Versunkene Kapelle Süchteln: „In Luft verweh’nden Glockenklang“

Um die „Versunkene Kapelle“ im Süchtelner Johannistal ranken sich die Legenden des grünen Viersener Stadtteils. Hier soll das älteste christliche, Johannes dem Täufer, geweihte Süchtelner Gotteshaus gestanden habe. 
Von RS-Redakteur Dietmar Thelen

Viersen-Süchteln/Sehenswürdigkeit Es versank plötzlich in den Schoß der Erde und an seiner Stelle bildete sich ein tiefer unversiegbarer Weiher. Heute noch soll in der Johannisnacht am 23./24. Juni, tief aus der Erde dringend bis hoch in die Baumspitzen, das dumpfe Geläut der Kirchenglocke zu hören sein.

Einer anderen Legende nach hat im Johannistal in grauer Vorzeit eine Burg gestanden. Der Burgherr, Ritter Johannes Baldinus, war weit und breit als Raubritter ebenso bekannt wie gefürchtet. Reisende Kaufleute, die ihre Ware hinüber nach Holland in Fuhrkolonnen schaffen wollten, wurden von dem Ritter mit seinem Tross oft überfallen und gänzlich ausgeraubt. Mit dem Raube zogen die Schnapphähne zur Burg des Ritters, wo dann wüste Zechgelage veranstaltet wurden. Während eines dieser Zechgelage zog ein schweres Gewitter herauf und entlud sich mit zuckenden Blitzen und gewaltigen Donnerschlägen über der Burg. Als plötzlich ein ohrenbetäubender Donnerschlag die Burg in ihren Grundmauern erschütterte und die Fensterscheiben klirrten, wurden die Zechkumpane des Ritters sehr kleinlaut und zitterten wie Espenlaub. Da forderte der Ritter sie mit einer abscheulichen Gotteslästerung zum Zechen auf. Kaum war die furchtbare Gotteslästerung seinen Lippen entschwunden, da fuhr ein greller Blitzstrahl in den Rittersaal und mit einem entsetzlichen Donnerschlag versank die Burg in die Tiefe. An der Stelle, wo die Burg gestanden hatte, bildete sich ein Weiher.

Rasmus Mio Lost Places
Foto: Rheinischer Spiegel/Rasmus Mio

Der ursprüngliche Weiher auf dem LVR-Gelände wurde 1978 zerstört, die Legenden blieben erhalten. Heinz Prost, der ehemalige Leiter der Pflegeschule, setzte sich dafür ein, dass die Legende wieder lebendig wurde. In den Jahren 1990 bis 1992 wurde der Weiher neu angelegt und eine Kirchturmspitze aufgesetzt. Nachdem der Weiher zu gewuchert war, wurde er im letzten Jahr durch die LVR-Gärtnerei wieder freigelegt und der Weg instand gesetzt. (dt)

Der Lost-Places-Fotograf und Künstler Rasmus Mio nimmt mit auf die mystische Suche nach Orten der Vergangenheit und Objekten, deren Zukunft oft im Ungewissen liegt. Hinterlassenschaften aus längst vergessenen Zeiten – verewigt in außergewöhnlichen Fotografien.

Rasmus Mio Lost Places
Foto: Rheinischer Spiegel/Rasmus Mio

Die Sage vom Johannistal

Vor vielen hundert Jahren stand im Johannistal
Zu Nutzen frommer Christen ein Kirchlein eng und schmal.
Die Gläubigen der Gegend, sie wallten hier zu Gott,
Erflehten seinen Segen gar oft in bittrer Not.

Als einst zur Abendandacht, just am Johannistag,
Des Herren Lob zu preisen, vereint sich hat die Schar,
Da fing es an zu blitzen, es donnert, heult der Sturm,
Die Kirchglock läut’t von selber, der Hahn kräht auf dem Turm.

Es bebt in seinen Fugen das Gotteshäuslein gar
Und sinkt drauf in die Erde mitsamt der Beter Schar.
Als bald der Morgen graute, verzog des Nebels Flor,
Da sah man statt des Kirchleins ein düster schwarzes Moor.

Und aus dem Sumpfe sah man die Kirchturmspitze ragen,
Die Sage uns erhalten aus längst entschwundnen Tagen.
Noch stets in der Johannisnacht zur mitternächt’gen Stund’
Hört Orgelton und Sang man tief aus dieses Sumpfes Schlund.

Die Geister sind’s von ehedem der Gläubigen, die dort
Gesungen haben Gottes Lob. Sie singen’s heut noch fort.


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