Farben, Lachen und Musik verschmolzen gestern Abend wieder zu einem einzigen, strahlenden Karnevalsgemälde im Dülkener Bürgerhaus, als die Föderation Europäischer Narren Deutschland e. V. zu ihrem Ordensfest und dem traditionellen Künstler-Vorstellabend lud.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker und Martin Häming
Dölke – Schon lange bevor der erste Programmpunkt gestern auf der Dölker Bühne begann, lag ein warmes Summen erwartungsvoller Stimmung über dem Saal – das Versprechen eines Abends, an dem Tradition und pure Verrücktheit Hand in Hand tanzen würden. Den Auftakt für die kommenden Stunden übernahm natürlich wieder Frank Gramberg, Regionalpräsident des Regionalverbandes Linker Niederrhein, der mit schalkhaftem Funkeln in den Augen das närrische Volk begrüßte. Er musste kaum mehr sagen, denn das Publikum war ohnehin bereits in Feierstimmung.

Kaum verklungen, ging der Vorhang auf für einen Künstler, der den Saal innerhalb weniger Sekunden in kollektives Staunen versetzte: Fabio Gandolfo, der erste singende Pizzabäcker Deutschlands – und wahrscheinlich der einzige Entertainer, der gleichzeitig Schlager schmettert und eine Pizza durch die Luft wirbelt, als wäre sie ein federleichtes Zirkusrequisit.
Gandolfo, der einst in der familieneigenen Pizzeria in Dipperz entdeckte, dass Teig nicht nur im Ofen, sondern auch in der Manege glänzen kann, heizte mit „Du bist ’ne Pizza“ und „Komm, lass’ dich kneten“ den ganzen Saal zum Mitsingen an. Zwischen Pizzateig-Piruetten und typisch italienisch-charmanten Sprüchen konnte man seinen Auftritt irgendwo zwischen Schlagerparty, Artistenshow und herzenswarmem Klamauk beschreiben.

Kaum hatte sich der Duft heißer Begeisterung gelegt, folgte ein Auftritt, der den Saal jubilieren ließ: Das Boisheimer Kinder-Dreigestirn – Prinzessin Lina I., Bäuerin Emma I., Jungfrau Abelina I. – zog mit strahlenden Augen auf die Bühne. Begleitet von der Kindertanzgarde der Ki Ka Kai a – und sogar der Dölker Kinderprinzessin – wirbelten die jungen Nachwuchsnarren über die Bühne, als hätten sie die Leichtigkeit des Karnevals persönlich gepachtet. Im Publikum selbst saßen zahlreiche jecke Tollitäten, die mit glänzenden Augen das Tun der Nachwuchsjecken verfolgten. Man ist eben eine große, närrische Familie.

Die Mädels waren aber natürlich nicht alleine. Auch das große Boisheimer Prinzenpaar – oder genauer: die majestätische Prinzessin Elke I., die ihrem Grippe-geplagten Prinzgemahl Franz-Herbert I. stellvertretend die Ehre hielt, eroberte die Herzen im Sturm. Aus dem Publikum heraus sandte man Genesungswünsche, und die stellvertretende Viersener Bürgermeisterin Simone Gartz nutzte den Moment für eine besondere Geste: Sie überreichte Prinzessin Elke I. den Rathausschlüssel ein zweites Mal – diesmal korrekt beschriftet und unter herzlichem Gelächter des Saales. Ein närrisch-charmanter Fauxpas, der in guter Erinnerung bleiben wird.

Der Abend hielt jedoch nicht nur Musik und Tanz bereit, sondern auch Augenblicke, die die Bedeutung des karnevalistischen Ehrenamts würdigten. André Birk erhielt die hohe Auszeichnung Narr von Europa in Gold. Von den „Crazy Kids“ wurden Lara-Sophie Röther mit dem Jugendorden in Silber und Tanja Röther mit dem Orden in Bronze geehrt. Doch den glanzvollen Höhepunkt bildete schließlich die Ehrung von Manfred Friederichs, der die Auszeichnung Narr von Europa in Brillant mit Krone entgegennehmen durfte – ein Moment, in dem selbst gestandene Karnevalisten feuchte Augen bekamen.

