Kunst unter freiem Himmel: Ein Fest für Sinne und Seele bot die viersen°openart XI

Am gestrigen Sonntag verwandelte sich der Lyzeumsgarten in der Viersener Südstadt erneut in ein wahres Kunstmekka. Trotz bedecktem Himmelszelt, das glücklicherweise trocken blieb, strömten zahlreiche Besucherinnen und Besucher zu viersen°openart XI. Die angenehm kühleren Temperaturen im Vergleich zu den heißen Sommertagen zuvor erwiesen sich als Glücksfall: Sie schufen ideale Bedingungen für einen genussvollen Tag voller Begegnungen, Inspiration und Austausch im Zeichen der Kunst.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler und Martin Häming

Viersen – Zum bereits elften Mal setzte die Initiative viersen°openart gestern ein eindrucksvolles Ausrufezeichen im Kulturkalender der Region. Mit über 40 Künstlerinnen und Künstlern, die in weißen Pavillons ihre Werke präsentierten, wurde der Lyzeumsgarten zu einem der größten Open-Air-Foren für bildende Kunst am gesamten Niederrhein. Malerei, Grafik, Zeichnungen, Fotografie und Bildhauerei – die Vielfalt der ausgestellten Arbeiten zeigte, wie lebendig, handwerklich präzise und kreativ die regionale wie auch überregionale Kunstszene ist.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Die Besucherinnen und Besucher konnten gemütlich flanieren, mit den Kunstschaffenden ins Gespräch kommen und ihre Werke hautnah erleben. Gerade die direkte Nähe zwischen Künstlern und Publikum machte das Festival zu einem besonderen Erlebnis: Kunst wurde nicht nur betrachtet, sondern lebendig diskutiert und geteilt. „Es ist einfach faszinierend, wie nah man hier an die Künstlerinnen und Künstler herankommt. Man spürt die Leidenschaft hinter jedem Werk – das macht dieses Festival so einzigartig“, unterstrich Sabine M.

Ein besonderes Glanzlicht setzte die Schirmherrschaft des international renommierten Bildhauers und Malers Thomas Virnich. Der aus Eschweiler stammende Künstler, einst Teilnehmer der Documenta VIII und vielfach ausgezeichnet, verkörpert mit seiner einzigartigen Verbindung von Collage und Skulptur den experimentellen Geist, für den auch viersen°openart steht. Viele Gäste nutzten die Gelegenheit, Virnich persönlich zu begegnen und in seinen Werken Inspiration zu finden. Mit seiner Präsenz reihte er sich würdig in die illustre Riege namhafter Schirmherren früherer Jahre ein – von Wolfgang Adam über Emil Schult bis Irene Hardjanegara.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Besonderes Staunen löste der diesjährige UrbanArt-Live-Act aus: Die Künstlerin Anna Myrzyglod beeindruckte mit der Entstehung eines großformatigen Werkes, das sie direkt vor den Augen des Publikums auf die Leinwand zauberte. Mit energischen Bewegungen und kraftvoller Farbgestaltung gelang es ihr, die Zuschauer von der ersten Skizze bis zum fertigen Bild zu fesseln. Viele Kinder wie auch Erwachsene blieben minuten- und stundenlang gebannt stehen, um der Künstlerin über die Schulter zu schauen. „Die Mischung ist grandios: große Namen, junge Talente und dazu die Bürgeraktion. Man entdeckt hier Dinge, die man in keiner Galerie so erleben könnte“, lächelte ein Kulturinteressierter aus Mönchengladbach.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Ebenso wichtig wie die großen Namen ist für die Veranstalter die Förderung junger Talente. So erhielten auch in diesem Jahr die Gewinnerinnen des Wettbewerbs „Jugend creativ“ der Volksbank Viersen – darunter Bundespreisträgerin Luisa Weiss und Kreissiegerin Sofia Smakotin – die Möglichkeit, ihre Werke einem großen Publikum zu präsentieren. Der Stolz in ihren Augen und das ehrliche Interesse der Gäste bestätigten, dass Kunstförderung an der Basis genau hier ansetzen muss.

Darüber hinaus lockte die Bürgeraktion „Viersen macht Kunst!“ erneut zahlreiche Teilnehmende an, die eigene Arbeiten für den guten Zweck beisteuerten. Unter der fachkundigen Begleitung von Emil Schult wurden die Bilder taxiert und zu Gunsten der Aktion „Junge Mütter on Tour“ verkauft. Betreut wird die Aktion von der Dipl.-Sozialpädagogin Bettina Passon, Leiterin des ALO Jugendzentrums in Dülken. Erneut wurde sichtbar, es ist eben ein ganz besonderer Pavillion – eine Verbindung von Kunst und sozialem Engagement, die dem Festival seit Jahren einen besonderen Wert verleiht.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Ganz ohne Bühne, dafür nahbar und akustisch pur, sorgten Straßenmusiker wie Markus Fegers oder das Jimmy-van-Heusen-Trio für eine stimmungsvolle Klangkulisse. Von Jazz-Standards bis zu gefühlvollen Akustik-Covern wurde der Spaziergang durch den Lyzeumsgarten von lebendiger Musik begleitet, die sich nahtlos in die Atmosphäre einfügte. „Ich komme jedes Jahr, und jedes Mal ist es anders. Heute hat mich besonders die Live-Performance von Anna Myrzyglod begeistert – das war Kunst zum Anfassen“, so die aus Krefeld angereiste Studentin Julia R.

Für das leibliche Wohl war ebenfalls bestens gesorgt: Das Café des Paulus-Stiftes bot Frühstück und Kuchen, die Weinhandlung „La Cava“ lud in den beliebten Gourmetgarten ein, und Frank Schiffers brachte mit seiner bekannten Kaffeebud den unverwechselbaren Duft frisch gebrühten Kaffees in den Park.

Am Ende dieses eindrucksvollen Sonntags zeigte sich erneut wie Kunst Menschen zusammenführt, Horizonte erweitert und die Südstadt Viersens zu einem kulturellen Mittelpunkt macht. viersen°openart XI hat einmal mehr bewiesen, dass es weit mehr als ein Festival ist: Es ist ein Fest für die Sinne, ein Ort der Begegnung und ein Symbol für gelebte Kultur am Niederrhein. Mit Spannung darf man schon heute auf die zwölfte Ausgabe im kommenden Jahr blicken. (sk)