Das Fachwerk knarrt, die Balken erzählen Geschichten – und doch wirkt alles frisch und neu: Mit einem feierlichen Abend wurde das Heimatmuseum Süchteln im traditionsreichen Jakobsgut an der Propsteistraße nach umfassender Renovierung wieder eröffnet.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker, Rita Stertz und Martin Häming
Viersen-Süchteln – Schon beim Betreten des frisch hergerichteten Jakobsgutes war die besondere Atmosphäre zu spüren: Neugierige Blicke wanderten über die altehrwürdigen Fachwerkwände, erwartungsvolle Gespräche erfüllten die Räume und ein Hauch von Stolz lag in der Luft. Viele Gäste ließen es sich nicht nehmen zu den Ersten zu gehören, die das „alte neue“ Heimatmuseum erleben durften. Was sie fanden, war mehr als eine Ausstellung – es war ein Stück Süchtelner Identität, lebendig ins Heute getragen.

Die Wurzeln des Museums reichen bis ins Jahr 1928 zurück. Damals begann eine kleine Initiative engagierter Süchtelner, Alltagsgegenstände, Handwerksgeräte und Erinnerungsstücke aus ihrer Heimat zu sammeln. Schon ein Jahr später öffnete das erste Heimatmuseum der damals noch selbständigen Stadt seine Pforten – getragen von Schenkungen aus der Bürgerschaft. Über die Jahrzehnte wuchs die Sammlung zu einem Schatz heran, der bis heute unverzichtbarer Teil des kulturellen Gedächtnisses Süchtelns ist.
Wer das Jakobsgut heute betritt, begibt sich auf eine Reise in vergangene Jahrhunderte. Zu sehen sind ein historischer Samtwebstuhl und Geräte der Textilverarbeitung, Werkzeuge des Handwerks, sakrale Objekte sowie bäuerliche und bürgerliche Wohnkultur aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Besonders ins Auge fallen die Gemälde einer bekannten Süchtelner Malerfamilie und das detailreiche Stadtmodell, das eindrucksvoll zeigt, wie Süchteln einst aussah.

Doch so wertvoll die Exponate sind – den Verantwortlichen des Heimat- und Verschönerungsvereins war klar: Ein modernes Heimatmuseum darf nicht bloß Gegenstände nebeneinanderreihen. Es muss Geschichten erzählen. Geschichten von den Menschen, die in Süchteln lebten, arbeiteten und ihre Stadt prägten. Geschichten, die Heimat erfahrbar machen und Brücken zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlagen.
Deshalb wurden die Bestände sorgfältig gesichtet, neu geordnet und unter thematischen Gesichtspunkten aufbereitet. Begleitet wird die Ausstellung nun von einem maßgeschneiderten Leit- und Informationssystem im neuen Corporate Design. Klare Orientierung, prägnante Texte und anschauliche Darstellungen sorgen dafür, dass auch auf kleinem Raum ein echter Erkenntnisgewinn entsteht.

Die Neuaufstellung richtet sich bewusst nicht nur an Geschichtsinteressierte. Angesprochen werden sollen alle Menschen – von Schülerinnen und Schülern über Heimatforscherinnen bis hin zu Familien, die ihre Stadt besser kennenlernen wollen. Künftig soll das Museum darüber hinaus noch stärker auf multimediale Angebote setzen: Videos, digitale Präsentationen und inklusive Formate sollen ein Museumsbesuchserlebnis mit allen Sinnen ermöglichen. „Heimat ist nicht statisch. Sie lebt von Erinnerungen, Erfahrungen und Geschichten – und davon, dass wir sie immer wieder neu entdecken“, so fasste ein Mitglied des Vereins die Motivation hinter der Neugestaltung zusammen.
Auch wenn einige multimediale Erweiterungen noch in der Planung sind: Schon jetzt können Besucherinnen und Besucher im neuen Museum erste audiovisuelle Eindrücke gewinnen. Damit schlägt Süchteln den Bogen zwischen Tradition und Moderne – und zeigt, dass Heimat nicht verstaubt, sondern lebendig bleibt.
Zum Auftakt öffnet das Museum im Rahmen des Irmgardisfestes am 6. und 7. September 2025 jeweils von 13 bis 18 Uhr seine Türen – also gleich hin da. Erwartet werden viele Gäste aus Viersen und Umgebung, die die Gelegenheit nutzen das historische Fachwerkhaus neu zu erleben. Damit ist klar: Das Heimatmuseum Süchteln wird auch künftig nicht nur bewahren, sondern begeistern. (nb)