Schon kurz darauf wackelten wieder die Wände: Rainer Wahnwitz, alias De Fleech, alias Rainer Buch, betrat die Bühne und schaffte es mit seiner unnachahmlichen Mischung aus Schlagern, Schabernack und Lebensfreude, die Stimmung noch einmal kräftig aufzupolieren.

Eine echte Stimmungskanone zündeten im Anschluss dann heimische Gewächse. Weiter ging es auf der Bühne mit rasanten Beinen und mitreißenden Formationen: Die Süchtelner Tanzgarden – Webergarde und Kapellengarde – stürmten mit beeindruckender Präzision das Parkett. Ihre Choreografien waren ein Fest der Eleganz und Energie; man sah jedem Sprung, jeder Drehung an, wie viel Herzblut und Training dahintersteckt. Der tosende Applaus war mehr als verdient.

Einen ganz eigenen Zauber entfachte dann die Showtanzgruppe „Lollipop“ aus Nettetal, die unter dem Motto „Donnervogel – Herrscher der Himmelswelt“ eine mystisch-farbenfrohe Tanzwelt erschuf. Mit glitzernden Federn, leuchtenden Stoffen und akrobatischen Höhenflügen ließen sie den Saal für einige Minuten zu einer schwebenden Traumlandschaft werden. Es war bereits ihr zweiter Besuch auf der Dülkener Bühne in dieser Session – und erneut lösten sie Begeisterungsstürme aus.

Mitten im Programm platzierte sich ein Überraschungsmoment: Die KG Rot-Weiß Vorst 1977 e.V. brachte ihr wunderbares Solomariechen mit, das mit federleichten Schritten und strahlender Bühnenpräsenz das Publikum im Sturm einnahm.

Die Stimmung blieb hoch, als Ette und Lilly die Bühne eroberten. Lilly, die freche rothaarige Puppe mit Jeans, Halstuch und spitzer Zunge, begrüßte ihr Publikum mit einem lauten „Hallo Fans!“ und zündete anschließend ein Feuerwerk aus Witz, Charme und ungebändigter Schlagfertigkeit. Bei dem Bauredner-Duo blieb kein Auge trocken, kein Zwerchfell verschont – Humor, der in bester karnevalistischer Tradition Menschen jeden Alters verbindet.

Zum musikalischen Abschluss übernahm kein Geringerer als der Süchtelner Sänger Detlef Belk, der – unterstützt von seinem Technikteam – den gesamten Abend über Musik und Ablauf fest im Griff hatte. Zum Finale brachte er noch einmal die Karnevalisten auf die Bühne und ließ das Bürgerhaus im kollektiven Mitsingen erbeben.
Hinter all dem Spektakel steht die Föderation Europäischer Narren Deutschland e. V., einer der wenigen europaweit agierenden Dachverbände des Karnevals. Ihre Mission: Brauchtum bewahren, Verbindungen stärken, Mitglieder unterstützen. Von der Zusammenarbeit mit Flandern und den Niederlanden bis hin zu zentral verhandelten GEMA- und Versicherungsfragen – die FEN ist weit mehr als ein Verband; sie ist ein pulsierendes Herzstück der europäischen Narrenfamilie.
Der gestrige Abend hat eindrucksvoll gezeigt, warum Karneval weit mehr ist als Kostüme und Konfetti. Es ist ein Lebensgefühl, das Menschen verbindet und Generationen übergreifend Freude schenkt – und genau das war im Dülkener Bürgerhaus zu spüren: in jedem Lied, jeder Ehrung, jedem Lachen und jedem Funken Glitzer in der Luft. Vielen Dank, liebe FEN, wir kommen gerne wieder! (nb)





