Ein volles Bürgerhaus, gespannte Erwartungen und am Ende viel Applaus: Die Wahlarena des Jugendforums Viersen hat am 11. September in Dülken eindrucksvoll gezeigt, dass Politik mehr sein kann als Zahlen, Programme und Wahlplakate. Rund 230 Besucherinnen und Besucher, darunter zahlreiche Jugendliche, nutzten die Gelegenheit, die Bürgermeisterkandidatinnen und -kandidaten in einem ungewöhnlichen Format hautnah zu erleben.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler und Martin Häming
Viersen-Dülken – Schon beim Betreten des Saals war zu spüren, dass dies kein gewöhnlicher Wahlkampfauftritt werden würde. Das Jugendforum und das Bündnis für Familie hatten bewusst auf eine Mischung aus ernsthafter Auseinandersetzung und spielerischen Elementen gesetzt, um Politik greifbarer zu machen. Herausgekommen ist eine Veranstaltung, die sowohl für die Kandidierenden als auch für das Publikum Überraschungen bereithielt.

Im Mittelpunkt standen nicht allein die politischen Inhalte. Zwar wurden aktuelle Themen wie Stadtentwicklung, Umweltpolitik oder Jugendbeteiligung offen diskutiert, doch ebenso wichtig war die menschliche Seite der Bewerberinnen und Bewerber. Jeder stellte sich zunächst mit einem selbst gestalteten Lebenslauf vor – mal ernst, mal humorvoll, aber immer authentisch.
Besondere Aufmerksamkeit erhielten die spontanen Beiträge, die deutlich machten, dass Politik nicht nur sachlich, sondern auch kreativ und unterhaltsam sein kann. So wagten Maja Roth-Schmidt (Bündnis 90/Die Grünen) und Peter Schmitz (SPD) eine Tanzeinlage, während CDU-Kandidat Christoph Hopp das Publikum mit einer Gesangsdarbietung überraschte. Momente wie diese sorgten nicht nur für Lacher und Applaus, sondern auch für Nähe zwischen Wählerinnen und Wählern und den Menschen, die ihre Stadt in den kommenden Jahren führen wollen.

Durch das Programm führten Aaron Schelkes vom Jugendforum und der bekannte Journalist Dieter Könnes. Mit einer Mischung aus Charme, Witz und kritischer Nachfrage gelang es den Moderatoren, sowohl ernste Debatten zu eröffnen als auch lockere Gesprächssituationen zu schaffen. Gerade diese Vielseitigkeit machte die Veranstaltung lebendig und zugänglich.
Zum Abschluss erhielt jeder der Kandidierenden eine Urkunde, die symbolisch für die Spende eines Baumes im Rahmen der Initiative „NRW pflanzt“ stand. Diese landesweite Aktion will eine Million Bäume setzen, um Klimaschutz sichtbar voranzubringen. Für das Jugendforum war dies ein Zeichen: Politik bedeutet Verantwortung – nicht nur für Wahlversprechen, sondern auch für die Zukunft der kommenden Generationen.

Dass so viele Jugendliche den Weg ins Bürgerhaus fanden, wertet das Jugendforum als großen Erfolg und auch im Publikum war die Begeisterung spürbar. Viele Besucherinnen und Besucher betonten, wie erfrischend es gewesen sei, Politikerinnen und Politiker abseits festgefahrener Podiumsdiskussionen zu erleben. Statt distanzierter Reden habe man die Kandidierenden als Persönlichkeiten kennenlernen können – samt Ecken, Kanten und Humor.
Inhaltlich einte die Bewerberinnen und Bewerber eine zentrale Botschaft: Die Zukunft Viersens könne nur im Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern gestaltet werden. Parteigrenzen müssten überwunden, Zusammenarbeit großgeschrieben werden. Dieses Bekenntnis zu Kompromissbereitschaft und Zusammenhalt stieß im Saal auf breite Zustimmung.
Dass die Wahlarena kein einmaliges Experiment bleiben sollte, darin waren sich viele einig. Am Ende des Abends stand ein klares Fazit: Politik kann Spaß machen – und sie kann Menschen zusammenbringen. Mit der Wahlarena ist es dem Jugendforum gelungen, Brücken zu schlagen: zwischen Jung und Alt, Politik und Gesellschaft, Ernsthaftigkeit und Leichtigkeit. „Wir haben gezeigt, dass Demokratie nicht abstrakt ist, sondern mitten im Leben stattfindet“, sagte eine junge Teilnehmerin beim Hinausgehen. Viele nickten zustimmend. Die Wahlarena in Viersen hat Eindruck hinterlassen – und womöglich einen neuen Standard gesetzt, wie Wahlkampfveranstaltungen aussehen können. (sk)





