55 Milliarden Gründe: Electronic Arts geht in neue Hände

Ein Paukenschlag erschüttert die Welt der interaktiven Unterhaltung: Electronic Arts, seit Jahrzehnten einer der prägenden Namen der Spieleindustrie, wird für die gewaltige Summe von 55 Milliarden US-Dollar verkauft.
Von RS-Redakteur Dietmar Thelen

Magazin – Ein Konsortium aus dem saudischen Staatsfonds Public Investment Fund (PIF), dem US-Finanzinvestor Silver Lake sowie Affinity Partners – der Investmentgesellschaft von Jared Kushner, Schwiegersohn des US-Präsidenten Donald Trump – übernimmt den traditionsreichen Spielehersteller.

Die Aktionäre von EA, an der Börse bisher unter dem Kürzel NASDAQ: EA notiert, erhalten 210 US-Dollar pro Anteilsschein. Dieser Betrag liegt rund 25 Prozent über dem zuletzt stabilen Kurs von etwa 170 Dollar und übertrifft sogar den früheren Allzeithöchststand von 179 Dollar. Für Anleger bedeutet das einen sofortigen, hohen Gewinn, gleichzeitig aber auch den endgültigen Abschied von möglichen Kurssteigerungen in der Zukunft. Denn nach dem Vollzug der Transaktion wird EA von den Börsen verschwinden und in eine private Gesellschaft überführt.

Die Finanzierungsarchitektur des Deals ist vielschichtig. Rund 20 Milliarden US-Dollar Fremdkapital stellt die Bank JPMorgan bereit. Den Rest stemmen die beteiligten Investoren. PIF bringt zudem seinen bisherigen Anteil von 9,9 Prozent in die neue Gesellschaft ein, anstatt diesen zu veräußern. Damit entsteht ein Investment von seltener Größenordnung, das neue Spielräume für den Konzern eröffnen soll.

Offiziell heißt es, der Rückzug aus den Kapitalmärkten verschaffe dem Unternehmen Freiheit von kurzfristigen Berichtspflichten und ermögliche mutigere Investitionen in Forschung, Entwicklung und Markenpflege. Für die Spielerinnen und Spieler stellt sich jedoch die Frage, ob und wie sich die künftigen Eigentümer inhaltlich einmischen werden.

Electronic Arts ist weltweit bekannt für Blockbuster-Reihen, die nicht nur Millionenumsätze generieren, sondern auch kulturelle Phänomene geworden sind: EA Sports FC, der Nachfolger der FIFA-Reihe, dominiert die Verkaufslisten; Battlefield 6 steht unmittelbar vor der Veröffentlichung; Apex Legends hat sich als eines der erfolgreichsten Battle-Royale-Spiele etabliert; Die Sims, Madden NFL, Need for Speed, Dragon Age und zahlreiche weitere Titel bilden die DNA des Unternehmens. Welche Rolle diese Marken unter den neuen Eigentümern künftig spielen werden, bleibt offen.

Trotz der Eigentümerwechsel bleibt manches beim Alten: Der Hauptsitz von Electronic Arts wird weiterhin in Redwood City im Silicon Valley verankert bleiben, und Andrew Wilson, seit über einem Jahrzehnt an der Spitze des Konzerns, führt auch in der neuen Ära die Geschäfte fort. Unter seiner Leitung hat EA den Umsatz verdoppelt, die Profitabilität massiv gesteigert und seine Marktposition global ausgebaut. Stimmen aus dem Umfeld der Käufer würdigen ihn als Garant für Stabilität und Wachstum.

Turqi Alnowaiser, Vizegouverneur des PIF, erklärte, der Fonds wolle die Gaming- und E-Sport-Branche strategisch ausbauen und weltweite Ökosysteme fördern. Silver-Lake-Co-CEO Egon Durban betonte, EA sei ein „außergewöhnliches Unternehmen“ mit beispielloser Wertschöpfungskraft, das man gezielt mit Kapital und Netzwerk unterstützen wolle. Jared Kushner, Gründer von Affinity Partners, sprach von einer „persönlichen Begeisterung“, da er mit den Spielen von EA selbst aufgewachsen sei.

Beraten wurde die Transaktion von einer Riege führender Finanz- und Anwaltskanzleien. Goldman Sachs & Co. fungierte als Finanzberater von EA, während Wachtell, Lipton, Rosen & Katz juristische Expertise für das Management beisteuerten. Auf Seiten des Konsortiums koordinierten Kanzleien wie Kirkland & Ellis LLP, Latham & Watkins LLP und Sidley Austin LLP die rechtliche Ausgestaltung.

Der Zeitplan ist ambitioniert: Bereits zwischen April und Juni 2026, im ersten Quartal des EA-Geschäftsjahres 2027, soll der Deal abgeschlossen sein – vorbehaltlich der Zustimmung durch Behörden und Aktionäre. Scheitert er nicht an kartellrechtlichen Hürden, wäre es einer der größten sogenannten Take-Private-Deals der vergangenen Jahre: ein börsennotiertes Unternehmen von Weltrang verschwindet in privater Hand, bezahlt ausschließlich mit Barmitteln.

Electronic Arts, gegründet 1982, erzielte im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von rund 7,5 Milliarden US-Dollar. Über 13.000 Mitarbeitende weltweit entwickeln Titel, die regelmäßig internationale Bestsellerlisten anführen. Mit der Übernahme könnte sich ein neues Kapitel aufschlagen: Nicht nur als traditionsreicher Publisher von Spielen, sondern möglicherweise als strategisches Element in der globalen Expansionspolitik Saudi-Arabiens, flankiert von amerikanischem Kapital und politisch einflussreichen Akteuren. (dt)

Foto: Olya Adamovich/Pixabay