Gestern verwandelte sich das Süchtelner Weberhaus wieder in ein leuchtendes Karnevalsparadies. Die Jecken feierten die Proklamation ihres 57. Kinderprinzenpaares – Jonas II. und Hannah II. – und ein Meer aus Konfetti, Lachen und bunten Kostümen erfüllte den Saal.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker und Martin Häming
Soetele – Schon beim Einlass waren die kleinen und großen Narren kaum zu bremsen, ihre Vorfreude auf die Session sprühte durch jeden Winkel. Immerhin stand die letzte Proklamation in der Vierstadt Viersen an und es wurde Zeit, dass auch die Nachwuchsregenten in Süchteln endlich die Insignien ihrer närrischen Macht erhielten. So kam es also, dass das Weberhaus wieder förmlich aus allen Nähten fiel, so zahlreichen waren die Gäste erschienen.

Der Nachmittag begann traditionsgemäß mit der Begrüßung der Ehrengäste, bevor unter festlichem Applaus das Prinzenpaar der vergangenen Session, Lyon I. & Mila I., den Saal eroberten. Auch sie standen noch einmal im närrischen Rampenlicht, bevor Bürgermeister Christoph Hopp und Ortsbürgermeister Wolfgang Genenger die Hoheitszeichen der 5. Jahreszeit wandern ließen.
So schnell kann es gehen von einer Entthronisierung zu einer Inthronisierung, wobei bei ersterem auch ein Dank an die Ex-Prinzenmutter Janine Breitsprecher ebenso wenig vergessen wurde, wie ein Dank an die stolzen Eltern des neuen Prinzenpaares.

Das sind in dieser Session Jonas II. und Hannah II., die ihren Einzug in den Saal sichtlich genossen. Mit elf goldenen Regeln wollen sie regieren, und so verkündeten sie mit einem Augenzwinkern und jeder Menge karnevalistischer Energie ihre Gebote, die fortan während der Session den Ton angeben sollen.
Gleich zu Beginn machten die beiden unmissverständlich klar, wer im Karneval das Sagen hat: „Wir sind jetzt die Chefs!“, erklärten sie selbstbewusst – und fragten lachend in die Runde, ob es dazu überhaupt Fragen gebe. Weiter ging es mit einer besonders beliebten Ansage unter den kleinen Narren: Hausaufgaben spielen ab sofort keine Rolle mehr. Stattdessen soll getanzt, gesungen und gelacht werden – am besten den ganzen Tag und natürlich in den buntesten Farben, die der Karneval zu bieten hat.

An dritter Stelle ihres närrischen Grundgesetzes stellten die beiden das oberste Ziel ihrer Regentschaft heraus: Spaß für wirklich alle. Niemand soll außen vor bleiben, alle sollen mitfeiern – und das bitteschön ausgiebig. Und weil Freude im Karneval oft durch Süßigkeiten befeuert wird, folgte direkt die vierte Regel: Bonbons dürfen kreuz und quer fliegen und wer lauthals „Helau!“ ruft, wird mit noch mehr süßer Beute belohnt.
Auch Bewegung ist Pflicht in ihrer Session: Wer sich nicht von selbst zum Tanzen hinreißen lässt, muss – so scherzten die beiden – direkt zur Garde geschickt werden. Dort lerne man schließlich am schnellsten, wie man sich rhythmisch in Szene setzt. Ebenso bunt soll es zugehen: Wer ohne Farbe und Kostüm erscheint, wird kurzerhand mit einer Extraportion Konfetti überschüttet, damit niemand farblos durch die närrische Zeit stolpert.

In kulinarischer Hinsicht setzen Jonas II. und Hannah II. klare Prioritäten: Gemüse ist in dieser Session zwar nicht verboten, aber Pommes sind offiziell bevorzugt und ziehen in die Herzen (und vermutlich auch auf die Teller) der kleinen Narren ein. Dann ergriff Prinzessin Hannah II. das Wort und formulierte die achte Regel ganz persönlich: Sie sei die Prinzessin aus der Irmgardisstadt, erklärte sie voller Stolz – eine Stadt, in deren Herzen Handball und Heimat tief verwurzelt seien. Ihr Appell: Lasst uns gemeinsam feiern, laut und wild, als würde die erste Herrenmannschaft gerade einen spektakulären Sieg einfahren.

