Von Fohlenkeller bis Dölker Pommes – Das Orpheum lockte mit einem grandiosen Premierenabend

Gestern Abend öffnete das Dülkener Bürgerhaus seine Türen für einen Abend, der schon beim Betreten spürbar knisterte: Es war der erste Spielabend der neuen Saison der Großen Karnevalsgesellschaft Orpheum 1869 Dülken e.V., ein Premierenabend, der im 157. Jahr des Bestehens dieser traditionsreichen Gesellschaft die Herzen der Zuschauer höher schlagen ließ.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker und Leo Dillikrath

Dölke – Bereits auf dem Weg in den großen Saal des Dülkener Bürgerhauses hörte man gestern Abend das Stimmengewirr der Vorfreude, und als das Publikum schließlich die bestuhlten Reihen füllte, lag eine erwartungsvolle Spannung in der Luft, die nur Karneval, Theater und Dölker Lebensfreude zugleich erzeugen können.

Es war der Premierenabend des Orpheums, einer von sechs Terminen, die an den kommenden Wochenenden für Schmunzeln und herzlichem Lachen sorgen werden. Mit Pinseln, Sägen und Leim bewaffnet wuselten die Mitglieder des Orpheums in den vergangenen Tagen über die Bühne, als wären sie Alchemisten der Bühnenmagie. Jeder Farbklecks, jede Schraube, jede schimmernde LED-Leiste wurde mit Akribie und Liebe zum Detail gesetzt. Zwischen Holzspänen, Stoffrollen und Farbgeruch entstanden ganze Welten: Ein falscher Handgriff, und die Illusion wankt, ein gelungener Schnitt, und das Publikum wird mitten ins Herz der Geschichte katapultiert. Beim Orpheum wird nämlich nicht nur gearbeitet, hier wird geträumt, gelacht, diskutiert und gefeiert – jeder Handgriff ein Baustein für die Magie, die später auf der Bühne entfaltet wird. Der begeisterte Applaus belohnte für die rund 900 Arbeitsstunden der Bühnencrew.

Foto: Jens Gütgens/Orpheum

Und so begann der Abend traditionell mit einem musikalischen Willkommensgruß des Orpheumschors – in diesem Jahr mit ganz besonderen, jeck-königlichen Gästen, schließlich ist Prinz Ralf I., auch bekannt als Musicus sponsionem facerens (der musische Zocker), selbst Mitglied des Oporheums –, der in präziser Harmonie und mit viel Temperament den Raum erfüllte. Schon beim ersten Ton spürte man, dass hier mehr als nur Theater auf die Bühne kommt: ein Feuerwerk der Emotionen, eine Einladung zum Lachen, Mitfühlen und Staunen. Die Stimmen der Sänger, getragen von einem Schwung, der fast die Decke des Bürgerhauses zu sprengen schien, stimmten das Publikum auf das ein, was folgen sollte: einige Stunden pralle Unterhaltung.

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

Der sich anschließende Höhepunkt des Abends war das Stück „Die Fohlen kommen“, ein Rückblick auf den legendären Fohlenkeller in Dülken im Jahr 1970. Die Bühne verwandelte sich in eine Nacht voller Musik, Geschichten und Lokalkolorit. Autor Martin Otto Braun ließ die Zuschauer eintauchen in das Dülkener Nachtleben der frühen 70er, in eine Zeit, in der die Borussia Mönchengladbach Meister wurde und der Fohlenkeller auf der Reiterstraße der Treffpunkt für junge Leute, Fußballfans und Lebenskünstler war.

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

Mit schlagfertigem Humor, temporeicher Dialogkunst und Musik, die die Atmosphäre der Ära einfangen konnte, erzählten die Darsteller von ausgelassenen Nächten, Tänzen auf der legendären gemauerten Tanzfläche, vom „Stallgeheimnis“ – einem scharfen Chili-Korn zur Begrüßung neuer Gäste – und den berüchtigten „Gummiadlern“, einem Turmsandwich, das schon damals Kultstatus hatte. Was nicht fehlen durfte war daher natürlich auch ein Orden für Rita Stapper, Witwe des leider viel zu früh verstorbenen Fohlenkeller-Inhabers Werner Stapper.

Foto: Jens Gütgens/Orpheum

Es folgte die augenzwinkernde Parodie des Fernsehgartens 2026. Unter der Regie des Autorentrios Andreas Debock, Jürgen Roemen und Julian Viehmann wurde die Bühne zum schillernden Spielplatz der TV-Unterhaltung. Hier trafen Influencer, Zwillinge, Kochlehrlinge und Promi-Juroren aufeinander, während der Orpheumschor musikalisch alles verband.

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

Applaus und Zwischenrufe aus dem Publikum waren ausdrücklich erwünscht – eine Mitmachshow, bei der sich die Grenzen zwischen Bühne und Zuschauerraum auflösten. Mit Witz, Charme und Tempo präsentierten die Darsteller ein Szenario, das die bekannten TV-Klassiker karnevalistisch übersetzte und dabei die kreative Handschrift des Orpheums sichtbar machte.

Foto: Jens Gütgens/Orpheum

Den krönenden Abschluss bildete die große Produktion „GREASE oder besser: Dölker Pommes Spezial“. Regisseur Dietmar Creutz und Autor Marcus Büschges entführten das Publikum in die 50er und 60er Jahre, ins legendäre „Dammer’s Diner“ und die Hallen der Orpheum Highschool. Zwischen Jukebox, Cadillac und einer extra Portion regionalem Witz sprühten Funken, flogen Blicke und ab und zu auch Ketchup. Liebe, Freundschaft, Rebellion gegen die Erwachsenenwelt und das heiß begehrte „Dölker Narrenabitur“ – all das verschmolz zu einem turbulenten Musical, in dem die Darstellerinnen und Darsteller mit Gesang, Tanz und pointierter Komik die Bühne beherrschten. Highschool Girls, die mit Temperament und Humor den Lehrern Paroli boten, und Jungs vom Hühnermarkt mit Charme, Witz und kleinen Eskapaden verwandelten jeden Moment in ein Karnevalsspektakel, das Herz und Lachmuskeln gleichermaßen beanspruchte.

Musikalisch begleitet wurden die Stücke von Janek Wilholt und Monika Hintsches, deren Arrangements die Stimmung verstärkten und den Zuschauerraum in eine vibrierende, lebendige Welt verwandelten. Kostüme von Werner Baulig und Andreas Ecken, Make-up und Styling von Andrea Stollenwerk und Bettina Sentis sowie die sorgfältige Inszenierung von Jutta Schrömges vom Wege sorgten dafür, dass jedes Bild, jede Szene zu einem visuellen Erlebnis wurde.

So wurde der erste Spielabend der Saison zu einem wahren Fest für alle Sinne, eine Mischung aus Tradition, karnevalistischer Lebensfreude, Lokalkolorit und künstlerischem Anspruch, die das Publikum von der ersten Minute an packte und nicht mehr losließ. Die Orpheum-Familie zeigte einmal mehr, wie tief Herzblut, Humor und Gemeinschaft in Dülken verwurzelt sind – und dass ein Abend im Orpheum nicht einfach nur ein Theaterbesuch ist, sondern ein Erlebnis, das man fühlt, lacht und noch lange nachklingen hört. (nb)

Foto: Jens Gütgens/Orpheum