Ausschuss entscheidet über Umbenennung der Süchtelner Hindenburgstraße

Am Montagabend befasst sich der Ausschuss für Stadtentwicklung und -planung der Stadt Viersen mit der Umbenennung der Hindenburgstraße. Die damalige Benennung stand unter dem Eindruck der Erfolge auf den Schlachtfeldern des ersten Weltkrieges und würdigte Hindenburgs militärische Leistungen.

Viersen-Süchteln – Mit einem Antrag aus der Bürgerschaft beschäftigt sich der Ausschuss für Stadtentwicklung und -planung der Stadt Viersen am Montagabend, der über die Umbenennung der Süchtelner Hindenburgstraße entscheiden wird. Die Hindenburgstraße wurde 1917 nach Paul von Hindenburg benannt. Die damalige Benennung stand unter dem Eindruck der Erfolge auf den Schlachtfeldern des ersten Weltkrieges und würdigte Hindenburgs militärische Leistungen.

Die Diskussionen um die politische Person Paul von Hindenburg haben auch in den vergangenen Jahren nicht abgenommen. So sind der Stadtverwaltung Viersen in den Jahren 2016, 2018, 2020 und zuletzt 2021 Anregungen zugesandt worden, die Hindenburgstraße umzubenennen. Mit Datum vom 13.3.2022 wurde durch den Verein Förderung der Erinnerungskultur e.V. Viersen 1933-1945 zusätzlich ein Antrag nach § 24 GO gestellt, die Hindenburgstraße umzubenennen.

Die in den letzten Jahren geänderte Sicht auf die politische Person Paul von Hindenburg sowie die letzte Anregung zur Umbenennung geben für die Stadt Viersen Anlass, erneut über die Benennung der Hindenburgstraße zu entscheiden.

In dem in der Stadt Viersen regelmäßig angewandten Verfahren bei der Neu- und Umbenennung von Straßen werden neben den bei der Stadt Viersen eingereichten und geführten Vorschlägen für Straßennamen der Heimatverein, das Kreisarchiv, der Verein EUREGIA – Frauenweg zwischen Rhein und Maas und der Verein Förderung der Erinnerungskultur um Vorschläge gebeten. Bei Straßen im Stadtbereich Süchteln wird außerdem das Heimatmuseum Süchteln beteiligt. Sollte eine Umbenennung positiv entschieden werden, stehen bereits jetzt die Varianten fest. Neben der Charles-Darwin-Straße, könnte es die Heiligenbergstraße, die Pfarrer-Karl-Schloß-Straße oder die Marie-Luise-Morawietz-Straße werden.

Der Antragsteller der aktuellen Anregung schlägt vor, die Straße in „Charles-Darwin-Straße“ umzubenennen. Charles Darwin leistete als britischer Naturforscher wesentliche Beiträge zur Evolutionstheorie und gilt als bedeutender Naturwissenschaftler. Die Hindenburgstraße führt zwischen den Ortsteilen Dülken und Süchteln an dem Gewanne Heiligenberg entlang. Durch Herrn Bleischwitz wurde im Jahr 2016 im Rahmen eines Leserbriefs in der lokalen Presse der Vorschlag gemacht, die Hindenburgstraße in „Heiligenbergstraße“ umzubenennen.

Das Kreisarchiv befürwortet nachdrücklich die Umbenennung der Hindenburgstraße und unterstützt den vorgenannten Vorschlag, die Straße in „Heiligenbergstraße“ umzubenennen. Da es sich bei dieser Bezeichnung um einen örtlichen Bezug handelt, ist eine Vorbelastung nicht gegeben. Der Verein für Erinnerungskultur schlägt vor, die Straße nach dem evangelischen Pfarrer Karl Schloß zu benennen. Pfarrer Karl Schloß war ab 1934 Pfarrer in Süchteln und ging im Rahmen seiner Tätigkeit aktiv gegen Nazis in der Gemeinde vor. Der Heimatverein begrüßt den Vorschlag, die Straße nach Pfarrer-Karl-Schloß zu benennen. Die Benennung würdigt den Einsatz des Pfarrers im NS-Regime und zugleich die Geschichte der ev. Gemeinde Süchteln.

Der Verein Euregia – Frauenwege zwischen Rhein und Maas e.V. begrüßt die Umbenennung der Hindeburgstraße und schlägt „Marie-Luise-Morawietz-Straße“ vor. Die Umbenennung einer Straße bleibt nicht ohne Folgen für die Anwohner. Verträge müssen geändert/angepasst, verschiedene öffentliche Stellen über die Adressänderung informiert werden.

