat. (sk)

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming