Mit der Mallorca-Party am Freitagabend ist die St. Georg Schützenbruderschaft Dülken Waldnieler Straße e.V. glanzvoll in ihr 125-jähriges Jubiläumswochenende gestartet. Im Festzelt am RWE feierten Hunderte ausgelassen – und huldigten nicht nur dem Partyschlager, sondern auch einer tief verwurzelten Gemeinschaft, deren Geschichte weit ins Jahr 1900 zurückreicht.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler und Martin Häming
Viersen-Dülken – Was einst mit 24 Männern begann, die sich dem Schießsport und der Pflege von Eintracht, Geselligkeit und Frohsinn verschrieben hatten, lebt am gestrigen Abend in beeindruckender Weise weiter – nur eben mit einem modernen Beat, jeder Menge Gemeinschaft und der wohl größten Partymeile Mallorcas als musikalischer Inspirationsquelle. Wo sonst das Klirren der Bierkrüge mit Marschmusik untermalt wird, hallten Bässe und Refrains aus dem ausverkauften Zelt, die jedes Playa-Herz höherschlagen ließen.

Gleich fünf Größen der Partyschlager-Szene gaben sich die Ehre: Die Formation Koelnkalk Verbot brachte mit ihrer unkonventionellen Mischung aus Kölscher Lebensfreude und Malle-Attitüde das Publikum früh zum Kochen. Mit dabei auch Honk! – bürgerlich Jürgen Kadel. Mit seinem unverkennbaren Stil, der seit den Tagen von Finger & Kadel für ausgelassene Feierstimmung sorgt, zeigte er eindrucksvoll, dass Party keine Altersfrage ist.

Als strahlendes Ende des Abends erwies sich Isi Glück, die Schönheitskönigin aus Elmshorn, die längst zur Stammkünstlerin auf der Sonneninsel avanciert ist. Ihre Hits wie „Wir sind Mallorca“ oder „Ich will zurück zu mir“ brachten das Zelt endgültig zum Beben. Inmitten blinkender Lichter und kollektiver Chöre wurde deutlich: Hier wird nicht nur gefeiert – hier wird gelebt.

Deejay Biene, der in über 2.000 Nächten im legendären Bierkönig das DJ-Pult beherrschte, bewies auch in Dülken, dass er das richtige Gespür für seine Crowd besitzt. Nahtlos mixten sich Klassiker mit aktuellen Sommerhits, während das Zelt förmlich pulsierte, denn auch Shootingstar Balu gab sich die Ehre. Mit seiner Single „Meer aus Bier“ und einer Performance voller Energie schloss sich der Kreis: Ein Lokalmatador auf der Bühne, gefeiert von einer Bruderschaft, deren Herz für Heimat und Zusammenhalt schlägt.

Doch so modern und bunt dieser Abend auch schien – er war tief verwurzelt in einer langen, bewegten Vereinsgeschichte. Seit dem 28. Juni 1900 existiert der Verein, der damals als „Schützenverein der Waldnieler Straße“ gegründet wurde. Schon in den Anfangsjahren prägten kameradschaftliches Miteinander und religiöse Verbundenheit das Vereinsleben. Mit der Fahnenweihe im Jahr 1904 und der Widmung an den heiligen Georg wurde ein Zeichen gesetzt – ein Zeichen für Standhaftigkeit, Gemeinschaft und christliche Werte.

Dunkle Zeiten durchlebte die Bruderschaft während des Nationalsozialismus, als sie – wie viele Vereine – „gleichgeschaltet“ und unter staatliche Kontrolle gestellt wurde. Doch auch diese Epoche überstand der Verein und fand nach dem Zweiten Weltkrieg zu neuer Stärke zurück. 1948 trafen sich die Mitglieder erneut im Schützenhof, um dem Verein einen neuen Namen und eine neue Ausrichtung zu geben. Aus dem Schützenverein wurde die St. Georg Schützenbruderschaft Dülken Waldnielerstraße, ein Name, der bis heute für Treue zur Tradition und Offenheit für die Gegenwart steht.

Diese Offenheit zeigte sich gestern Abend eindrucksvoll: Aus einem Traditionsverein wurde für eine Nacht ein Epizentrum ausgelassener Feierfreude – ohne seine Wurzeln zu vergessen. 125 Jahre nach der Gründung vereint die Bruderschaft mehr denn je Alt und Jung, Heimatverbundene und Zugezogene, Marschliebhaber und Mallorcaliebende. So war dieser Auftakt nicht nur der Beginn eines Jubiläumswochenendes, sondern auch ein Bekenntnis: zur Geschichte, zur Gemeinschaft – und zur Freude am Leben. (sk)