Von einer Umbenennung der Hindenburgstraße wären rd. 60 Wohn-/ Geschäftsadresse betroffen. Für die Bewohner ist die Ummeldung der Personaldokumente bei der Stadt Viersen gebührenfrei, für die Ummeldung der KFZ-Dokumente beim Kreis sind Gebühren in Höhe von 11,40 € zu entrichten. Daneben entstehen für die Bewohner die Aufwendungen für die Änderungen in ihren privaten Verträgen und Angelegenheiten. (dt/Vorlage Stadtentwicklung und -planung Stadt Viersen)

Collage: Pixabay

7 Kommentare

  1. Solche Umbenennungen bedeuten lediglich Kosten und Probleme. Die Süchtelner Namensfindung vor 105 Jahren sollte man kritisch hinterfragen, die damaligen Beweggründe aber achten und respektieren. Sie stehen in keinem Zusammenhang mit der sechzehn Jahre später erfolgten Ernennung Hitlers zum Reichskanzler. Ohne die damals, den Ersten Weltkrieg ausweitende amerikanische Bankenrettung (Finanzierung und Kriegseintritt der USA als eine Niederlage der Geldnehmer als möglich erschien) hätte es weder einen Reichspräsidenten Hindenburg noch einen Reichskanzler Hitler gegeben.
    Hindenburg war das einzige deutsche Staatsoberhaupt, das direkt vom Volk gewählt wurde. Er hat sich strikt an die politischen Vorgaben gehalten. Diese waren Regierung, Reichstag und Parteien. Doch genau dies entwickelte sich zum Kernproblem. Die damaligen Reichstagsparteien waren ihrer von der Verfassung übertragenen Verantwortung letztlich nicht gewachsen und versagten kläglich.

  2. Ich habe selten so viel Schwachsinn gelesen. Wollen wir wirklich unsere gesamte Geschichte ausradieren? Ist es nicht viel wichtiger daran zu erinnern und zu mahnen? Vom Verein für Erinnerungskultur hätte ich mehr erwartet, sehr schade!

  3. „Eine lautstarke Minderheit hat ein unstillbares Verlangen, ständig etwas zu finden,
    worüber sie sich empören kann. Ich habe volles Verständnis für den Kampf gegen Rassismus und soziale Gerechtigkeit. Aber ein effektives ändern/ausradieren, indem man -bleibt man hier jetzt bei Änderung des Straßennamens- alles physisch aus unseren Parks, Gebäuden und Straßen verschwinden lässt, ist in einer reifen Demokratie nicht zulässig.“
    Das Vorgehen der Anhänger dieser „Woko-Haram“ Bewegung erfodert den Widerstand der Vernunftmenschen. Alles und jedes soll reglementiert werden. Man nimmt für sich in Anspruch, alle Missstände auf der Welt zu kennen und die richtigen Lösungen zu haben. Ich habe dieses „Gutmenschentum“ einfach satt. Würden sich eigentlich die Franzosen wegen der „Sedanstraße“ beleidigt fühlen? Nach deutschem Aktivismus müßten sie ihren „Arc de Triomphe“ dann auch bald abreißen.

  4. Es ist, wie es ist. Immer wieder wollen Menschen die Welt verändern. Mal viele, mal wenige, aber immer mit großer Intensität.
    Viele glauben, durch Worte, Entzug oder Veränderung von Termini, dass Geschehenes ungeschehen gemacht werden könne.
    Wer die Welt verändern will, muss bei sich selbst anfangen, aber dies wollen die wenigsten.

  5. Super diese Entscheidung ich Google mal was ich zu unserer Strassennamen finde, müsste auch umbenannt werden finde ich hier könnte man ein Teil des Kfz Kennzeichens der Bewohner mit Einfließen lassen keine Sorge Leser sind nur zwei Buchstaben wäre also kein Problem.

  6. In der Öffentlichkeit soll die Geschichte verschwinden. Weg mit Namen von Straßen und Plätzen, die an dunkle Zeiten erinnern.

    Wer so entscheidet, der muss auch die dunkle Geschichte aus dem Schulunterricht verbannen.
    Dies den Kindern zu lehren zeigt ihnen, was für Menschen möglich ist, ob richtig oder falsch.

  7. Wer anderleuts Denkmäler stürzen will, muss damit rechnen, dass zu gegebener Zeit auch sein eigenes Denkmal und Andenken gestürzt wird.

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