Es war ein Sonntag, wie er schöner kaum sein konnte: Sonne, festliche Klänge und das geschäftige Treiben einer ganzen Gemeinde, die sich am gestrigen Sonntag rund um die Kirche St. Peter versammelte.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler und Martin Häming
Viersen-Bockert – Das traditionelle Gemeindefest im Bockert hat einmal mehr bewiesen, dass es weit mehr ist als ein geselliges Beisammensein – es ist Ausdruck von Zusammenhalt, Glauben und lebendiger Tradition. Natürlich machte den Anfang traditionell eine festliche Messe, die durch die Musikgruppe „Regenbogen“ stimmungsvoll gestaltet wurde. Gemeinsam beten, Gott nah sein, das Brot brechen … Unter den hohen Spitzbogenkreuzgewölben der neugotischen Basilika erklang Musik, die das Kirchenschiff mit Wärme erfüllte. Die Kirche selbst, geweiht im Jahr 1891, blickt auf eine bewegte Geschichte zurück: Sie wurde in einer Zeit gebaut, in der die katholische Gemeinde wuchs und die Gläubigen in Bockert, Hoser und Oberbeberich einen eigenen geistlichen Mittelpunkt suchten.

Nach der Messe strömten die Besucherinnen und Besucher auf den Pastor-Lennartz-Platz, in die Nähe des Josef-Lind-Hauses und zur Bockerter Grotte. Hier entfaltete sich das bunte Treiben, das man schon von weitem hören und riechen konnte. Der Duft von frisch gebackenen Reibekuchen – einer Bockerter Spezialität – mischte sich mit dem Aroma von Gegrilltem. Kaffee, Kuchen und Waffeln lockten nicht nur die Erwachsenen an die Stände. Schnell bildeten sich kleine Schlangen, während in geselliger Runde alte Bekannte ins Gespräch kamen und neue Kontakte geknüpft wurden. „Genau diese Mischung macht es aus“, schwärmte eine Besucherin. „Man fühlt sich hier einfach zu Hause – egal, ob man seit Jahrzehnten zur Gemeinde gehört oder zum ersten Mal vorbeischaut.“
Für die jüngsten Gäste war das Fest ein Paradies. Rund um die Kirche tobten Kinder beim Dosenwerfen und Sackhüpfen, während andere geduldig an Basteltischen Figuren, Schmuck und kleine Kunstwerke schufen. Wobei als Highlight ganz eindeutig das Stockbrotbacken zu nennen ist. Das Lachen der Kinder hallte bis zu den Grotten hinter der Kirche, die den besonderen Charme des Festes mitprägten. Hier, zwischen der Josefsgrotte und der Lourdesgrotte, bot sich ein stiller Rückzugsort, der die Besucher immer wieder zum Verweilen einlud. Errichtet im Jahr 1912 aus Thüringer Grottensteinen und Lüdenscheider Bruchglimmer, beherbergen sie Figuren des heiligen Josef sowie der Madonna mit der heiligen Bernadette. Ergänzt wurde die Lourdesgrotte 1921 durch ein Gefallenendenkmal – ein stiller Ort, an dem die Erinnerung an die Opfer der Weltkriege lebendig bleibt. Während draußen Kinder tobten und Erwachsene plauderten, schenkten diese Grotten jenen, die Ruhe suchten, einen Augenblick der Einkehr.

Dass sich die Gemeinde heute um diese Kirche versammeln kann, ist nicht selbstverständlich. Schon 1868 begannen die Bemühungen, ein eigenes Gotteshaus zu errichten – ein Prozess, der von langen Diskussionen, Grundstücksstreitigkeiten und dem Widerstand benachbarter Gemeinden begleitet war. Erst 1890 konnte der Grundstein gelegt werden. Geplant vom Aachener Baumeister van Kann, entstand eine dreischiffige Backsteinbasilika im neugotischen Stil, die bis heute den Stadtteil prägt. Im Inneren finden sich Spuren der wechselvollen Baugeschichte: von den Fresken des Kreuzwegs, geschaffen 1935, über die Umgestaltungen nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil bis hin zur umfassenden Sanierung in den Jahren 1998/99 durch Architekt Gregor Dewey.

Besonders bemerkenswert ist die harmonische Verbindung von Historie und Moderne: Neben alten Figuren – wie der „Thronenden Madonna mit Kind“ – finden sich zeitgenössische Werke wie das Altarkreuz des Künstlers Anatol Herzfeld (2001) oder die Stele „Lebensbaum“ von Hermann-Josef Gotzen (2007). Auch die neu gestalteten Fenster, die 2010 durch großzügige Spenden ermöglicht wurden, tragen zur besonderen Atmosphäre des Kirchenraums bei. Ihr Farbenspiel erinnert an den Namenspatron Petrus und bringt Licht und Spiritualität in die Basilika.
Dass die Kirche nicht nur ein Denkmal, sondern ein Ort der Begegnung bleibt, zeigte sich beim diesjährigen Gemeindefest eindrucksvoll. „Unsere Kirche ist nicht nur Stein und Glas – sie lebt durch die Menschen, die hier zusammenkommen“, lächelte ein Mitglied der Gemeinde und unterstrich das Gefühl, welches am Sonntag rund um die Kirche wehte. (nb)