Direkt im Anschluss übernahm Prinz Jonas II. die neunte Regel – und sie passte perfekt zu ihm. Er erklärte mit funkelnden Augen, dass er ein Prinz sei, der leidenschaftlich gerne reite. Sein Pferd sei sein größter Schatz, und so wolle er, dass während seiner Regentschaft die Hufe laut klappern und die Mähnen im Wind wehen. Gemeinsam, so sein Wunsch, sollen alle Narren durchs närrische Süchteln ziehen – als ausgelassener, fröhlicher Tross.
Mit der zehnten Regel setzte das Kinderprinzenpaar ein humorvolles Zeichen gegen den Abschied vom Karneval: Aschermittwoch? In dieser Session tabu! Denn für Jonas II. und Hannah II. gilt nur eine Devise – Karneval geht immer weiter. „Juhu!“ riefen sie dabei in den Saal und ernteten stürmischen Applaus der kleinen und großen Jecken.

Zum krönenden Abschluss präsentierten die beiden ihre elfte Regel, die gleichzeitig das Motto ihrer Session bildet: „Lasst uns gemeinsam feiern, bunt und schrill – die Irmgardisstadt macht, was sie will!“ Ein Satz, der den ganzen Raum mit einem Schub voller Energie und Vorfreude erfüllte und wie ein Versprechen klang: Diese Session wird laut, farbenfroh, herzlich – und ganz sicher unvergesslich.
Doch, wer sind die beiden eigentlich, die im Weberhaus die Bühne eroberten? Prinz Jonas II. und Prinzessin Hannah II. führen als 57. Kinderprinzenpaar der KG De Brook Müerkes eine Tradition fort, die tief in der Süchtelner Karnevalsgeschichte verwurzelt ist. Seit fast sechs Jahrzehnten geben sich hier die Kinderprinzen und -prinzessinnen die Hand – ein Schatz, den die neuen Tollitäten mit spürbarer Freude weitertragen.
Prinz Jonas II. (Winkler), ein lebensfroher Junge von 11 Jahren, bringt all das mit, was man von einem aufgeweckten Kinderprinzen erwartet: Begeisterung, Neugier, Humor und ein Herz, das groß genug ist, um den Karneval seiner Heimatstadt mit Energie zu erfüllen. Seine ersten Schritte in die Welt lernte er in der KiTa St. Franziskus in Süchteln-Vorst, wo er schon damals für seine Fröhlichkeit und seinen Bewegungsdrang bekannt war. Danach ging es für ihn zur Martinsschule nach Süchteln-Sittard, bevor sein schulischer Weg ihn an die Liebfrauenschule nach Mülhausen führte, wo er heute seine Ausbildung fortsetzt.
Jonas ist ein Kind mit vielen Facetten. Beim Tanzen blüht er auf, beim Reiten fühlt er sich frei, beim Schwimmen taucht er ab in seine eigene Welt. In der Leichtathletik kann er ausgelassen rennen, springen und zeigen, wie viel Energie in ihm steckt. Zusätzlich engagiert er sich als Messdiener – eine Aufgabe, die er mit großer Ernsthaftigkeit und Verantwortung übernimmt. Dennoch bleibt immer Zeit für seine Familie und Freunde, mit denen er am liebsten draußen spielt oder an der Switch kleine Wettkämpfe austrägt. Seine besondere Leidenschaft gilt den Pferden, die er nicht nur liebt, sondern deren Wesen ihn tief fasziniert. So ist es kaum verwunderlich, dass er auch karnevalistisch viel mit Bewegung und Rhythmus verbindet: Seine tänzerische Heimat fand er beim Festausschuss Süchtelner Karneval, wo er mit spürbarer Freude und Konzentration in der Kapellengarde tanzt.

