Et is soweit: Morgen ist Wahlsonntag in Viersche und deshalb kütt ich auch schon am Samstag. Morgen gibt’s kein Drücken, kein „Och, ich guck lieber Netflix“ und schon gar kein „Mein Kreuz macht doch eh keinen Unterschied“. Doch! Genau dein Kreuz ist der Unterschied.
Das Vierscher Versehen – Glosse von Jupp van’t Eck
Viersche – Morgen gibt’s die große Viersener Mehrfach-Entscheidung. Und bevor einer wieder anfängt mit „Ach, mein Kreuz bringt doch nix“, sag ich euch eins: Wenn alle so dächten, hätten wir übermorgen am Rathaus nen Automaten stehen – Münze rein, Bürgermeister raus. So läuft Demokratie aber nicht, hier muss jeder mitmachen. Morgen geht’s nicht um ne Bratwurst auf der Kirmes, sondern gleich um vier bis fünf Kreuze. Bürgermeister oder -in, neuer Stadtrat, Landrat oder -in, Kreistag – und für manche sogar der Integrationsausschuss. Das ist quasi ein All-you-can-vote-Buffet. Kurz gesagt: Es wird so viel angekreuzt wie sonst nur bei einem Käsekästchen auf der Rückseite vom Anzeigenblättchen.
Und mal ehrlich: Wer nicht hingeht, darf sich hinterher auch nicht beschweren, wenn die Straße wieder voller Schlaglöcher ist, der Gereonsplatz weiter als Wüstenlandschaft durchgeht und der Pfau am Remigiusbrunnen demnächst auch noch die Müllproblematik symbolisieren muss. Demokratie gibt’s nicht im Lieferabo – man muss schon selber hingehen und was dafür tun.
In Viersche haben wir sechs Kandidaten fürs Rathaus und fünf fürs Landratsamt. Klingt wie ne Fußballmannschaft plus Ersatzbank, ist aber ernst gemeint. Und glaubt mir: Die haben nicht monatelang Plakate aufgehangen, Versprechen verteilt und Hände geschüttelt, nur damit ihr morgen sagt: „Och, lass ma, Wetter is so schön, ich geh lieber Eis essen.“ Eis schmilzt. Entscheidungen bleiben. Und nein, das ist keine neue Staffel von „Deutschland sucht den Super-Bürgermeister“, sondern die ernsthafte Chance, das eigene Lebensumfeld mitzugestalten. Stichwahl gibt’s auch noch – wenn wir uns nicht direkt entscheiden können. Dann also zwei Wochen später dasselbe Spiel nochmal.
Und noch was: Wer morgen nicht hingeht, überlässt das Feld den Lauten, die gerne einfache Parolen brüllen. Rechte und tief linke Strömungen leben genau davon – dass die Anständigen zuhause bleiben. Demokratie heißt eben nicht nur meckern, wenn der Stammtisch grölt, sondern hingehen, das Kreuz machen und zeigen: Viersche gehört den Leuten, die was aufbauen wollen, nicht denen, die alles kaputtschreien.
Und wenn ihr denkt, „Ach, dann meckere ich halt in zwei Jahren über Schlaglöcher, Leerstand und Pollerlandschaft“, dann sag ich: Meckern ohne Wählen is wie Karneval ohne et Bierche – laut, aber sinnlos. Demokratie lebt nicht davon, dass wir klatschen, wenn andere was machen. Sie lebt davon, dass wir uns einmal die Mühe machen, sonntags die Couch zu verlassen und mitm Stift ein paar Kreuze setzen. Dauert fünf Minuten, aber hält fünf Jahre.
Geht wählen! Wer morgen keinen Stift in die Hand nimmt, hat übermorgen kein Recht, den Finger zu heben. So einfach is dat.
Euer
Jupp van’t Eck





