Ein Jahrhundert, ein Takt wurde in Hockstein gefeiert

Ein ganzes Wochenende lang stand der Mönchengladbacher Stadtteil im Zeichen von Trommelschlag und Tradition: Mit Umzug, Zapfenstreich und Festzeltbetrieb hat das Trommler-Corps Hockstein 1926 e.V. sein hundertjähriges Bestehen begangen; begleitet von großer Resonanz aus der Bürgerschaft und zahlreichen Gastvereinen.
Von RS-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz und Martin Häming

Mönchengladbach-Hockstein – Wenn ein Verein hundert Jahre alt wird, dann ist das mehr als ein Jubiläum: Es ist ein Stück gelebte Ortsgeschichte. Genau das war am vergangenen Wochenende in Hockstein zu spüren, als das Trommler-Corps Hockstein 1926 e.V. sein großes Fest beging. Zwei Tage lang lagen Klang, Bewegung und Erinnerung über dem Stadtteil. Was mit einem festlichen Umzug begann, mündete in einen Abend voller Stimmung im Festzelt und fand am Sonntag in Messe, Totenehrung und Ehrungen einen würdigen, zugleich sehr persönlichen Abschluss.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Schon am Samstagnachmittag zeigte sich, dass dieses Jubiläum kein gewöhnlicher Festakt werden sollte. Als sich der Zug durch Hockstein in Bewegung setzte, verwandelten Musik, Uniformen und der Rhythmus der Trommeln die Straßen in eine lebendige Bühne. Angeführt von befreundeten Musikzügen und getragen von vielen Teilnehmern, zog der Festzug durch den Ort, begleitet von Zuschauern an den Straßenrändern. Überall standen Menschen, blieben stehen, winkten, fotografierten, lauschten. Der Klang der Instrumente schob sich durch die Straßen, mal kraftvoll, mal fein abgestimmt, und machte deutlich, dass hier nicht nur marschiert, sondern auch erinnert wurde.

Besonders eindrucksvoll geriet der Übergang vom Umzug zur Serenade und zum feierlichen Zapfenstreich. Als die Musik innehielt und der Abend langsam in die Dämmerung kippte, bekam die Veranstaltung mit dem Zapfenstreich jene Schwere und Würde, die einem Jahrhundert Vereinsgeschichte angemessen ist. Wenige Stunden später zeigte sich das Fest von seiner anderen Seite. Im Zelt an der Klusenstraße war die Strenge des offiziellen Teils einer ausgelassenen, lebhaften Stimmung gewichen. Dort wurde gesprochen, gelacht, gratuliert und getanzt. Live-Musik hielt die Atmosphäre bis tief in die Nacht hinein in Bewegung. Die Tanzfläche blieb gut gefüllt, Tische wurden im Wechsel von neuen Gästen und alten Bekannten belebt, und immer wieder mischten sich Erinnerungen an frühere Zeiten mit der Freude des Augenblicks.

Am Sonntag schlug das Jubiläum einen ruhigeren, nachdenklicheren Ton an. Die feierliche Messe brachte Besinnung in das Festwochenende und lenkte den Blick auf die Wurzeln des Vereins, auf die Menschen, die ihn über Jahrzehnte geprägt und getragen haben. Bei der Totenehrung wurde dieser Gedanke besonders spürbar. Einen besonderen Stellenwert nahm die Ehrung verdienter Mitglieder ein. Andreas Tillmann, Klaus Müllers und Ralf Kremer erhielten die Schützenmusiker-Auszeichnung in Bronze des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften. Die Auszeichnung würdigte nicht nur langjähriges Engagement, sondern auch die Verlässlichkeit, mit der solche Vereine über Jahre und Jahrzehnte getragen werden. Gerade in einem Jubiläumsjahr bekommt eine solche Ehrung Gewicht, weil sie zeigt, dass Tradition nicht von allein fortbesteht, sondern vom Einsatz einzelner lebt. Applaus, Glückwünsche und sichtbare Anerkennung machten deutlich, dass diese Leistungen im Verein und darüber hinaus geschätzt werden.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Beim Frühschoppen im Festzelt klang das Wochenende schließlich in heiterer Gelassenheit aus. Noch einmal kamen Gäste zusammen, tauschten Eindrücke aus und ließen die vergangenen Stunden Revue passieren. Für den Vorstand war das Jubiläum ein Erfolg, nicht zuletzt wegen der großen Beteiligung und der Hilfe zahlreicher Unterstützerinnen und Unterstützer.

Dass dieses Jubiläum mehr war als ein festlicher Anlass, lag auch an der langen Geschichte des Trommler-Corps. 1926 gegründet, ist der Verein tief mit Hockstein verbunden. Aus bescheidenen Anfängen mit improvisierten Uniformen und großem Idealismus entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte ein fester Bestandteil des örtlichen Brauchtums. Die Geschichte des Corps erzählt von Aufbruch, Rückschlägen und Neubeginn, von Unterbrechungen durch Krieg und politisch dunkle Zeiten, von mühsamem Wiederanfangen und von Menschen, die nie aufgehört haben, an den Verein zu glauben.

Auch die spätere Entwicklung des Corps steht für eine bemerkenswerte Kontinuität. Immer wieder gelang es, neue Mitglieder zu gewinnen, Probenbetrieb und Auftritte zu sichern und die musikalische Tradition an jüngere Generationen weiterzugeben. Zeiten der Unsicherheit wurden durch Engagement und Zusammenhalt überwunden. Namen wie Karl Thomas, Hubert Müllers oder Hubert Nilges stehen dabei für Abschnitte des Aufbaus, der Erneuerung und des Erfolgs. Dass das Corps bis heute Bestand hat, ist deshalb nicht nur eine organisatorische Leistung, sondern Ausdruck einer gewachsenen Kultur des Miteinanders.

Übrigens: Das Trommler-Corps Hockstein 1926 e.V. sucht weiterhin junge Leute ab etwa zehn Jahren, die Spaß am gemeinsamen Musizieren haben. Kontakt: Trommler-Corps Hockstein 1926, Stadtwaldstr. 295, 41179 Mönchengladbach, trommler-corps@hockstein.de. (cs)

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming