Die Vogelsrather Schützen setzten ein Zeichen für Zusammenhalt und Heimatverbundenheit

Mit einem feierlichen Aufmarsch, dem stillen Gedenken am Ehrenmal und einem Großen Zapfenstreich hat die St. Josef-Schützenbruderschaft 1821 Vogelsrath e.V. am gestrigen Sonntag ihr diesjähriges Heimat- und Schützenfest beendet.
Von RS-Redakteur Dietmar Thelen und Leo Dillikrath

Schwalmtal – Ganz im Sinne des Leitwortes „Aus alter Wurzel neue Kraft“ stand der letzte Festtag ganz im Zeichen von Tradition, Musik und der sichtbaren Vergewisserung eines Vereins, der seit mehr als zwei Jahrhunderten das gesellschaftliche Leben des Ortes prägt. Was am Morgen mit dem Antreten am Festzelt gemeinsam mit den Gastbruderschaften begann, fand in einer Abfolge sorgfältig geplanter Programmpunkte seine Fortsetzung: Kranzniederlegung, musikalische Ehrenbezeugung, Frühschoppen, Parade und schließlich der Dorfabend als geselliger Ausklang eines Festes, das auf gelebten Zusammenhalt zurückblicken kann.

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

Bruderschaften aus Oberamern, Schellerbaum und Dilkrath reihten sich ein, die Züge formierten sich, und Vogelsrath wurde für einige Stunden zum Raum dieser besonderen dörflichen Vertrautheit, die dem Schützenwesen in Vogelsrath seit jeher seine besondere Note gibt. Am Ehrenmal wurde der Ernst des Tages sichtbar. Die traditionelle Kranzniederlegung wurde begleitet vom Tambourkorps Schwalmtal Amern und den Schwalmtalmusikanten des Musikvereins Cäcilia Overhetfeld.

In der Ansprache am Ehrenmal rückte die Bedeutung des Großen Zapfenstreichs als Symbol des verbindenden Gedankens in den Mittelpunkt. Gemeint war der Bogen zwischen den Generationen, zwischen denen, die die Bruderschaft über lange Zeit getragen haben, und denen, die sie heute fortführen. Vogelsrath versteht sich offenkundig nicht als Ort der nostalgischen Verklärung, sondern als Gemeinschaft, die ihre Herkunft kennt und aus ihr Verpflichtung ableitet. Die Rede nahm diese Linie auf, indem sie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nicht als getrennte Abschnitte behandelte, sondern als zusammenhängende Verantwortung: Die älteren Mitglieder hätten die Grundlagen gelegt, die jetzige Generation müsse sie bewahren und zugleich in neue Zeiten hinübertragen.

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

Auch das Königshaus stand im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Björn und Anna Riemer mit ihren Ministern wurden als Repräsentanten eines lebendigen und verlässlichen Miteinanders gewürdigt. Ihr Auftreten sei, so der Tenor, Ausdruck jener Eigenschaften, die eine Bruderschaft in besonderer Weise auszeichnen: Zusammenhalt, Freundschaft, Verantwortungsbereitschaft und die Fähigkeit, Geselligkeit mit Verbindlichkeit zu verbinden. In einer Zeit, die öffentliche Bindungen oft zerfasern lässt, wirkt eine solche Konstellation wie eine stille Gegenrede. Vogelsrath zeigte am Sonntag, dass Gemeinschaft nicht aus sich selbst entsteht, sondern aus persönlichem Einsatz, aus ungezählten Stunden der Vorbereitung und aus der Bereitschaft, sich in den Dienst eines gemeinsamen Ganzen zu stellen.

Dass der Festverlauf reibungslos und in angemessenem Rahmen stattfand, war auch ein Verdienst des Vorstandes und der vielen Helferinnen und Helfer, deren Arbeit im Hintergrund häufig erst dann sichtbar wird, wenn sie gelungen ist. Die Organisation eines solchen Schützenfestes erschöpft sich nicht im sichtbaren Festprogramm; sie beginnt lange zuvor mit Abstimmungen, Planungen und kleinen Entscheidungen, die nach außen kaum wahrgenommen werden. Genau daraus erwächst jedoch die Stabilität eines Festes, das mehr sein will als ein einzelner Veranstaltungstag. Das gilt ebenso für jene, die das „Schöttereiblättchen“ gestaltet haben, das mit Bildern, Erinnerungen und Informationen das Selbstverständnis des Dorfes dokumentiert und damit weit über den Charakter eines bloßen Festheftes hinausgeht.

So endete das Heimat- und Schützenfest mit jener kontrollierten Leichtigkeit, die gute Dorffeste auszeichnet und ihnen ihren unverwechselbaren Ton gibt. Die St. Josef-Schützenbruderschaft 1821 Vogelsrath e.V. knüpfte mit diesem Abschluss an ihre lange Geschichte an, die von der Frühzeit des Vereins über die Wiederbelebung nach Kriegsjahren bis hin zur heutigen Festkultur reicht. Eine Kultur, die sich stetig wandelt, gepflegt und immer wieder neu in Form gebracht wird. Heute und ebenso hoffentlich auch noch in weiteren hundert Jahren. (dt)

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath