2013 versprach man uns das neue Herz der Südstadt. 2025 schauen wir drauf – und sehen ein Hühnerauge. Eins, das drückt, richtig teuer war und trotzdem niemand so richtig haben will.
Das Vierscher Versehen – Glosse von Jupp van’t Eck
Viersen – Wisst ihr noch? Damals hieß es: „Der Gereonsplatz wird die Perle im Süden der Innenstadt.“ Tja, zehn Jahre später sieht die „Perle“ eher aus wie eine Kiesgrube mit Poller- und Mülleimerdeko. Für viel, wirklich viel Geld, wurde der Platz runderneuert, heute glänzt da nur eins: die Abwesenheit von Südstadtfeeling, Laufkundschaft oder Einkaufserlebnis.
Also ich sach’s euch: Wenn man Geld verbuddelt, wächst normalerweise nix. Am Gereonsplatz hat die Stadt das Gegenteil bewiesen – da is höchstens ’n Katzenklo gewachsen. Damals war das große Ziel: Gastronomie, Leben, Leute, Südteil retten. Heute? Eher wieder: „Herzlich willkommen im Sandkasten deluxe.“ Weil wer da in Sandalen langläuft, hat hinterher so viel Kies unterm Fuß wie nach ’nem Tag am Stadtstrand. Fehlt nur noch, dass einer ’ne Strandbar aufmacht. Für Schirmchen gäbe es ja Platz genug – allerdings in Pollerform.
Gastronomische Meile?
Ja, genau. Wenn Gastronomie heißt: Kaffee trinken und dabei alle zehn Minuten ’nen Beinahe-Crash bestaunen. Die einseitige Einbahnstraße von der Gereonstraße ist nämlich anscheinend so klein beschildert, dass ich mich frage: Hat das Schild Tarnfarbe? Wer da morgens im Café sitzt, hat quasi Dauer-Actionkino. Kostenlos.
Und der Geldautomat inmitten stylischer Rotunde? Parkplätze gibt’s natürlich keine. Weil selbst für die Anwohner zu wenig da sind. Aber mitten in der Einfahrt Josefstraße parken geht auch. Da steht dann echt ein Wagen, schön quer und man denkt man wäre in einem urbanen Alptraum.
Die Blumenbeete?
Schön gemeint, aber gegen den Gesamteindruck helfen die auch nicht mehr. ’n paar Geranien retten keine Atmosphäre, wenn drumherum mehr Leere herrscht als Stimmung.
Liebe Stadt Viersen:
Die Idee war ja gar nicht schlecht. Aber ’n Platz ist kein Fertighaus. Den kannste nicht einmal hübsch machen und dann sagen: „Fertig, läuft schon.“ Ein Platz lebt nur, wenn man ihn mit Leben füllt. Und „alle paar Jahre mal ’ne Veranstaltung“ is ungefähr so belebend wie ein Kaltgetränk ohne Kohlensäure. Es sei anerkennend bemerkt, dass nach langer Durststrecke am 20. September 2025 von 17 – 23 Uhr auf dem Gereonsplatz ein Dämmerdinner mit Livemusik stattfindet. Allerdings wirkt es nach ein paar Krümeln, damit der Kuchen irgendwo anders genossen werden kann, denn auch diese Idee kam nicht von der Stadt, sondern von dortigen Geschäftsleuten.
Der Gereonsplatz kann mehr, viel mehr, man muss nur wollen und Innenstadtevents nicht immer am Sparkassenvorplatz enden lassen. Am Ende bleibt der Gereonsplatz damit aktuell nicht das „Herz“ der Südstadt, sondern eher ihr teuerstes Hühnerauge – drückt ständig, bringt keinem was, und keiner will’s haben.
Euer
Jupp van’t Eck