Prinzessin Hannah II. (Floeth), die zu Beginn des neuen Jahres ebenfalls ihren 11. Geburtstag feiert, ist das perfekte Pendant zu Jonas – voller Energie, herzlich, sportlich und mit einem ebenso großen Lächeln im Gesicht. Sie begann ihre Reise in der KiTa St. Irmgardis in Süchteln, bevor sie an die Brüder Grimm-Schule wechselte. Heute besucht sie das Erasmus von Rotterdam-Gymnasium in Viersen, wo sie nicht nur schulisch, sondern auch persönlich über sich hinauswächst.
Ihre Freizeit gehört zwei großen Lieben: dem Handball und dem Gardetanz. Auf dem Handballfeld zeigt sie Ehrgeiz, Teamgeist und einen enormen Einsatzwillen – stets darauf bedacht, ihre Fähigkeiten weiter zu verbessern. Beim Gardetanz wiederum lebt Hannah ihre Freude an Musik und Bewegung aus, strahlt auf der Bühne und begeistert ihr Publikum. So ist es kein Zufall, dass auch ihre karnevalistische Laufbahn bei der KG De Brook Müerkes begann. Dort tanzte sie voller Begeisterung in der Begleitgarde und wechselte später in die Kapellengarde des Festausschusses Süchtelner Karneval, wo sie heute zu den engagierten jungen Tänzerinnen zählt.

Als Jonas und Hannah sich das erste Mal trafen, dauerte es nicht lange, bis sie merkten: Wir wollen das gemeinsam machen! Der Traum, ein Kinderprinzenpaar zu sein, verband die beiden sofort – und so entstand ein Team, das mit frischer, jugendlicher Euphorie durch die Session zieht. Die beiden kennen keine halben Sachen: Wenn sie feiern, dann richtig. Wenn sie lachen, dann aus vollem Herzen. Und wenn sie Karneval leben, dann bunt, schrill und mitreißend.
Natürlich gehören zu einer solch wunderbaren Proklamation auch fantastische Auftritte, wie die der Tanzgarden der KG De Brook Müerkes mit ihren Gardetänzen, dem Solomariechen der Süchtelner Garde, die Kapellengarde des Süchtelner Festausschusses – mitsamt dem frisch gekürten Kinderprinzen – oder die Dü-Ka-Ge, die KV De Üüle oder die Ki Ka Kai a. Zwischen diese und einige weitere Darbietungen schoben sich die Gratulanten, ob nun selbst bereits Tollitäten, wie das Süchtelner Dreigestirn mit Prinz Nicolai I., Jungfrau Thomina I. und Bauer Uwe I., sowie weitere Hoheiten aus der Gesamtstadt bis hin nach Boisheim, oder zahlreiche Vereine, die das neue Kinderprinzenpaar hoch leben lassen wollten.

So formte sich ein bunter Nachmittag mit fröhlicher Musik und lebhaften Choreografien, die das Publikum zum Mitschwingen animierten. Doch, stopp, was war denn das? Nicht nur Prinz und Prinzessin standen im Rampenlicht an diesem Samstag. Eine besondere Ehrung sorgte für eine Überraschung, als Michael Fritsch mit dem goldenen Verdienstorden des Karnevalsverbandes Linker Niederrhein e.V. in Anerkennung seiner karnevalistischen Leistungen ausgezeichnet wurde. Genau der Richtige, da waren sich die Jecken einig, die den ehrvollen Moment mit von Herzen kommendem Beifall würdigten.

Michael Fritsch ist seit 1994 aktives Mitglied der KG De Brook Müerkes und engagiert sich seit 2000 – also seit nunmehr 25 Jahren – im Vorstand, zunächst als 2. Kassierer. Im März 2015 übernahm er kommissarisch den Vorsitz, den er seit 2016 ununterbrochen innehat. Fritsch gilt als echter Vereinsmensch, der sich nicht nur im Karneval, sondern auch im Sommerbrauchtum, insbesondere im Schützenverein, stark einbringt. Darüber hinaus engagiert er sich zusätzlich als Ehrensenator der Ki Ka Kai a.

Bis hin zum krönenden Abschluss, dem großen Finale mit Prinzenpaaren, Ehrengästen, Gesellschaften & Co. erfüllte Musik und Frohsinn über Stunden hinweg das Weberhaus. Nun ist der närrische Reigen der Tollitäten komplett und die jecke Session kann Fahrt aufnehmen. Darauf ein lautes Brook Müerkes, damit es bis in den hintersten Winkel der Süchtelner Höhen zu hören ist und alle wissen: Es wird eine grandiose Session. (nb)





