Vom Eck her: Alkoholverbot mit Durststrecke

Seit 2018 darf man im Staudengarten, Lyzeumsgarten und rund um die Kreuzkirche offiziell keinen Alkohol trinken. Klingt nach Ordnung, riecht aber oft nach was anderem.
Das Vierscher Versehen – Glosse von Jupp van’t Eck

Viersen – Also ich sach euch: Wenn in Viersche einer was verbietet, dann is das ungefähr so, als würdste dem Kalle beim Frühschoppen sagen: „Nur noch Malzbier, ne?“ – der hört kurz zu, nickt … und bestellt direkt doppelt.

Seit 2018 haben wir Alkoholverbotszonen – und aktuell auch erstmal noch bis Ende 2026. Schön und gut. In echt sieht’s so aus: Lyzeumsgarten, Staudengarten, Parkplatz an der Hauptstraße. Offiziell trocken, praktisch feucht durchtränkt. Wer da sonntags mittags durchläuft, denkt nicht an Verordnung, eher an eine Mischung aus Bahnhofskneipe und öffentlichem Bedürfnisanstalt-Experiment – eben Freiluftkneipe mit integriertem Urinal. Ich weiß das, ich hab den Gestank mit Sommerhitze nämlich ertragen beim letzten Sonntagsspaziergang. Is halt alles da: Sitzplätze, Unterhaltung, manchmal sogar Live-Musik (okay, eher lallend als singend).

Die Stadt sagt: „Der Kommunale Ordnungsdienst kontrolliert regelmäßig.“
Ich glaub das ja. Aber vielleicht kontrollieren die mehr das Wetter als die Leute. Weil sonst würd ich mich schon fragen: Wieso riecht der Staudengarten nach Samstagabend in der Altstadt, wenn doch keiner was trinkt? Weil wenn da jemand angeblich „regelmäßig“ auf Streife geht, dann kann ich nur sagen: entweder riecht der nix – oder der trägt Atemschutz.

Oder wie der Theo letztens meinte: „Das Verbot wirkt super. Seitdem weiß ich, wo ich hingehen muss, wenn ich mal ’ne Flasche sehen will.“

Klar, die Begründung is ernst: Gewalt, Lärm, Müll, Leute, die meinen, Hecke sei Toilette. Alles unschön, keine Frage. Aber ’n Verbot ohne Wirkung is ungefähr so nützlich wie ’ne Parkuhr ohne Münzeinwurf. Steht da, nervt, aber macht nix. Und mal ehrlich: Die Szene, die da seit Jahren ihr Stelldichein hat und sich nur wenig verändert hat, schert sich doch genauso viel um die Verordnung wie ich um Diätpläne.

Mal ehrlich:
Diese Zonen sind immer noch Angstraum und … die sind längst Comedy pur. Viele Senioren meiden den Weg, Anwohner beklagen sich über die Notdurft.

Mein Lösungsvorschlag?
Nicht weichspülen, sondern mal konsequent durchgreifen:

  • Kamera hin, Namen aufschreiben, Rechnung nach Hause (ach ne, da war ja was mit Datenschutz).
  • Oder gleich ’nen Eintrittskassenhäuschen aufstellen: „Willkommen im Lyzeumsgarten – Eintritt zwei Euro, Bier selbst mitbringen.“
  • Oder, noch ehrlicher: Wir nennen das Ganze offiziell um. „Vierscher Freiluftkneipe mit Open-Air-Klo“ – dann weiß wenigstens jeder, was ihn erwartet.

Aber so, wie’s jetzt läuft, is das nix Halbes und nix Ganzes. Alkoholverbot mit Dauertrunkenheit – das is wie Tempolimit 50 bei illegalen Straßenrennen. Auf’m Papier schön, auf der Straße Quatsch.

Prost Mahlzeit, Viersche.

Euer
Jupp van’t Eck

Foto: Rheinischer Spiegel