Wo Glaube verbindet: Die Irmgardis-Oktav bot eine Woche voller gelebter Kirche

Mit einem feierlichen Hochamt und der anschließenden Vesper auf dem Heiligenberg ist am Sonntag die traditionsreiche Irmgardis-Oktav in Süchteln zu Ende gegangen.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker und Rita Stertz

Viersen-Süchteln – Eine Woche lang hatte die Pfarre St. Clemens Gläubige aus der gesamten Region zu Gebet, Gottesdienst und Begegnung zur diesjährigen Irmgardis-Oktav eingeladen – und erneut gezeigt, dass das Fest weit mehr ist als ein kirchliches Ritual: Es ist gelebter Glaube, Tradition und Zusammenhalt in einer immer hektischer werdenden Zeit.

Foto: Rheinischer Spiegel/Rita Stertz

Bereits die feierliche Eröffnung mit der Prozession der Reliquie der Heiligen Irmgardis auf den Heiligenberg ließ erahnen, welch besonderes Klima diese Oktav ausstrahlen würde. Von den Kleinsten, die bei der Kindersegnung ihre ersten kirchlichen Erfahrungen sammelten, bis zu den älteren Gemeindemitgliedern, die dankbar die Seniorenmessen besuchten – die gesamte Woche war ein Spiegelbild einer lebendigen Kirche. „Die Oktav verbindet Generationen. Ich war schon als Kind hier, jetzt bringe ich meine Enkel mit“, erzählte eine ältere Teilnehmerin sichtlich bewegt. Viele Familien nutzen die Oktav, um Tradition weiterzugeben und Glauben im Alltag erfahrbar zu machen.

Besondere Momente prägten die Tage: Die Schülergottesdienste der Viersener Schulen, die Andachten der Kolpingfamilie, die Messen für Kranke und Senioren sowie die Begegnung der Frauengemeinschaften aus der Region. Überall war spürbar, dass die Heilige Irmgardis, die als Helferin in Sorgen und Nöten verehrt wird, viele Menschen ganz persönlich berührt.

Foto: Rheinischer Spiegel/Rita Stertz

Ein emotionaler Höhepunkt war die Firmung am Samstagabend. Zahlreiche Jugendliche empfingen durch Pfarrer Alexander Schweikert das Sakrament, begleitet vom Jungen Chor St. Clemens, der mit modernen geistlichen Liedern eine Atmosphäre von Zuversicht und Aufbruch schuf. „Für mich war das ein unvergesslicher Moment. Es war, als würde die ganze Gemeinde hinter uns stehen“, sagte ein junger Firmling nach der Feier.

Am Sonntag schließlich strahlte die Oktav in ihrem traditionellen Glanz. Das Hochamt brachte noch einmal die Gemeinschaft der Gläubigen eindrucksvoll zusammen, bevor am Nachmittag die Schützenbruderschaften aus Viersen mit Fahnen und Musik zum feierlichen Finale beitrugen. Unter blauem Himmel und bei spätsommerlicher Wärme verwandelte sich der Heiligenberg in einen Ort, an dem Spiritualität und Volksfeststimmung Hand in Hand gingen. „Man spürt hier eine ganz besondere Kraft. Es ist, als ob die Heilige Irmgardis selbst mit uns feiert“, unterstrichen Schützen aus Viersen.

Foto: Rheinischer Spiegel/Rita Stertz

Die Irmgardis-Oktav war auch in diesem Jahr ein Ort, an dem Menschen Kraft schöpfen konnten. Viele kamen mit ihren Sorgen und Anliegen, legten sie im Gebet in die Hände der Heiligen Irmgardis und nahmen Trost und Hoffnung mit nach Hause. „Die Oktav ist für mich jedes Jahr eine Möglichkeit innezuhalten und mich auf das Wesentliche zu besinnen“, fasste Hildegard Schmitz ihre Eindrücke zusammen. Dieses Innehalten – mitten im Alltag, mitten im Leben – macht die Irmgardis-Oktav so einzigartig.

Ohne das Engagement zahlreicher Helfer, die Organisation der Pfarre St. Clemens, die musikalischen Beiträge von Chören und Musikgruppen sowie die Unterstützung der Schützen wäre dieses Fest nicht denkbar gewesen. Auch in diesem Jahr waren es die vielen Ehrenamtlichen, die der Oktav ein Gesicht gaben. „Die Menschen hier tragen das Fest. Jeder bringt etwas ein – sei es Zeit, Stimme oder einfach nur die eigene Präsenz im Gebet. Genau das macht die Oktav aus“, betonte Manfred Hoffmann, der schon seit vielen Jahren an der Oktav teilnimmt.

Mit dem Ende der Oktav ist zugleich der Blick auf die Zukunft gerichtet. Schon jetzt freuen sich viele auf die nächste Feier zu Ehren der Heiligen Irmgardis, die seit Jahrhunderten in Süchteln verehrt wird. Denn was in dieser Woche sichtbar wurde, wird auch künftig tragen: der tiefe Glaube, die Freude an der Begegnung und das Vertrauen auf die Fürsprache einer Heiligen, die den Menschen bis heute nahe ist. (nb)

Foto: Rheinischer Spiegel/Rita Stertz