Schon am frühen Nachmittag kündigte sich im Roahser Gürzenich ein Spektakel an, das selbst eingefleischten Jecken ein Leuchten in die Augen zauberte. Zwischen wogenden Luftschlangen und herzlichem Kinderlachen zog eine erwartungsvolle Spannung durch den Notburgasaal. Hier traf Tradition auf unbändige Lebensfreude bei der Proklamation des neuen Viersener Kinderprinzenpaares.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker und Martin Häming
Viersche-Roahser – So langsam, aber sicher füllt sich der närrische Reigen der jecken Tollitäten, und so fehlt nach diesem Wochenende nur noch das wunderbare Süchtelner Kinderprinzenpaar. Sie standen am gestigen Samstag deshalb auch noch nicht im Rampenlicht einer Proklamation und müssen sich noch etwas gedulden.
Im Notburgasaal versammelte sich jedoch die bunte Roahser Karnevalsfamilie, um die Proklamation des neuen Viersener Kinderprinzenpaares zu feiern – ein Höhepunkt, der den Nachmittag in ein farbenfrohes Fest der kleinen und großen Tollitäten verwandelte.

Bereits der Auftakt ließ keinen Zweifel daran, dass hier ein närrischer Höhepunkt bevorstand. Unter Applaus marschierten alle teilnehmenden Kinder, die KG Roahser Jonges sowie das Ex-Kinderprinzenpaar ein. Die Klänge von Roland Zetzen erfüllten den Saal und sorgten für Gänsehautstimmung. Spätestens beim gemeinsamen Einstimmen auf den „Roahser Büttenmarsch“ schien es, als würde das gesamte Publikum sich zu einem einzigen närrischen Herzschlag vereinen.

Mit einem Augenzwinkern, viel Situationshumor und der echten, unverwechselbaren Schlagfertigkeit des Rheinlands eröffneten die Sitzungspräsidenten Lothar Beek und Maike Gütjens den Nachmittag. Kaum hatten sie das Mikrofon ergriffen, sprang der Funke über: Der ganze Saal pulsierte im Gleichklang, mal schallte herzhaftes Gelächter durch die Reihen, mal wogte ein Meer aus klatschenden und schunkelnden Jecken im Takt der Musik. Beek und Gütjens führten so leichtfüßig durch die Begrüßung, als hätten sie das närrische Bühnenparkett mit in die Wiege gelegt bekommen.

Nachdem die Kinder mit einem fröhlichen Ausmarsch die Bühne verlassen hatten, trabte Hoppereiter Jakob Brunotte auf – und mit ihm ein Schwall guter Laune. Mit viel Charme, kindlichem Witz und einem lausbübischen Lächeln servierte er seine Rede, die wie ein bunter Karnevalsstrauß aus Pointen, Anekdoten und jecker Wortakrobatik daherkam. Immer wieder brandete Gelächter auf, denn Brunottes Vortrag trug eindeutig die Handschrift echten rheinischen Karnevals: warmherzig, ein bisschen frech und herrlich authentisch.

Nun verfließen auf einer Proklamation häufig gegensätzliche Gefühle miteinander und so folgte ein besonders emotionaler Moment mit der Abdankung des Kinderprinzenpaares der vergangenen Session: Cilian I. (Leyers) und Marisa I. (Schröder). Die beiden blickten auf ein Jahr voller Auftritte, Freude und unvergesslicher Begegnungen zurück. Mit herzlichem Applaus wurden sie verabschiedet – und es flossen natürlich ein paar Abschiedstränchen.
Gleich danach eroberten die „Dance Kids“ die Bühne. Mit einem energiegeladenen Auftritt zeigten sie, wie viel Rhythmus, Talent und Spaß im Nachwuchs der Rahseraner Tanzgruppen steckt. Der Saal tobte.

Ja und dann, dann war es so weit: Die Inthronisation des neuen Kinderprinzenpaares 2024/2025 stand an. Moritz I. und Caro I. (Funk) – ein Geschwisterpaar, das schon beim Betreten der Bühne alle Herzen gewann. Bürgermeister Christoph Hopp übernahm die feierliche Inthronisation mit Würde, einem Lächeln und vielen warmen Worten, die die Bedeutung des Ehrenamts und die Strahlkraft des Brauchtums hervorhoben.
Gemeinsam sind sie ein echtes Dreamteam, das ab sofort den Viersener Kinderkarneval anführt und in dieser Session mit Herz, Humor und Heimatliebe für unvergessliche Momente sorgen will: Moritz (12) und Carolin (14) stammen aus einer karnevalsbegeisterten Familie, die seit Jahren fest im Vereinsleben der Roahser Jonges verwurzelt ist. Dort, wo das närrische Herz schlägt, haben die beiden ihre Liebe zum Karneval entdeckt – und sie seit Kindertagen gepflegt.

Moritz, der die 6. Klasse des Erasmus-von-Rotterdam-Gymnasiums besucht, ist in der Prinzengarde der Roahser Jonges aktiv. Diszipliniert, zuverlässig und immer mit einem Augenzwinkern – so kennt man ihn in der Garde. Seine Schwester Carolin, Schülerin der 8. Klasse der Anne-Frank-Gesamtschule, steht dagegen lieber im Rampenlicht: Seit den Tagen der „Minis“ tanzt sie mit Leidenschaft bei den Dance Kids und bringt die Bühne regelmäßig zum Beben.
Dass die beiden gemeinsam nun die närrische Regentschaft übernehmen, ist für viele im Publikum ein Gänsehautmoment gewesen. „Es ist einfach wunderbar, wenn man sieht, wie Kinder, die mit dem Karneval groß geworden sind, jetzt selbst an der Spitze stehen“, freute sich en Roahser Mädche unter den jecken Zuschauern.

