Proklamation und Welturaufführung – Die Vierscher bejubelten ihr Prinzenpaar

Gekürt im kleinen Kreis und sogar online wurde das amtierende Prinzenpaar Lothar II. und Regina I. bereits im Januar und damit noch in der vergangenen Session … die Corona zum Opfer fiel. Nun aber konnten die närrischen Tollitäten endlich mit ihrem Narrenvolk in der Festhalle die Prinzenproklamation feiern.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Viersche – Noch am Donnerstag hatte das Vierscher Prinzenpaar mit Prinz Lothar II. und Prinzessin Regina I. fleißig in der Festhalle mit der Prinzenbegleitung Luftballons aufgeblasen, mit denen dem närrischen Volk eine einladend geschmückte Festhalle präsentiert werden konnte.

Diese erstrahlte bereits vor Beginn der lange erwarteten Prinzenproklamation in rot und blau – den Farben des Festausschusses Viersener Karneval. Schließlich konnte in Viersens guter Stube am Freitagabend endlich wieder gefeiert werden und die Narren ließen sich nicht zwei Mal bitten, als der Festausschuss den Termin mit dem diesjährigen Motto „Ohne Narren (w/m/d) geht es nicht“ bekannt gegeben hatte.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Mit Lothar II. und Regina I. (Beeck) stecken seit der letzten Session bereits zwei echte Karnevalisten in den königlichen Roben. Beide sind keine Unbekannten und seit langem im Karneval aktiv und mittlerweile bei den Roahser Jonges beheimatet. Während Prinz Lothar II. sich insbesondere im Kinderkarneval engagiert, zählt Regina I. zu den Roahser Möhn. Hinzu kommt, dass alle ihre Söhne, Anton, Jakob und Oskar, bereits als Kinderprinzen das närrische Zepter schwangen … ihre Eltern erklimmen nun als letzte der Beeck-Reihe die jecke Bühne in dieser Funktion.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Bevor das Prinzenpaar am Freitag allerdings seinen Weg zur Bühne beschreiten konnten, da waren erst einmal andere dran. Schließlich lassen es sich die Gesellschaften und der Festausschuss Viersener Karneval nicht nehmen für die närrischen Tollitäten ein erstes farbenfrohes und lebendiges Bühnenbild zu präsentieren, während der Senatspräsident Frank Schiffers das närrische Volk gekonnt in Reimen begrüßte und die Band „Hätzblatt“ die Stimmung für das Highlight es abends anheizte.

„Fun-Fact“ … die Erkelenzer spielten zur Kürung bereits im Januar 2022 vor der Corona-bedingt fast leeren Festhalle. „Leev Marie, es muss die wahre Liebe sein, für eine Nacht bleib ich lieber allein …“ – sitzenbleiben auf den Plätzen? Das ging nun wirklich nicht.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Aber dann, ja dann war er da! Der Einzug des Vierscher Prinzenpaares, welches so lange hatte warten müssen. Der Atem stockte, das Herz hüpfte, Schmetterlinge im Bauch sorgten für ein Gefühl, welches nicht zu beschreiben war. Und die Menge nahm die närrischen Blaublütigen nicht nur herzlich auf.

Nein, mit stehendem Applaus wurden sie begrüßt, als sie ihre Schritte, angeführt vom Viersener Tambour Corps 1925 e.V., durch die Festhalle lenkten und mit einem lauten „Helau“ rote und weiße Rosen in hohem Bogen das närrische Volk erreichten.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Die Bühne füllte sich mit der Prinzengarde und der besonderes großen Prinzenbegleitung. Dafür, dass alle mit auf die Bühne durften, gab es vom Prinzen auch direkt einen Dank an den Festausschuss. „Weil da wo die sind, weil da wo wir sind, da ist Party, da wird gefeiert“, so der Vierscher Prinz, bevor dieser das Mikrofon an den Senatspräsidenten Frank Schiffers übergab: „Lieber Lothar, liebe Regina, des ist euer Tag, es ist eure Session. Der Festausschuss Viersener Karneval und alle Närrinnen und Narren hier oben auf der Bühne und unten im Saal, sie werden euch feiern, denn ihr seid der Mittelpunkt. Und ich darf auch hier an dieser Stelle sagen: Wirklich ein wunderbares Zusammenspiel, auch in der kurzen Zeit, die wir zusammen genießen durften und ich bin mir sicher, bei den weit über 50, 60, 70 Auftritten, wird es noch einmal wirklich, wirklich schön. Habt eine schöne Zeit, lasst euch feiern, lasst euch treiben, denn ohne Narren geht es nicht.“