Abseits der Bühne sind Moritz und Caro zwei ganz normale, lebensfrohe Jugendliche – mit vielen Interessen und einem ausgeprägten Sinn für Gemeinschaft. Ob beim Zelten mit den Pfadfindern, auf dem Fußballplatz oder in den Bergen: Stillstand kennen die beiden nicht. Gemeinsam mit ihren Eltern reisen sie oft mit Wohnwagen oder Wohnmobil, um neue Orte zu entdecken. Ob Nordsee, Schwarzwald oder Alpen – Hauptsache unterwegs, Hauptsache gemeinsam. Im Winter zieht es sie in den Schnee. Während Caro gekonnt auf Skiern durch die Pisten gleitet, bevorzugt Moritz das Snowboard. Auch das Schwimmen gehört zu ihren Lieblingsbeschäftigungen – echte Wasserratten eben, die sowohl im Hallenbad als auch am See zu Hause sind.
Seine Begeisterung für den Fußball prägt Moritz nicht nur auf dem Sportplatz. Als Spieler des ASV Süchteln hat er gelernt, dass Teamgeist, Fairness und Durchhaltevermögen der Schlüssel zum Erfolg sind – Eigenschaften, die ihm auch als Kinderprinz sicher helfen werden. Wenn er das runde Leder über den Rasen treibt, dann mit dem Herzen bei seinem Lieblingsverein – einem großen Bundesliga-Klub, dessen Farben und Emblem sich auch auf seinem kunstvoll gestalteten Prinzenzepter wiederfinden. Das Prinzenzepter ist dabei eine Premiere, denn erstmals trägt der Kinderprinz, so wie der große Prinz, ein eigenes Narrenzepter.
Seine Schwester Carolin steht ihm in nichts nach. Die 14-Jährige ist kreativ, organisiert gerne und liebt es, auf der Bühne zu stehen. Ihre tänzerische Erfahrung bringt sie nicht nur bei Auftritten, sondern auch in der Vorbereitung auf die Session ein. Mit ihrer fröhlichen Art und einem offenen Ohr für die Jüngeren ist sie ein Vorbild für viele kleine Jecken. Während ihrer Regentschaft wollen Moritz I. und Carolin I. in der kommenden Session vor allem eins: Freude schenken und Gemeinschaft stärken. Ihr Ziel ist es, dass alle Kinder – ob im Kostüm, in der Schule oder beim Straßenkarneval – spüren, wie viel Spaß, Toleranz und Freundschaft in dieser Tradition steckt.

Als schließlich auch das frisch inthronisierte große Prinzenpaar der Narrenherrlichkeit Viersen – Wolfgang III. & Estefania I. (Scholz) – unter jubelndem Applaus den Notburgasaal betrat, wurde die Bühne endgültig zum strahlenden Zentrum der jecken Macht. Mit funkelnden Orden, breitem Lächeln und sichtlicher Vorfreude begrüßten sie das närrisches Volk und machten sofort klar: Diese Session wird mit Herzblut, Charme und einer ordentlichen Portion Frohsinn regiert … schließlich soll es kostenlose Döner ebenso geben, wie eine Skipiste auf dem Hohen Busch oder kostenlose Bus-Tickets und Süßigkeiten an jeder Ecke.

Kaum waren die beiden angekommen, verschmolz das Geschehen zu einem farbenfrohen Gesamtkunstwerk. Für den traditionellen Stiepefötsches-Tanz der Kinderprinzengarde bildeten sie den perfekten Rahmen. Und natürlich durfte ein liebgewonnenes Ritual nicht fehlen: die traditionelle Mützensammlung. Raschelnde Scheine … klimpernde Münzen. Am Ende zeigten die Jecken einmal mehr ihr großes Herz: Stolze 437,50 Euro kamen zusammen – eine wunderbare Unterstützung für den Roahser Kinderkarneval, der ohne solche Gesten nicht dieselbe Strahlkraft hätte.

Zu den mitreißenden Mariechentänzen, dem spritzigen Auftritt der Roahser Funken und dem schwungvollen Tanz von Gina-Jolie gesellten sich die Tollitäten aus Süchteln, Dülken, Boisheim sowie zahlreiche befreundete Karnevalsvereine. Ein wahres Farbenmeer, das zeigte: In Viersen feiert man zusammen, bunt und fröhlich, über Stadtgrenzen hinweg.

Der Sketch „Die große Castingshow“ sorgte für Tränen vor Lachen, bevor die Funkengarde der KG Hoseria und die Kindergarde die Bühne in ein wahres Tanzfeuerwerk verwandelten. Stundenlang vibrierte der Notburgasaal im Takt des Karnevals, und et Roahser sowie et Viersche standen Kopf – mit leuchtenden Augen, mitreißendem Applaus, mit Stolz und vor allem mit einer gehörigen Portion närrischer Lebensfreude im Herzen. Darauf ein kräftiges: Ramm di bamm. (nb)