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Mit seiner Bitte, die Vereine zu unterstützen, damit das närrische Brauchtum weiterleben kann, wurde auch der offizielle Teil mit der Übergabe des Stadtschlüssels und einer Segnung eingeleitet, bevor das Prinzenpaar zur Welturaufführung ihres Tanzes gemeinsam mit den Roahser Wibbels, deren Mitglieder zur Prinzenbegleitung zählen, schreiten konnte.

„Qué será, será, whatever will be, will be, the future’s not ours to see, qué será, será, what will be, will be …“, in der Festhalle hatte sich mit der musikalischen Untermalung der Combo Favorit unter der Leitung des Kapellmeisters Armin Jakobi ein stimmgewaltiger Chor gebildet, der das Prinzenpaar bei den Tanzschritten auf der großen Bühne begleitete.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Apropos Tanzschritte: Natürlich durfte dann auch die Viersener Prinzengarde ran, die traditionell mit einem neuen Tanz ihrem Prinzenpaar die Ehre erwies. Mit dem Auszug startete das Showprogramm des Abends mit Clown Rudi, der an diesem Abend ohne Willi angereist war. Die Lacher des Saals hatte er dennoch ebenso sicher, wie Bernd Stelter, der mit viel Witz dem einen oder anderen Titel kurzerhand einen neuen Text verpasste.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Für bewundernde „Ahs und Ohs“ sorgten direkt zwei besondere Tanzgarden. Es war der erste Auftritt in dieser Session für die StattGarde Colonia Ahoj e.V., die in dieser jecken Zeit mit ihrer Mottobrosche „Ov krüzz oder queer – mir sind bunt, mir sind queer“ den Karneval noch farbenfroher machen und dabei sogar noch einen runden Geburtstag mit einer dicken, roten 20 feiern können.

Die Gruppe ist einer der jüngsten und mitgliederstärksten Vereine im Kölner Karneval – aber auch in Viersen nicht unbekannt. Die Festhallenbühne kannten die Tänzer bereits, die mit ihrer Akrobatik und Gesang die Stimmung nochmals anheizten.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Etwas traditioneller, doch nicht weniger beeindruckend präsentierte sich die FunkenGarde Erkelenz Blau-Weiß der EKG 1832 e.V. Für die gemischte Garde war es der erste Tanz nach 1.000 Tagen, umso höher schwangen die Beine in die Luft und die Mariechen strahlten um die Wette. Längst hatte das närrische Virus wieder alle erreicht und dem Klang der Trömmelchen konnte man sich nicht mehr entziehen.

Die närrische Flamme mag in den vergangenen Monaten zu einem Funken zusammengeschrumpft sein, doch dieser brannte in seinem Inneren mit ganzer Kraft, nur darauf wartend, dass er wieder zum mitreißenden Feuer erblühen darf.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Als dann die Kölner Kult-Band die „Boore“ als letzter Auftritt der diesjährigen Prinzenproklamation dafür sorgte, dass jede Hand der Festhalle zum Klatschen genutzt wurde, da waren die letzten Monate längst vergessen und eines klar, die 5. Jahreszeit, die kann auch kein Corona verhindern, denn „Ohne Narren geht es nicht (w/m/d)!“ (nb)

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming